Maximilian Nagel

  • Geburtsdatum: 25.05.1883
  • Geburtsort: Elberfeld (heute Wuppertal)
  • Wohnort:

    Kleine Bleichstraße 3 (heute Wesendonkstraße)

  • Todesdatum: nach 14.05.1942
  • Todesort: Vernichtungsstätte Chełmno

Maximilian Nagel wurde am 25. Mai 1883 in Elberfeld geboren. Seine Eltern waren Moritz Nagel, geboren 1846, und dessen Frau Theresia Babette, geboren 1855. Sein Vater war Teilhaber der Firma Aronstein & Nagel. Dies war eine Kurzwarenhandlung „en gros, Fabrik von Jupons und Schürzen”, die in der Bleichstraße 18 (heute Teil der Bundesallee) ihren Sitz hatte. Die Familie wohnte in der Kleinen Bleichstraße 3 (heute Wesendonkstraße). Maximilian Nagel hatte einen vier Jahre älteren Bruder: Sally (Salomon Selmar). Vermutlich erlernten beide Söhne den kaufmännischen Beruf des Vaters: Maximilian Nagel spezialisierte sich auf die Herstellung und den Verkauf von feiner Wäsche.

1924, als er 41 Jahre alt war, zog er nach Hamburg und baute sich hier eine neue Existenz auf. Er war Inhaber einer zunächst gut gehenden Fabrik für Damenwäsche in der Königstraße 51. Durch die Wirtschaftskrise geriet er zwar in finanzielle Schwierigkeiten, konnte seine Firma aber stabil halten und sein Einkommen sogar steigern, bis die nationalsozialistische „Arisierung” dem Unternehmen ein Ende setzte.

Maximilian Nagel war zweimal verheiratet – seine zweite Frau war evangelisch. Beide Frauen überlebten den Holocaust; Kinder wurden nicht geboren. Sein Bruder Sally Nagel starb am 30. Juni 1932 in Elberfeld und wurde auf dem jüdischen Friedhof bestattet (Feld I/IV). Die Gräber seiner schon 1912 bzw. 1926 in Elberfeld gestorbenen Eltern befinden sich auf Feld C/ VI).

Offensichtlich bemühte sich Maximilian Nagel unter dem Verfolgungsdruck der Nazis um eine Emigration nach Uruguay, denn am 23. März 1939 erhielt er die dafür notwendige “Unbedenklichkeitsbescheinigung”. Warum er sie nicht benutzt, ist nicht klar.

Maximilian Nagel zog von der Hirtenstraße 13 zum Rothenbaum und wechselt noch einige Male die Adresse und den Stadtteil. Am 25. Oktober 1941 wurde er von der Rothenbaumchaussee 187 in das Ghetto von Łódź deportiert. Dort wohnte er in der Hamburger Straße 6/3 und hatte ein Zimmer für sich allein. In welchem Beruf er im Ghetto arbeitete, geht aus den Meldescheinen nicht hervor.

Durch Postkarten versuchte er, Kontakt mit Freunden in Hamburg zu halten. Einige dieser Karten haben die Zensur nie passiert und wurden nie aus dem Ghetto abgeschickt. Darunter war auch eine Karte an den befreundeten Jing Chin, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Emilie eine Wäscherei in Hamburg betrieb. Hier die Transkription einer dieser Karten vom 10. Dezember 1941:

Absender:
Max J. Nagel
Litzmannstadt/ Getto
Hamburgerstr 6
bei J. Kolberg

Familie Chin Jing
(Chines. Wäscherei)
Hamburg 1
Lindenstrasse no. 54

Liebe Familie Chin Jing. Endlich sollen Sie von mir hören […] geht es mir gut. Wie geht es […] meine Lieben? Ich hoffe auch gut. Ich denke viel an Sie zurück – und waren es doch so manche nette Plauderstündchen. Was macht mein l.[ieber] Werner? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir mal schreiben, und erhalten Sie prompt wieder Antwort. Meine letzte Wäsche ist bei Ihnen ja gut aufgehoben. Nun empfangen Sie alle die besten Grüsse von Ihrem alten u treuen Max Nagel

Am 14. Mai 1942 wurde Maximilian Nagel aus dem Ghetto „ausgesiedelt” und vermutlich am nächsten Tag in der Vernichtungsstätte Chełmno getötet.

Er wurde 59 Jahre alt.