Simon Bouscher
Simon Bouscher wurde am 5. Dezember 1861 in Issum, Kreis Geldern, geboren. Nicht bekannt ist, wer seine Eltern waren und ob er Geschwister hatte. Verheiratet war er mit der ein Jahr älteren Betty, geb. Stiefel aus Rauschenberg.
Simon Bouscher hatte vier Söhne: Daniel, geboren 1890 in Dordrecht in den Niederlanden, Siegfried, geboren 1891 in Rheydt, wo Simon Bouscher ein Delikatessengeschäft betrieb, Heinrich, geboren 1897 in Solingen, und Eduard, ebenfalls in Solingen geboren.
In Solingen wohnte die Familie in der Gasstraße 60, in der Augustastraße 21, in der Oststraße 42 und zuletzt, vor dem Umzug nach Wuppertal, in der Grünewalder Straße 67.
Simon Bouschers ältester Sohn Daniel starb schon im Alter von 23 Jahren 1913 in Berlin. Der nächstälteste, Siegfried, fiel am 25. September 1918 in Gefangenschaft als Unteroffizier 1596 des Reserve-Infanterieregiments 202 im Alter von 27 Jahren. Sein Name ist im Gedenkbuch „Die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres, der deutschen Marine und der deutschen Schutztruppen 1914-1918“ von 1932 auf S. 337 genannt.
Simon Bouschers Sohn Eduard lernte das Handwerk des Fotografen und zog nach Wuppertal, wo er zunächst in seiner Wohnung in der Kruppstraße 155 in Elberfeld ein Fotoatelier betrieb. Auch sein Sohn Heinrich wohnte hier.
Im Zusammenhang mit den antijüdischen Gewaltaktionen im November 1938 wurden beide Söhne am 12. November in „Schutzhaft“ genommen und am 17. November in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, wo er bis zum 15. Dezember festgehalten wurde. Es muss furchtbar für die beiden Eltern gewesen sein.
Nach der Rückkehr der Söhne war ihnen jede berufliche Tätigkeit verboten war. Deshalb zog Eduard Bouscher nun zu seinen Eltern in die Bembergstraße 10, Heinrich gelang es über Umwege, nach Bolivien auszuwandern.
Im März 1939 musste Simon Bouscher zusammen mit seiner Frau Betty, vermutlich nicht freiwillig, in das jüdische Altersheim an der „Straße der SA“ umziehen (heute Friedrich-Ebert-Straße).
Am 30. Juni 1940 nahm sich Simon Bouscher aus Verzweiflung über die ganze Situation das Leben, und seine Frau Betty schon am Folgetag ebenfalls. Beide wurden auf dem jüdischen Friedhof bestattet (Feld K/XI).
Sein Sohn Eduard wurde im Oktober 1941 in das Ghetto von Łódź deportiert und am 13. Mai 1942 im Vernichtungslager Chełmno ermordet.
Sein Sohn Heinrich, der nach Bolivien ausgewandert, dort geheiratet und vier Kinder bekommen hatte, kehrte 1965 mit seiner Familie wieder nach Wuppertal zurück, wo er am 31. August 1978 gestorben ist.
Quellen
Jakobs, Hildegard: Im Ghetto Litzmannstadt (Łódź). 1.003 Biografien der am 27. Oktober 1941 aus Düsseldorf Deportierten, in Zusammenarbeit mit Angela Genger, Immo Schatzschneider und Markus Roos, hg. vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., Essen 2011, S. 111f. | Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge: Anmeldebögen | https://www.geni.com/people/Simon-Bouscher/6000000022759273482