Nathan Naftali Borkowski

  • Geburtsdatum: 22.04.1876
  • Geburtsort: Zgiers bei Łódź/ Polen
  • Beruf: Konfektionär, Kaufmann, Buchbinder
  • Wohnort:

    Fischertaler Straße 12 (heute Fischertal), Brucher Schulstraße 5 (heute Wittensteinstraße), Kölner Straße 72

  • Todesdatum: unbekannt
  • Todesort: Vernichtungslager Treblinka

Nathan Naftali Borkowski (oder auch Borkowsky) wurde am 22. April 1876 in Zgiers in der Woiwodschaft Łódź geboren. Seine Eltern waren Abraham Borkowski und seine Frau Fanny, geb. Katz. Nathan Borkowski hatte eine acht Jahre jüngere Schwester, Sarah Rachel, die ebenfalls in Zgiers geboren wurde. Nathan Borkowski erlernte nach der Schule das Handwerk des Buchbinders oder „Konfektionärs“. Er heiratete Fanny Katz aus Stawropol im Nordkaukasus, und am 12. Dezember 1903 wurde das erste Kind, Simon Samuel geboren.

1904, er war 28 Jahre alt, kam Nathan Borkowski erstmals und nur vorübergehend nach Barmen, vielleicht auch allein, um sich ein wenig im Wuppertal umzuschauen. Er kehrte dann für eine kurze Zeit nach Russland zurück, möglicherweise um seine Familie nachzuholen. 1906 ließen er und seine Frau sich endgültig in Barmen nieder. Im selben Jahr wurde im Juli der zweite Sohn, Tobias Theo geboren.

Nathan Borkowski gründete nun in der damaligen Brucher Schulstraße 5 in Unterbarmen eine Firma: eine Werkstatt als Konfektionär. So ist Nathan Borkowski im Barmer Adressbuch von 1921 ausgewiesen, dazu mit der Adresse „Fischertaler Straße“ 12 – vermutlich die private Adresse der Familie. Heute heißt die Straße Fischertal.

Am 24. Dezember 1910 wurde ein Töchterchen geboren, das den Namen Fanny erhielt.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme gerieten auch die Familie Borkowski und ihr Geschäft unter Druck. Wurde Nathan „Borkowsky“ im antijüdischen „Boykottheft“ von 1935 als „Vertreter“ noch gelistet (S. 6), so musste im Jahr 1936 aufgeben und liquidierte die Firma. Wovon die Familie in den nächsten Jahren lebte, ist nicht bekannt.

Eine Katastrophe muss für die Familie die Verschleppung des Vaters im Rahmen der so genannten „Polenaktion“ vom 28. Oktober 1938 gewesen sein, mit der aus dem gesamten Deutschen Reich rund 17.000 Juden und auch jüdische Frauen an die deutsch-polnische Grenze nach Zbąszyń verschleppt wurden. Nathan Borkowskis Frau folgte ihrem Mann im Sommer 1939 nach Polen, und beide zogen weiter in seine Heimatstadt Zgiers

Nach der Besetzung Polens durch die Deutsche Wehrmacht im September 1939 hatten Juden und Jüdinnen praktisch keine Chance mehr, aus Europa und dem Machtbereich der Nationalsozialisten zu entkommen. Ein Jahr später, im September 1940, ging Nathan Borkowski mit seiner Frau nach Grodisk Mazowiecki. Von dort kamen beide am 8. Februar 1941 in das Ghetto von Łódź.

Über das Ende gibt es unterschiedliche Informationen: Nathan Borkowski soll im Vernichtungslager Treblinka ermordet worden sein, seine Frau entweder auch dort oder im Ghetto von Warschau.

Als er ins Ghetto eingewiesen wurde, war sie 65 Jahre alt.

Auch sein Sohn Simon Samuel wurde mit seiner aus Brand bei Aachen stammenden Hilda Heimann und der 1935 geborenen Tochter Ingeborg Lisette, ein Opfer des Holocaust.

Überlebt haben der Sohn Theo, der mit Johanna Keschner verheiratet war und im Januar 1965 starb, und die Tochter Fanny, die mit Bernard Zalc verheiratet war. Fanny Zalc starb am 20. Mai 2008 und hinterließ die Tochter Mariette und den Sohn Gilbert sowie fünf Enkelkinder: Jacques, Rachel Lea, Beckie, Natalie und Eli und neun Urenkel.

Quellen


Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 250486 | http://www.familienbuch-euregio.de/genius/?person=516913 | https://www.legacy.com/us/obituaries/readingeagle/name/fanny-zalc-obituary?id=15053611