Ida Wartensleben, geb. Wolf
Ida Wolf wurde am 17. Juni 1892 in Hülchrath geboren. Offensichtlich gab es eine größere jüdische Familie Wolf in Hülchrath: Berthold Wolf, geboren am 23.3.1925 in Hülchrath, Magda, geb. Baum, geboren am 3.2.1897 in Geilenkirchen, Heinz, geboren am 27.2.1921 in Hülchrath, Else, geboren am 12.11.1888 in Hülchrath und Siegfried Wolf, geboren am 2.12.1886 in Hülchrath. Für alle diese Menschen sind „Stolpersteine“ an den Adressen ihrer letzten Wohnungen gelegt worden.
In Wuppertal wohnte auch die am 22. Juli 1882 die Hülchrath geborene Selma Samuel, geb. Wolf. Ob die genannten Personen Verwandte von Ida Wolf waren, ist nicht bekannt, aber gut möglich.
Verheiratet war Ida Wolf mit dem acht Jahre älteren Theodor Wartensleben aus Ober-Ramstadt, mit dem sie sich im Jahr 1919 verlobt hatte.
Am 27. November 1921 kam in Barmen in der Wichlinghauser Straße 21 Ida Wartenslebens Sohn Kurt auf die Welt, am 31. August 1923 folgte Hans. Mit der Adresse Wichlinghauser Straße 21 und mit seinem Beruf „Vertreter“ wurde Ida Wartenslebens Mann Theodor auch noch 1935 im antijüdischen Boykottheft verzeichnet (S. 26). Irgendwann danach zog die Familie in Theodor Wartenslebens Geburtsstadt Ober-Ramstadt. Über das Leben von Ida Wartensleben in Ober-Ramstadt ist nichts weiter bekannt.
Nachdem die Nationalsozialisten im Januar 1933 an die Regierung gekommen waren, wurden auch alle Mitglieder der Familie Wartensleben von den neuen Gesetzen und Maßnahmen betroffen. Wirtschaftlich und sozial wird die jüdische Bevölkerung isoliert. Es wird nun immer schwieriger wirtschaftlich zu bestehen. Boykott und Arisierung führen dazu, dass die Wartenslebens in Ober-Ramstadt ihren Pferde- und Viehhandel aufgeben müssen.
Außerdem wurden die jüdischen Familien gezwungen, in dem Haus Baustraße 88 zusammenzuziehen, ein heute unter Denkmalschutz stehendes Gartenhaus. Auch Ida Wartensleben und ihre Mann Theodor leben dort, bis sie am 25. März 1942 mit dem Sonderzug „Da 14“ über Mainz in das Ghetto von Piaski deportiert werden. In der Dokumentation über die Deportationen in den Jahren 1941 bis 1945 von Alfred Gottwaldt und Diana Schulle heißt es darüber, dass es am 6. März 1942 einen Vortrag von Adolf Eichmann gegeben hatte, der die logistischen Details dieser Deportationen vom Frühjahr 1942 behandelte:
Hier ist zunächst wichtig, dass die Transporte nicht zeitlich genau festgelegt werden können. Es stehen nur leere Russenzüge/ Arbeitstransporte in das Altreich zur Verfügung, die leer in das Generalgouvernement zurückrollen sollen und nun vom RSHA[Reichssicherheitshauptamt] im Einvernehmen mit dem OKH [Oberkommando des Heeres] ausgenutzt werden. Der Abfahrtstag wird sechs Tage vorher den Stapostellen, der schnellen Übermittlung und Geheimhaltung wegen fernmündlich unter dem Kennwort DA, bekanntgegeben. Die Abfahrtsstunden sind dem genau einzuhaltenden Fahrplan zu entnehmen. Die Züge fassen nur 700 Personen, jedoch sind 1000 Juden darin unterzubringen. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig Güterwagen für Gepäck in ausreichender Zahl bei der Reichsbahn zu bestellen. Ebenfalls ein Personenwagen für das Begleitkommando. Im Notfall müsste dieses aber mit einem Wagen des Russenzuges vorlieb nehmen. Der Führer des Begleitkdos. ist zu instruieren, dass er dafür sorgt, dass die Gepäckwagen aus dem Altreich nach der Ankunft am Bestimmungsort umgehend zurückrollen.
Ida und Theodor Wartensleben kehrten nie wieder zurück.
Ida Wartensleben war 50 Jahre alt.
Die beiden Söhne konnten rechtzeitig emigrieren und überlebten den Holocaust. Kurt starb 1991 in New York City, Hans im Jahr 2006, ebenfalls in New York.
Quellen
https://stolpersteine-ober-ramstadt.com/abraham-und-ida-wartensleben/ | https://www.alemannia-judaica.de/ober-ramstadt_synagoge.htm | https://stolpersteine-ober-ramstadt.com/thekla-und-joseph-wartensleben/ | http://www.juden-grevenbroich.de/namen-stadtteile/ | Gottwaldt, Alfred/ Schulle, Diana: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005