Elsa Helene Breslauer, geb. Wiener, verw. Müller

  • Geburtsdatum: 13.05.1878
  • Geburtsort: Barmen (heute Wuppertal)
  • Wohnort:

    Alleestraße 140a (heute - Friedrich-Engels-Allee)

  • Todesdatum: nach 06.03.1943
  • Todesort: Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz

Elsa Helene Wiener kam am 13. Mai 1878 in Barmen zur Welt. Ihre Eltern waren der Kaufmann Julius Wiener und seine Frau Julie Gertrud, geb. Spiecker. Noch in Barmen wurde am 22. Januar 1881 Elsa Helene Wieners Schwester geboren. Später zog die Familie Wiener nach Berlin.

Elsa Helene Wieners Vater gründete 1894 in der Oranienburger Straße 30 eine Maschinen- und Werkzeugfabrik für Blechbearbeitung. 1896 zog er mit der Fabrik in die Alexanderstraße 26 und später in die Fruchtstraße 36 (heute: Straße der Pariser Kommune) in Berlin-Friedrichshain.

Über Elsas Wieners Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Ostern 1902 gaben Julius und Julia Wiener die Verlobung ihrer Tochter Elsa mit William Müller bekannt. Damals wohnte die Familie Wiener in der Ritterstraße 61 in Berlin-Kreuzberg.

Mit 24 Jahren heiratete Elsa Wiener am 28. Juni 1902 den 33-jährigen Kaufmann William Müller (geboren am 14. März 1869 in Berlinchen, Kreis Sodin). Ein Jahr später, am 8. Mai 1903, wurde Elsa Müllers Tochter Charlotte und am 25. Juli 1904 ihr Sohn Herbert Wolfgang in Berlin geboren.

William Müller 1918 nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Nachdem er zurückgekehrt war, arbeitete er in der Firma des Schwiegervaters und übernahm die Fabrik Anfang der zwanziger Jahre, als Julius Wiener in den Ruhestand ging. Fortan hieß die Fabrik: Julius Wiener Nachfolger William Müller Fabrik für Verschlussmaschinen und Konservendosen.

Am 19. April 1924 starb Julius Wiener mit 74 Jahren nach einem „Leben voller Arbeit und Aufopferung“, wie es in der Todesanzeige hieß. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Am 16. Mai 1931 heiratete Elsa Müllers Tochter Charlotte den Ingenieur Martin Fürst (geboren am 2. September 1899 in Berlin). Vier Jahre später, am 13. Juli 1935, wurde eine Enkelin geboren: Evelyn Susanne. Elsa Müller war mit 57 Jahren Großmutter.

Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 starb Elsa Müllers Mann William am 22. Juli 1933 an Darmkrebs, und sie wurde im Alter von 55 Jahren Witwe.

Ihr Sohn und ihr Schwiegersohn übernahmen nun die Fabrik für Verschlussmaschinen und Konservendosen in der Fruchtstraße 36. Noch im selben Jahr zogen Elsa und ihr Sohn Herbert ins Vorderhaus der Carmerstraße 5 in eine 3-Zimmer-Hochparterrewohnung. Die Familie ihrer Tochter Charlotte wohnte nicht weit entfernt in der Mommsenstraße 65.

Im Rahmen der “Arisierung” mussten Herbert Müller und Martin Fürst die Fabrik 1938 verkaufen. Der Familie ihrer Tochter Charlotte gelang am 17. Februar 1939 die Auswanderung nach Australien. Auch ihr Sohn Herbert erkannte die Gefahren für Juden im Deutschen Reich noch rechtzeitig und suchte nach Wegen auszuwandern, konnte jedoch kein Visum erhalten. Er reiste mit seinen Habseligkeiten am 21. Mai 1939 nach Großbritannien, wo er im Kitchener Camp, einem Auffanglager für Auswanderer, einen Platz durch die Reichsvertretung der deutschen Juden zugewiesen bekommen hatte.

Elsa Müllers Schwester Elfriede Sonnemann und deren Familie waren schon Anfang 1939 nach Brüssel in Belgien geflüchtet. Elsa Müller blieb alleine zurück.

Ab September 1941 wurde Elsa Müller, wie alle Jüdinnen und Juden im Deutschen Reich, gezwungen, den gelben Stern zu tragen. Am 7. Februar 1942 heiratete sie Alfred Breslauer, der höchstwahrscheinlich schon seit 1941 bei ihr in die Carmerstraße 5 wohnte. Alfred Breslauer war zur Zwangsarbeit verpflichtet und leistete diese für 25 RM wöchentlich in Spandau bei der Firma Dudek. Es ist anzunehmen, dass er im Rahmen der Fabrikaktion am 27. Februar 1943 bei der Zwangsarbeit von der Gestapo festgesetzt wurde.

Am 4. März 1943 wurden Elsa Breslauer und ihr Mann aufgefordert, eine Vermögenserklärung auszufüllen und zu unterschreiben. Elsa Breslauer gab an, dass sie „Geltungsjüdin“ sei, aber diese Angabe schützte sie nicht vor der Deportation. Der Begriff „Geltungsjude“ wurde von den Nationalsozialisten für Personen genutzt, die neben jüdischen Großelternteilen mindestens einen „arischen“ Großelternteil vorweisen konnten, was auf Elsa Breslauer zutraf, da ihre Mutter „arische“ Eltern hatte.

Vermögen hatte das Ehepaar nicht mehr zu deklarieren. Mit dem 35. Osttransport wurden Elsa und Alfred Breslauer am 6. März 1943 von der Gestapo nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Elsa Breslauer war 65 Jahre alt, als sie starb.

Seit 2024 erinnert ein Stolperstein an Elsa Breslauer in der Carmerstraße 5 in Berlin.

Quellen


Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 76539 | https://www.stolpersteine-berlin.de/de/carmerstr/5/elsa-helene-breslauer