Ernestine Coppel, geb. Strauss, gen. Erna

  • Geburtsdatum: 08.02.1893
  • Geburtsort: Barmen (heute Wuppertal)
  • Wohnort:

    Freyastraße 77, Straße der SA 73 (vormals Königstraße – heute Friedrich-Ebert-Straße)

  • Todesdatum: 27.06.1944
  • Todesort: Vernichtungsstätte Chełmno

Ernestine, genannt Erna, Straus wurde am 8. Februar 1893 in Barmen geboren. Ihre Eltern waren Adolf Straus und seine Frau Ida, geb. Mendel. Sie hatte noch eine vier Jahre jüngere Schwester, Luise Paula.

Erna Straus war mit dem Rechtsanwalt Dr. Fritz Coppel verheiratet, mit dem sie die Tochter Gertrud und den Sohn Ernst hatte. Die Familie lebte in der Freyastraße 77, und Erna Coppel kümmerte sich um den Haushalt und die Familie. Nach dem Tod ihres Ehemanns am 9. November 1937 zog Erna Coppel, obwohl erst 44 Jahre alt, in das jüdische Altersheim in der Königstraße 73, die in der NS- Zeit in „Straße der SA“ umbenannt wurde. Ihre Mutter Ida und die Familie ihrer Schwester waren bereits 1933 nach Amsterdam in die Niederlande emigriert.

Ihrer Tochter Gertrud gelang die Emigration nach Palästina, und der Sohn Ernst versuchte, über die Niederlande zu entkommen. Aber er wurde verhaftet und über das Durchgangslager Westerbork nach Mauthausen deportiert, wo er am 18. August 1941 umkam.

Am Sonntag, den 26. Oktober 1941, musste sich Erna Coppel mit vielen weiteren, insgesamt 200 Wuppertaler Jüdinnen und Juden am Bahnhof Steinbeck einfinden. Sie wurden zunächst nach Düsseldorf gebracht, wo sie auf dem Schlachthofgelände Derendorf übernachten musste. Am nächsten Tag fuhr dann ein großer Transport mit rund 1000 Jüdinnen und Juden in das Ghetto von Łódź. Dort wurde Erna Coppel in das Zimmer 4 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 eingewiesen. Im Dezember 1941/ Januar 1942 sind zwei Zahlungen über 5 und 9,60 Mark an Erna Coppel belegt. Davon führte sie zwei Drittel als Beitrag an die Solidargemeinschaft ab. Seit dem 18. Februar 1942 arbeitete sie als angelernte Sortiererin im Betrieb Nr. 70, einer Sortierungs- und Verwertungsstelle für Abfälle. Ihre Arbeiternummer lautete 55982. Erna Coppel überlebte die Deportationen im Mai 1942. Sie sollte ursprünglich mit dem XI. Transport am 13. Mai 1942 „ausgesiedelt“ werden, konnte sich aber davon zurückstellen lassen.

Erna Coppel zog am 26. Juni 1942 innerhalb des Ghettos in die Kreuzstraße 2a um. Dort befand sich eines der Greisenheime des Ghettos. Auf der Anmeldekarte ist „obdachlos“ eingestempelt. Seit dem 9. August 1942 lebte sie dann im Greisenheim II des Ghettos in der Gnesenerstraße 26. Hier lebten und arbeiteten einige Mitglieder des „Düsseldorfer Kollektivs“. Am 2. September konnte Erna Coppel aus dem Greisenheim in ein Zimmer der Wohnung 7 in der Blaue Gasse 1 umziehen. Als Ursache wurde in ihrer diesbezüglichen Abmeldekarte „Freier Austritt“ angegeben. Einen Tag zuvor war damit begonnen worden, kranke Ghettobewohner aus den Krankenhäusern mit äußerst brutalen Mitteln abzuholen. Die Ghettochronik schreibt darüber am 1. September 1942: Die Evakuierung der Kranken rief Erschütterung und Panik hervor. Die schlimmsten Prognosen wanderten von Mund zu Mund. Vermutlich befürchtete Erna Coppel, dass diese „Evakuierungsmaßnahmen“ auch auf die Greisenheime übergreifen würden und wollte schnellstmöglich die Adresse wechseln.

Am 15. Dezember 1942 zog Erna Coppel schließlich im Ghetto in die Sperlinggasse 17, Wohnung 5. Am 26. Juni 1944 wurde Erna Coppel aus dem Ghetto von Łódź in die Vernichtungsstätte Chełmno gebracht und dort am nächsten Tag ermordet.

Sie war 51 Jahre alt.

Quellen


Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal: Deportationsliste Łódź | Susanne Mauss: Nicht zugelassen. Die jüdischen Rechtsanwälte im Oberlandesgerichtsbezirk Düsseldorf 1933-1945, Essen 2013, S. 105 | Jakobs, Hildegard: Im Ghetto Litzmannstadt (Łódź). 1.003 Biografien der am 27. Oktober 1941 aus Düsseldorf Deportierten, in Zusammenarbeit mit Angela Genger, Immo Schatzschneider und Markus Roos, hg. vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., Essen 2011, S. 162f.