Hedwig Sonnenfeld, geb. Daniel

  • Geburtsdatum: 14.09.1873
  • Geburtsort: Elberfeld (heute Wuppertal)
  • Wohnort:

    Neue Friedrichstraße 32, Wupperstraße 9, Bleichstraße 22 (zwangsweise)

  • Todesdatum: 11.03.1943
  • Todesort: Ghetto Theresienstadt

Hedwig Daniel wurde am 14. September 1873 in Elberfeld geboren. Ihr Vater war der Kaufmann Julius Daniel, ihre Mutter war Florine, geb. Bermann. Beide sind auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg bestattet (F VII/51 und 52). Sie hatte noch zwei ältere Geschwister: Ihre Schwester Alma wurde 1869 und der Bruder Bruno 1871 geboren. Die Familie lebte in der Bergstraße 17 und zog dann in die Wupperstraße 9 um, wo der Vater im Erdgeschoss einen Großhandel für Kurzwaren betrieb.

Auch ihr Onkel Max Daniel lebte mit seiner Familie, seiner Frau Jeanette und den drei Söhnen Albert, Otto und Berthold in Wuppertal. Die Brüder Max und Julius Daniel waren Anfang der 1880er Jahre als Kaufleute aus St. Wendel an die Wupper gekommen und hatten sich hier beide im Kurzwarenhandel etabliert.

Hedwig Sonnenfeld lebte mit ihrem Mann Leo in der Neuen Friedrichstraße 23. Es war eine glückliche Ehe. Der Kaufmann Leo Sonnenfeld, geboren 1870 in Ratibor in Schlesien (heute Racibórz), war Inhaber der „Bergischen Feilen- und Stahlgesellschaft“ mit Sitz am Grifflenberg 5. Im Adressbuch von 1932 ist der Eintrag dieser Firma mit einem kleinen Lorbeerkranz versehen, d.h. dass sie schon seit über 25 Jahren existierte.

Hedwig Sonnenfelds Tochter Edith, geboren 1902 in Elberfeld, leitete von 1931 bis 1934 das Jüdische Altersheim der jüdischen Gemeinde. Der Sohn Werner, geboren 1904, stieg in die väterliche Firma ein und heiratete am 10. Oktober 1928 in Barmen die zwanzigjährige Herta Glaser, und am 30. Juni 1934 kam Hedwig Sonnenfelds erstes und einziges Enkelkind zur Welt, Günther. Die Großeltern liebten dieses Kind unendlich, was sich unter anderem in den Briefen ausdrückte, die Hedwigs Mann als Opa an die im Januar 1939 ausgewanderten Kinder nach Holland schrieb. Hedwig Sonnenfeld und ihr Mann blieben in Wuppertal zurück.

Auf der Deportationsliste für Theresienstadt, auf der Hedwig und Leo Sonnenfelds Namen verzeichnet sind, wird als ihre Wohnadresse das Haus in der Bleichstraße 22 angegeben. Diese Straße ist heute das Teilstück der Bundesallee von Bembergstraße bis Brausenwerth.

Das Haus Nr. 22 war nach der Aufhebung des Mieterschutzes zur Zwangsunterkunft für jüdischer MieterInnen erklärt worden. Es lebten dort in den Jahren 1941 und 1942 außer Hedwig und Leo Sonnenfeld noch Emil Sommer, Mathilde und Adolf Rubens, Josef Ney, Sally Löw, Franziska Lang, Johanne Mayer, Moritz Loeb mit seinem Sohn Helmut, Felix Goldberg, Hermann und Emilie Stern und Karl und Paula Ursell – insgesamt also 16 Personen.

Am Montag, den 20. Juli 1942, mussten Hedwig Sonnenfeld und ihr Mann mit ihrem Gepäck und mit den verbliebenen Nachbarn zum Wuppertaler Bahnhof Steinbeck fahren und dort einen Zug besteigen, der insgesamt 271 Menschen nach Düsseldorf brachte, 247 aus Wuppertal, 14 aus Remscheid, sieben aus Solingen, je einen aus Neviges, Velbert und Heiligenhaus.

Alle mussten auf dem Schlachthofgelände in Düsseldorf-Derendorf eine Nacht zubringen. Am nächsten Tag wurde ein Transport zusammengestellt, der aus 20 Personenwagen bestand, in dem sich 965 Personen aus dem gesamten Gestapobezirk Düsseldorf befanden. Der Zug erreichte das Ghetto Theresienstadt am 22. Juli 1942. Am 31. Oktober 1942 starb Hedwigs Mann Leo Sonnenfeld im Ghetto. Sie selbst kam am 11. März 1943 dort um, vor Hunger, aus Schwäche und wegen fehlender Versorgung.

Sie wurde 70 Jahre alt.

Auch ihre Schwester Alma, verheiratete Marcus, und ihr Bruder Bruno wurden Opfer des Holocaust.

Bildnachweis


Quellen


Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal: Deportationsliste Theresienstadt | Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 250380, 250381 und 250382, Geburtsurkunde Elberfeld 2379/1873 | Herta Sonnenfeld: Stufen zur Freiheit. Die Geschichte meines Lebens, übersetzt, eingeleitet und kommentiert von Christoph Knüppel, Vreden 1998