Otto Sebald Lichtwitz

  • Geburtsdatum: 21.01.1892
  • Geburtsort: Oppeln (heute Opole/ Polen)
  • Beruf: Kaufmann
  • Wohnort:

    Mohrenstraße 30, Freiheitstraße 56

  • Todesdatum: nach 11.08.1942
  • Todesort: Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz

Otto Sebald Lichtwitz wurde am 21. Januar 1892 in Oppeln in Schlesien geboren. Er machte eine Ausbildung als kaufmännischer Angestellter in Essen und war dann zunächst Substitut. Später ging er für fünf Jahre nach Brüssel und arbeitete dort in einem Geschäft, vermutlich als Abteilungsleiter. 1914, Otto Lichtwitz war nun 22 Jahre alt, meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst. Vermutlich diente er bei der Artillerie und erreichte den militärischen Rang eines Oberfeldwebels.

Seit 1919 war Otto Lichtwitz bei der Firma Leonhard Tietz in Wuppertal angestellt. Dort lernte er die evangelische Emilie Bubenzer kennen und lieben. Bald wurde geheiratet, und am 3. März 1920 kam der Sohn Manfred zur Welt.

Obwohl politisch nicht besonders engagiert, wählten Otto Lichtwitz und seine Frau Emilie in der Zeit der Weimarer Republik immer die Sozialdemokratische Partei Deutschland. In religiöser Hinsicht war Otto Lichtwitz ein liberaler Jude – seine Frau war keine Jüdin. Er hielt keine orthodoxen Regeln ein und arbeitete zum Beispiel auch am Schabbat.

Von 1927 bis Juli 1934 arbeitete Otto Lichtwitz bei der Firma EHAPE AG (Einheitspreis-Handelsgesellschaft mbH), zunächst in Breslau, dann in Berlin und ab 1930 wieder in Wuppertal. Hier war Otto Lichtwitz Leiter der Filiale Rittershausen in Wuppertal-Barmen. Die Familie wohnte zuerst im Stadtteil Wichlinghausen in dem Mehrfamilienhaus der Eltern von Emilie Lichtwitz in der Mohrenstraße 30, später in der Freiheitstraße 56.

Unter dem Druck der Nationalsozialisten verlor Otto Lichtwitz bald seine Arbeitsstelle. So entschied er sich 1937, nach Luxemburg oder Belgien zu emigrieren, um dort Arbeit zu finden. Das war zwar in der Familie besprochen worden, aber der Zeitpunkt war dann doch überraschend. Otto Lichtwitz` Ehefrau sollte nicht zur Mitwisserin werden, um ihren eigenen Arbeitsplatz nicht zu gefährden. So hinterließ er ihr auf dem Küchentisch lediglich einen Abschiedsbrief:

Liebe Milli, ich kann die Arbeitslosigkeit nicht mehr aushalten und versuche mein Glück anderswo. Wo, weiß ich noch nicht. Wenn ich eine Existenz gefunden habe, lasse ich von mir hören. Mit Gruß Otto.

Emilie Lichtwitzt musste nun allein für sich und ihren Sohn sorgen.

In einer weiteren Karte vom 9. März 1938 aus Brüssel an seinen Sohn schrieb Otto Lichtwitz:

Mein lieber Manni! Du wirst sehr verwundert sein, dass Du von mir solange nichts gehört hast. Ich war wieder recht krank, habe zirka acht Tage gelegen. Es ist, glaube ich, dieselbe Sache, die Onkel Walter gehabt hat. Bitte schreibe mir nicht mehr nach der Rue de Parlament, da ich dort morgen wegziehe und ein billigeres Zimmer nehme. Ich teile Dir dann sofort die Adresse mit. Seid Ihr gesund? Ich hoffe es sehr. Jetzt wirst du bald achtzehn Jahre alt und ein wirklicher Mann. Hoffentlich fasst Du das Leben anders an, als ich es in den letzten Jahren leider getan habe. Also warte bitte meine neue Adresse ab. Inzwischen grüße Mutti von Deinem Vater for ever.

In einer letzten Karte von 1938 aus Brüssel zum Geburtstag des Sohnes schrieb Otto Lichtwitz:

Mein lieber Junge! Zu Deinem Geburtstag meine allerherzlichsten Glückwünsche. Möge Dir im Leben alles so gehen, wie Du es Dir wünschst. Ich bin sehr krank, kann kaum noch laufen. Aber ich will Dir das Herz nicht schwer machen. Feiere Deinen Geburtstag froh und heiter. Nochmals die innigsten Glückwünsche und Küsse von Deinem treuen Vater. An Mutti herzliche Grüße.

Diese beiden Karten hatte Otto Lichtwitz an die Adresse der Arbeitsstelle seines Sohnes Manfred, an die Firma Gebrüder Zander, Hofaue in Elberfeld geschrieben.

Erst während des Krieges erreichte ein letztes Lebenszeichen die Familie in Wuppertal. Bei einem Besuch einer früheren Kollegin aus der EHAPE AG im Jahr 1941 oder 1942 erfuhren Emilie und Manfred Lichtwitz, dass deren Mann Otto Lichtwitz in Brüssel getroffen hatte, nachdem er mit der Deutschen Wehrmacht als Soldat in Belgien einmarschiert war. Otto Lichtwitz hätte sich in seinem sehr schlechten Zustand befunden, so dass der Bekannte ihn mit einem Lebensmittelpaket versorgte. Otto Lichtwitz erzählte, dass er als „enemy alien“ in einem Internierungslager untergebracht worden wäre. Anschließend sei er in ein Gefangenenlager nach Pau in die Pyrenäen verlegt worden. Dabei blieb unklar, auf welchen Wegen er wieder nach Brüssel zurück gelangen konnte.

Erneut wurde er, nun nicht als deutscher „enemy alien“, sondern als Jude, von den deutschen Besatzern verhaftet und in Gefängnisse und Lager verbracht. Emilie und Manfred Lichtwitz gaben ihrem Mittelsmann ein weiteres Paket mit, aber sie erfuhren nie, ob es angekommen war.

Am 11. August 1942 wurde Otto Lichtwitz mit dem Transport II/855 aus Mecheln (Malines) in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort sehr bald ermordet. Er war 50 Jahre alt.

Quellen


Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal: Sammlung Föhse