Ehrenfried Walther von Tschirnhaus

  • Geburtsdatum: 13.09.1917
  • Geburtsort: Barmen (heute Wuppertal)
  • Wohnort:

    Schönenstraße 2 (heute Berliner Straße)

  • Todesdatum: 25.02.1944
  • Todesort: Konzentrationslager Buchenwald

Auch unter der jüdischen Bevölkerung gab es Familien, die in der Vergangenheit geadelt worden sind. Sie führten einen mehr oder weniger adligen Familien- oder Geburtsnamen. Einige stammten aus geadelten besitzbürgerlichen, oft früher oder später getauften Familien, andere hatten adlige Ehepartner nichtjüdischer Herkunft, wieder andere führten Namen, die nur adlig klangen wie „von Halle“. Sucht man im Internet nach dem Namen „Ehrenfried Walther von Tschirnhaus“, stößt man sofort auf den deutschen Naturforscher, Mathematiker und Physiker dieses Namens, der von 1651 bis 1708 gelebt hat, und dessen Werke der Frühaufklärung zugerechnet werden.

Ehrenfried Walther von Tschirnhaus aus Barmen hingegen wurde am 13. September 1917 geboren, als Sohn des 1872 geborenen Majors Viktor von Tschirnhaus und seiner 20 Jahre jüngeren Frau Katharina, geb. Arioni, die Tochter eines Bankiers, der aus einer jüdischen Familie stammte. Ehrenfried Walther von Tschirnhaus wurde, wie seine Eltern, evangelisch getauft. Die Familie lebte in der Schönenstraße 2 (heute ein Teil der Berliner Straße) in Barmen.

1930 war Ehrenfried Walther von Tschirnhaus Schüler eines Internats, und von Januar 1932 bis 1937 lebte er im Alumnat in Traben-Trarbach.

Im Oktober 1934 wurde der durchaus patriotisch eingestellte Offizierssohn aus der Hitler-Jugend ausgeschlossen. Als im September 1935 die „Nürnberger Gesetzte“ erlassen wurden, galten seine Mutter Katharina und seine Großmutter Hanna Arioni, geb. Strauß obwohl beide evangelisch getauft, als Jüdinnen, er selbst und seine ein Jahr ältere Schwester Dorothea als „Mischlinge“.

Nach seinem Abitur zog Ehrenfried Walther von Tschirnhaus zu seiner Mutter nach Wiesbaden. Diese hatte durch die Scheidung von ihrem „arischen“ Mann jeden Schutz vor dem Zugriff der Nationalsozialisten verloren.

Von 1938 bis 1939 leistete Ehrenfried Walther von Tschirnhaus seinen Militärdienst in der 1. Panzer-Nachrichten-Abteilung 39 in Stahnsdorf bei Berlin ab. Anschließend diente er als Panzerfunker – Vorgesetzter durfte er schon nicht mehr werden.

Für einige Zeit verlieren sich seine Spuren – im Frühjahr 1942 erhielt allerdings der „Ehemaligenverein“ des Gymnasiums Traben-Trarbach eine Karte mit der Mitteilung seiner neuen Adresse: Berlin-Charlottenburg, Goethestraße 9.

Im Herbst 1942 spitzte sich die Lage für Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und seine Mutter zu. Während es seiner Schwester gelang, in die Niederlande zu emigrieren, erhielt seine Mutter den Deportationsbefehl. Daraufhin nahm sie sich am 20. Oktober 1942 mit Gift das Leben.

Schon im September 1942 war Ehrenfried Walther von Tschirnhaus als Mischling 1. Grades aus der Wehrmacht entlassen worden.

Mit welcher Begründung er Anfang 1943 verhaftet und am 7. September 1943 mit der Haftnummer 8966 in das Konzentrationslager Buchenwald. verbracht wurde, ist nicht angegeben. Am 25. Februar 1944 kam er dort um – wie er getötet wurde, ist nicht dokumentiert.

Er war 27 Jahre alt.

Sein Onkel Heinz Arioni, der 1894 in Barmen geboren worden war, und seine Frau Fanny Thea, geb. Lilienstein, geboren 1901, wurden am 1. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Zwei Jahre später wurden sie in das Vernichtungslager Auschwitz verbracht und dort ermordet.

Seine Schwester Dorothea wurde im Nachbarland, in das sie emigriert war, gefasst und verhaftet und in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück verbracht. Sie überlebte glücklicherweise.

Quellen


https://totenbuch.buchenwald.de/names/details/page/38/letter/t/person/14172/ref/names | https://www.juedischer-adel.de/holocaust-opfer/ | https://sor-ag-gymtt.jimdofree.com/jüdische-schüler-und-geocaching-jüdische-häuser-in-trarbach/schicksale-jüdischer-schüler/ehrenfried-von-tschirnhaus/ | Günther Böse, Leben und Schicksal der jüdischen Schüler des Gymnasiums Traben-Trarbach. Festschrift Gymnasium Traben-Trarbach 1993, S. 67f.