Hermann Meyer
Hermann Meyer wurde als viertes von insgesamt zwölf Kindern des Handelsmannes Meyer Meyer und seiner niederländischen Frau Bethje de Levie in Sögel geboren. Seine älteste Schwester Frauke oder Frieda war 1885 in Westrhauderfehn in der Nähe der ostfriesischen Stadt Leer geboren worden, aber sein Vater stammte aus Sögel im Landkreis Emsland, wo auch alle anderen Kinder geboren wurden. Nicht alle Lebensdaten der Geschwister sind bekannt, aber sicher ist, dass von den zwölf Kindern der Familie fünf im Holocaust umkamen und auch der Vater ihn nicht überlebte. Hermann Meyers Mutter Bethje Meyer starb 1934 im Alter von 70 Jahren in Sögel.
Angeblich kam Hermann Meyer, der das Bäckerhandwerk erlernt hatte, schon vor dem Jahr 1912 von Sögel nach Elberfeld, aber eine Adresse ist erst dokumentiert, nachdem er von Velbert aus wieder zurück nach Elberfeld kam und in der Grünstraße 21 wohnte – eine Hausnummer 21 indes lässt sich in den Elberfelder Adressbüchern nicht finden.
Fest steht, dass er am 9. März 1933 in Wesel die am 8. Januar 1901 in Neukerk geborene Ida Sanders heiratete. Im Zusammenhang mit den gewalttätigen Ausschreitungen gegen Juden im November 1938 wurde er verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt, aus dem er erst am 17. Dezember 1938 freikam.
Gemeinsam mit seiner Frau wurde er am 13. Dezember 1941 in das Ghetto von Riga deportiert. Die Historiker Alfred Gottwaldt und Diana Schulle beschreiben diesen Transport folgendermaßen:
Die Teilnehmer dieses Transports kamen aus mehr als einhundert Orten im Einzugsbereich der Gestapoleitstelle Münster. Neben 105 Münsteranern wurden am 10. und 11. Dezember 1941 weitere 285 Personen aus der Umgebung und dem Sammellager am „Gertrudenhof“, einem ehemaligen Ausflugslokal, zugeführt, darunter 19 Personen aus Coesfeld.
Für den Gestapobereich Osnabrück liegen keine Deportationslisten vor, da gegen Kriegsende die entsprechenden Akten vernichtet wurden. Es ließ sich jedoch feststellen, dass sowohl ganze Familien wie auch Einzelpersonen aus wenigstens elf Orten des damaligen Regierungsbezirkes Osnabrück zu den Deportierten gehörten. Sie hatten sich am 11. und 12. Dezember 1941 auf den öffentlichen Marktplätzen einzufinden und wurden von dort mit Omnibussen zum Sammellager – einer Turnhalle der Osnabrücker Pottgrabenschule – gebracht. Am Morgen des 13. Dezember 1941 hatten sie am Hauptbahnhof in die Personenwagen 3. Klasse des aus Münster kommenden Zuges zu steigen. Aus der Anschrift eines Wagens von der Reichsbahndirektion Stuttgart kann geschlossen werden, dass es sich um eine bereits am 1. Dezember 1941 benutzte Sonderzuggarnitur gehandelt hat.
Gegen 15.00 Uhr traf der Zug in Bielefeld ein. Auch in dieser Stadt ist die Quellenlage für die Riga-Deportation infolge Kriegseinwirkung und Aktenvernichtung recht dürftig. In dem Zug wurden auch 17 Juden aus Paderborn deportiert. Sammelstelle für die 420 von der Deportationsanordnung betroffenen Personen des Gestapobezirks Bielefeld war das Restaurant „Kyffhäuser“ am Kesselbrink, von dem sie in Omnibussen zum Bielefelder Hauptbahnhof gebracht wurden. Das Durchschnittsalter des gesamten Transports lag bei 39 Jahren, darunter befanden sich 74 Kinder bis zum zehnten Lebensjahr. Aus diesem Transport sind 102 Überlebende bekannt.
Insgesamt wurden mit diesem Zug 1031 Menschen nach Riga deportiert. Hermann Meyer und seine Frau Ida kehrten nicht wieder zurück.
Hermann Meyer war 50 Jahre alt.
Quellen
Overhoff, Frank: Biografische Notizen zu Opfern der Shoah aus Langenberg, Neviges und Velbert, Velbert 2014, S. 170f | Gottwaldt, Alfred/ Schulle, Diana: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005, S. 128ff.