Grabstein der Familie Lewkowitz auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg

Jenny Lewkowitz, geb. Berger

  • Geburtsdatum: 02.09.1876
  • Geburtsort: Krefeld
  • Wohnort:

    Bachstraße 66/68 (später Werner-Hanemann-Straße, heute Gathe), Untergrünewalder Straße 30

  • Todesdatum: nach 10.11.1941
  • Todesort: Ghetto Minsk oder Vernichtungsstätte Maly Trostenez

Jenny Berger wurde am 2. September 1876 in Krefeld geboren. Über ihre familiäre Herkunft, Schulzeit und Ausbildung ist nichts bekannt.

Verheiratet war Jenny Berger mit dem Rohproduktenhändler Hugo Lewkowitz, mit dem sie in der Elberfelder Bachstraße 66/68 (heute „Gathe“) wohnte. Am 3. April 1908 brachte sie den Sohn Ludwig zur Welt, am 2. Juni 1909 den zweiten Kurt. Ein großes Unglück betraf die Familie, als Kurt im Alter von nur 14 Jahren am 3. Mai 1923 starb. Er wurde an der Ostmauer des jüdischen Friedhofs am Weinberg bestattet.

Laut Adressbuch von 1931 wohnten Jenny Lewkowitz, ihr Mann und ihr Sohn Ludwig mittlerweile in der Untergrünewalder Straße 30. Mit dieser Adresse und seinem „Rohproduktenhandel“ ist Jenny Lewkowitz` Mann Hugo auch im nationalsozialistischen „Boykottheft“ von 1935 verzeichnet (S. 17).

Einen Eindruck der nationalsozialistischen Verfolgungen in dieser Zeit vermittelt der Erinnerungsbericht von Jenny Lewkowitz` Schwiegertochter Herta, geb. Rosenthal, die nach São Paulo in Brasilien ausgewandert war:

Am 15. Mai 1935 heiratete ich den Kaufmann Ludwig Lewkowitz, Untergrünewalder Straße 30. Schon vor meiner Heirat wurde ich von den Nationalsozialisten belästigt. Verschiedene Mal erhielt ich kleine Zettel mit den Aufforderungen, das Lokal sofort zu verlassen, ein anderes Mal wurde ich mit Gummiknüppeln verhauen, weil ich als Jüdin in einer Wartereihe für Butter stand. Mein Vater, ein 1,80 m großer Mann, wurde von den Nazis gesucht (wir wohnten damals auf der Herzogstraße im Haus des Optikgeschäfts Walbrecht), mit Holofoten wurde die Hausfront abgeleuchtet, ob er nicht aus dem dritten Stock herunterkletterte. Einige Zeit wurde er in der von der Heydts-Gasse eingesperrt und wurde durch einen Freund von mir, der selber Nazi war, wieder freigelassen. Die Verfolgungen und Belästigungen wurden so groß, dass wir uns entschlossen auszuwandern, da ich ein Kind erwartete und den Aufregungen nicht mehr gewachsen war. […] Mein Großvater, ein Mann von 80 Jahren, wurde deportiert sowie auch der Bruder meiner Mutter und auch meine Schwiegereltern Jenny und Hugo Lewkowitz. Wir haben nie wieder irgendetwas von allen diesen Verwandten gehört.

Am Montag, den 10. November 1941 mussten Jenny Lewkowitz und ihr Mann Hugo ihre Wohnung verlassen und sich mit Gepäck und Proviant zum Steinbecker Bahnhof begeben.

Mit rund 250 weiteren Juden und Jüdinnen aus Wuppertal und den bergischen Nachbarstädten wurden sie nun nach Minsk deportiert.

Das Ghetto in Minsk war von den deutschen Besatzern im Sommer 1941 auf zwei Quadratkilometern eingerichtet worden. Rund 75.000 jüdische Menschen lebten in Minsk, von denen die meisten ins Ghetto umziehen mussten. Im Herbst und Winter kamen dann noch sieben Deportationszüge mit rund 7000 Jüdinnen und Juden aus dem „Altreich“ hinzu. Die Lebensverhältnisse in den aus Stein oder Holz erbauten Häusern waren katastrophal.

Wer am Leben bleiben durfte, musste in ein besonderes Ghetto etwas abseits vom Hauptghetto ziehen, das in fünf Abteilungen entsprechend der Herkunft der Transporte eingeteilt war: Hamburg, Berlin, Bremen, Wien und eben Rheinland. Von diesen Ghettobewohnern starben die meisten durch Erschießungs- und auch Vergasungsaktionen (durch KFZ-Motorabgase) Ende Juli 1942, am 8. März 1943 und im Herbst 1943.

Die meisten der Opfer aber kamen gar nicht erst ins Ghetto, sondern wurden mit dem Zug direkt in das 12 km südöstlich von Minsk gelegene Maly Trostenez gebracht und dort ermordet, in der Regel bei Erschießungsaktionen. Das Schicksal der wenigen, die in ein Arbeitslager geschickt wurden, ist unbekannt.

Jenny Lewkowitz war bei ihrem Tod vermutlich höchstens 66 Jahre alt. An sie und ihren Mann erinnert ein Gedenkstein am Grab ihres Sohnes Kurt auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg.

Bildnachweis


  • Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal, Foto: Matthias Wellmer

Quellen


Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge: Deportationsliste Minsk | Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge: Sammlung Föhse | Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 612548