Alma Johanna Judith Fränkel, geb. Cahnfeld, verw. Rosenblatt

  • Geburtsdatum: 10.06.1878
  • Geburtsort: Oestrich (heute Iserlohn)
  • Beruf: Kauffrau, Bandagistin
  • Wohnort:

    Wirmhof 8

  • Todesdatum: 07.05.1942
  • Todesort: Vernichtungsstätte Chełmno

Alma Cahnfeld wurde am 10. Juni 1878 in Iserlohn-Oestrich geboren. Ihre Eltern waren Philipp Cahnfeld und seine Frau Amalie, geb. Jordan.

Alma war eins von sieben Geschwistern: Es gab noch die neun Jahre älteren Zwillinge Leopold und Martha, den drei Jahre älteren Alexander, den zwei Jahre älteren Arthur, die drei Jahre jüngere Paula und den sieben Jahre jüngeren Alfred.

Alma Cahnfeld war in erster Ehe mit Moritz Rosenblatt verheiratet. Aus dieser Ehe ging 1909 ihre Tochter Hilde hervor. Noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs begann Alma Rosenblatt eine Ausbildung zur Bandagistin. Ihr Ehemann fiel am 15. Dezember 1916 als Soldat und hinterließ die 38jährige Witwe mit der siebenjährigen Tochter. Alma Rosenblatt eröffnete nach Krieg in Elberfeld ein Geschäft zur Herstellung von Korsetts und Miedern. Sie heiratete erneut, und zwar Ignaz Isaak Fränkel, der 1920 in das Geschäft eintrat und es erweiterte. Die Firma hieß „Fraenkel & Co.“ und hatte ihren Sitz in der Kleinen Klotzbahn 12.

1921 wurde Alma und Isaak Fränkels Sohn Hans geboren. Seit 1932 lebte die Familie im Wirmhof 8 in der Elberfelder Innenstadt in einer Fünf-Zimmer-Wohnung, in der ein Raum als Spezialwerkstatt mit mehreren Maschinen eingerichtet war. Seit 1935 erschwerte die nationalsozialistische Führung die Erwerbstätigkeit erheblich – die Firma wird auch in dem antijüdischen „Boykottheft“ genannt (S. 10).

1935 zog eine Verwandte bei den Fränkels ein, nämlich Johanna Neugarten, geb. Goldschmidt. Im Haus Wirmhof 8 gab es im Erdgeschoss die bekannte koschere Metzgerei von Max Steinberg, und möglicherweise konnte die frühere Metzgersgattin Johanna Neugarten dort im Geschäft sogar mitarbeiten.

Am 15. August 1939 starb Alma Fränkels Mann Isaak und wurde auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg bestattet (Feld H/1). Alma Fränkel führte das Geschäft allein weiter und beschäftigte weiterhin fünf bis sechs Näherinnen. Aber am 1. Oktober 1939 musste sie aufgeben.

In einem Brief vom 13. September 1941 schrieb sie, kurz vor den Hohen jüdischen Feiertagen Rosch HaSchana, an ihren Sohn Hans, der im Sommer 1938 über Dänemark nach Schweden ausgewandert war:

Wie schön war es doch, wie wir noch alle zusammen waren am Abend, wenn der Vater sel. mit Dir aus dem Gotteshaus kam, der Tisch feierlich gedeckt im Familienkreis und wie öde und leer ist es heute bei mir. Ich darf nicht denken.

Am Sonntag, den 26. Oktober 1941, musste sich Alma Fränkel zusammen mit Johanna Neugarten am Bahnhof Steinbeck einfinden. Gemeinsam mit rund 200 anderen Jüdinnen und Juden aus Wuppertal und den Bergischen Nachbarstädten wurde sie zunächst nach Düsseldorf gefahren, wo sie auf dem Schlachthofgelände Derendorf eine Nacht zubringen musste. Am nächsten Morgen fuhr ein großer Transportzug mit rund 1000 Personen nach Łódź, wo die Menschen in das Ghetto eingewiesen wurden.

Sie wurde dort in das Zimmer 4 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 eingewiesen. Für den 2. Januar 1942 ist eine Zahlung in Höhe von 9,60 Mark an sie überliefert. Davon führte sie zwei Drittel als Beitrag an die Solidargemeinschaft ab. Die Hauptkasse des Ghettos listete für sie Anfang Mai 1942 ein Guthaben von 117 Mark auf. Alma Fränkel wusste seit dem 5. Mai 1942 um ihre drohende „Aussiedlung“ aus dem Ghetto, konnte sich davon aber nicht mehr zurückstellen lassen. Sie wurde, zusammen mit Johanna Neugarten, einen Tag später mit dem III. Transport aus dem Ghetto von Łódź in das Vernichtungslager Chełmno gebracht und dort einen Tag später, am 7. Mai 1942, ermordet.

Sie war 64 Jahre alt.

Quellen


Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal: Deportationsliste Łódź| Jakobs, Hildegard: Im Ghetto Litzmannstadt (Łódź). 1.003 Biografien der am 27. Oktober 1941 aus Düsseldorf Deportierten, in Zusammenarbeit mit Angela Genger, Immo Schatzschneider und Markus Roos, hg. vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., Essen 2011, S. 195-197 | Stadtarchiv Wuppertal: Akte für Wiedergutmachung 631564