Erna Friede, geb. Ulrich
Erna Ulrich wurde am 27. November 1901 in Barmen als Tochter des Sanitätsrats Dr. Richard Ulrich geboren. Wie ihre Mutter hieß, ist noch nicht bekannt, auch nicht, ob sie Geschwister hatte, welche Schule sie besuchte und welche Berufsausbildung sie absolvierte.
Laut Barmer Adressbuch von 1921 führte ihr Vater Dr. Richard Ulrich eine Praxis in der Allee 168 (heute Friedrich-Engels-Allee).
Am 2. September 1921 vermählte sie sich in Barmen mit dem 22 Jahre älteren Kaufmann Siegfried Friede, der in Letmathe (heute Iserlohn) geboren worden war und später in Essen gelebt hatte. Am 1. Februar 1910 hatte er seinen Wohnsitz nach Chemnitz verlegt, wo er in der Langen Straße 11 unter dem Namen „Crefelder Seidenhaus“ ein Stoffgeschäft eröffnete.
Das frisch verheiratete Paar bezog in Chemnitz eine Wohnung in der Uhlichstraße 24. Am 17. Mai 1922 wurde das einzige Kind geboren, die Tochter Edith.
Am 1. April 1933 wurde in Chemnitz eine Liste mit zu boykottierenden Geschäften jüdischer Inhaber veröffentlicht, darunter auch das der Familie Friede. Im Herbst wurde das „Crefelder Seidenhaus“ „arisiert“.
Im März 1939 bemühten sich die Eheleute vergeblich um die Möglichkeit einer Auswanderung in die USA. Allerdings gelang es ihnen, ihre 17-jährige Tochter Edith im Mai 1939 mit Hilfe eines so genannten „Kindertransports“ nach England in Sicherheit zu bringen. Die Eltern mussten ihre Wohnung in der Hoffmannstraße 52 aufgeben und in eine Zwangsunterkunft in der Germaniastraße 12 (heute Rudolf-Breitscheid-Straße) umziehen.
Am 4. September 1939 wurden sie wegen angeblicher Devisenvergehen angeklagt. Siegfried Friede, der sich schon seit dem 29. März 1939 im Untersuchungsgefängnis befand, wurde am 14. Dezember vor dem Landgericht zu zehn Monaten Gefängnis und erheblichen Geldstrafen verurteilt. Auch Erna Friede bekam eine Haftstrafe von fünfeinhalb Monaten und musste ebenfalls eine Geldstrafe bezahlen. Diese Ereignisse verkraftete Erna Friede nicht mehr: Fünf Tage nach der Urteilsverkündung nahm sie sich mit Schlaftabletten das Leben. Sie war 38 Jahre alt.
Aus dem Gefängnis entlassen, bemühte sich Siegfried Friede im Februar 1940 erneut um eine Auswanderung für sich, aber sein Antrag wurde auch dieses Mal abgelehnt. Als die Tochter in England im April 1940 vom Selbstmord der Mutter erfuhr, nahm auch sie sich das Leben. Für Siegfried Friede hatte das Leben nun keinen Sinn mehr, so dass auch er am 6. Dezember 1940 Selbstmord beging.