Achim Censer
Achim Censer wurde am 13. Juli 1929 in Elberfeld als sechstes Kind des jüdisch-polnischen Kaufmanns Bernhard Censer und seiner Frau Hedwig Lydia, geb. Böker geboren. Vor ihm und seinen älteren Schwestern hatte es schon ein Kind gegeben, das aber, noch kein Jahr alt, gestorben war. Nach Achim wurde noch der kleine Bruder Dieter geboren.
Die Familie wohnte laut Adressbuch von 1925 in der Elberfelder Wilhelmstraße 8a, später in der Rödigerstraße 68.
Direkt im Jahr 1933, Achim war vier Jahre alt, flüchtete sein Vater Bernhard Censer, nachdem die Wohnung willkürlich durchsucht worden war, vermutlich nach Belgien, wo auch die Großeltern Josef und Berta Censer und Onkel und Tanten panikartig Zuflucht gesucht hatten.
Aber Bernhard Censer kehrte zu seiner Familie zurück. Doch immer wieder gab es Überfälle mit Misshandlungen und Bedrohungen durch Hausbewohner, und so ging Achim Censers Vater Anfang 1938 zunächst allein, ohne die Familie, nach Polen.
Im Zuge der so genannten „Polenaktion“ Ende Oktober 1938 wurde Achim Censers Mutter Hedwig mit allen ihren sechs Kindern an die deutsch-polnische Grenze nach Bentschen abgeschoben. – Der kleine Bruder, Dieter, war gerade erst sieben Jahre alt. Die Familie traf in Polen wieder zusammen. Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht im September 1939 wurde die gesamte Familie in das Ghetto von Krakau eingewiesen und Achims Vater Bernhard Censer in das Konzentrationslager Płaszów bei Krakau verbracht, wo er Zwangsarbeit leisten musste.
Was mit Achim und seinen Geschwistern nun geschah, ist nicht bekannt. Seiner Mutter jedoch gelang es 1942, über Berlin nach Wuppertal zu flüchten und anschließend weiter nach Österreich zu kommen, wo sie in Wien bis zum Ende des Krieges im Untergrund lebte. Sie wanderte anschießend nach England aus und starb am 28. Juli 1961 in Hove/ Sussex in England.
Alle anderen, Achim Censer, sein Vater und drei seiner Geschwister, wurden nach Kriegsende für tot erklärt.
Achim Censer wurde höchstens 16 Jahre alt.
Nach dem Krieg berichtete seine Mutter:
Mein verstorbener Gatte Bernhard Censer ist ungefähr Anfang 1938 von Wuppertal-Barmen nach Polen geflüchtet. Ich selbst bin mit sechs Kindern im Oktober 1938 in Wuppertal-Barmen als Jüdin verhaftet worden, wurde mit den Kindern ins Polizeigefängnis Barmen gebracht.
Sie kam dann in ein Lager in Polen, wo auch ihr Mann später eintraf.
Nach Einmarsch der Deutschen in Polen kamen mein Mann und ich sowie unsere älteste Tochter Ruth ins Krakauer Ghetto, Podzbessestr. [?] 3. Meine Kinder Dieter, Achim und Ingelore kamen nach Otwocsk [?]. Unsere beiden restlichen Kinder waren schon vor Kriegsbeginn vom Lager in Bendzin [Zbąszyń] von jüdischen Hilfsorganisationen weggebracht worden, und zwar Helena nach Grochow bei Warschau und Ursula nach England. Ungefähr Ende 1941 kam mein Mann eines Tages von der Zwangsarbeit in das Krakauer Ghetto nicht zurück und er ist seither verschollen. Ungefähr um dieselbe Zeit wurde meine Tochter Ruth von den Deutschen nach Lublin deportiert, weshalb ich dann als einziges Familienmitglied im Krakauer Ghetto zurückblieb.
Achims Schwester Helena Benjamini, geb. Censer, sagte später in einem Gespräch mit Ulrich Föhse, die Familie habe sieben Kinder gehabt. Der Großvater väterlicherseits war Pole, ihr Vater (Bernhard) bereits staatenlos gewesen. Er sei 1938 nach Krakau zu dort lebenden Verwandten gegangen und habe die Familie dann nachgeholt, allerdings ohne die Töchter Helena und Ursula.
Die Mutter habe in Krakau getarnt als Christin gearbeitet, um die Familie zu ernähren. Und ein Pole hat das angezeigt und dann wurden alle dort aus dem Keller raus und meine Mutter ist geflohen und ist nach Deutschland zurück zu ihrer Mutter hier in Wuppertal und da hat man sie aber auch aufgespürt und dann ist sie nach Wien.
Verwandte väterlicherseits seien bereits 1933 emigriert, nach Palästina, und der Großvater habe in Antwerpen gelebt.
Helena Censer selbst sei von Zbąszyń aus nach Warschau zur Schule geschickt worden. Von dort aus gelangte sie mit einem Transport jüdischer Kinder über Schweden nach Israel.
Quellen
Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 250514, 250513, 630699, 630838, 630625 | Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal