Kurt Erich Moser
Kurt Erich Moser kam am 3. Juni 1920 in Elberfeld zur Welt. Seine Eltern waren Salomon, genannt Sally, Moser, geboren 1894 in Kaldenkirchen, und seine Frau Jenny, geb. Heidt, geboren 1892 in Warburg. Erich Moser hatte noch einen älteren Bruder, den am 10. Juni 1918 in Paderborn geborenen Bruder Hans, und die am 2. Juli 1923 in Elberfeld geborene Schwester Eva.
Die Familie zog in Elberfeld einige Male um: Sie wohnte am Rommelspütt 1a, in der Nützenberger Straße 73 und in der Bergstraße 48. Am 27. Dezember 1935 starb Erich Mosers Großmutter Eva Heidt in Elberfeld und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Warburg bestattet.
Am 18. März 1938 verließ die Familie Elberfeld und zog nach Düsseldorf in die Zietenstraße 16. Die antijüdische Stimmung verschärfte sich in diesem Jahr erheblich. Deshalb meldete sich Erich Moser am 10. Oktober 1938 mit dem Ziel „Werkdorp Nieuwesluis“ von Düsseldorf ab.
Er wollte, wie schon sein Bruder Hans, sich auf ein Leben in Palästina vorbereiten und Landwirtschaft und ein Handwerk lernen. Im Jahr 1934 war im Wieringermeer in der Nähe des Dorfs Nieuwesluis, ein landwirtschaftliches Ausbildungszentrum für deutsche Flüchtlinge im Alter von 18 bis 24 Jahren eingerichtet worden. Offiziell hieß es: „Arbeitsdorf der Stiftung für jüdische Arbeit“. Das Dorf erhielt den Status einer Hachschara-Einrichtung, die es den Schülern ermöglichte, nach ihrer Ausbildung nach Palästina auszuwandern.
Erich Mosers Eltern, seine Schwester und sein Großvater blieben in Düsseldorf.
Dort erlebten sie auch die antijüdischen Ausschreitungen in den Novembernächten und -tagen 1938. Am 1. Dezember 1938 zog die Familie Moser in die Konkordiastraße 66. Es gelang den Eltern, ihre Tochter Eva mit einem „Kindertransport“ am 30. Juni 1939 nach London bringen zu lassen.
Das Werkdorp Wieringermeer wurde 1941 auf Anordnung der deutschen Besatzungsmacht geschlossen. Einige der Bewohner wurden bei einer Großrazzia in Amsterdam festgenommen und in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Andere ehemalige Werkdorp-Bewohner gingen in den Untergrund, einige wurden Widerstandskämpfer in der sogenannten Weterweel-Gruppe. Seinen Eltern hatte Erich Moser noch die neue Situation mitteilen können. Sie schrieben am 3. August 1941 an ihre Tochter Eva in England: Geliebtes! […] Jungs nicht mehr im Werkdorp.
Nach der Schließung des Werkdorps wohnte Erich Moser einen Monat lang in „De Korenbloem“, einer Unterkunft des Vereins in Deventer in der Papenstraat 45. Erich Moser kam dann im September 1941 als landwirtschaftlicher Lehrling zur Familie Sanderman. Er wohnte und arbeitete bei ihnen auf dem Hof Leuvelt in Hasselop Nr. 5. Dieser Bauernhof steht noch immer im heutigen Hengelo.
Erich Moser heiratete am 11. August 1942 in Weerselo Ruth Liemann. Sie war am 16. Februar 1923 in Berlin zur Welt gekommen. Erich Moser kannte Ruth bereits vor der Ausbildung in Wieringemeer, und auch sie hielt sich vorübergehend in Deventer auf. Die Trauzeugen waren Hendrik Willem Sanderman und sein Sohn Hendrik Barend. Erich Mosers Eltern waren zu diesem Zeitpunkt schon mit dem zweiten großen Transport aus Düsseldorf in das Ghetto von Minsk deportiert worden.
Am 30. September 1942 schrieb Erich Moser an seine Schwester in England: Liebes Pünktchen, lange keine Nachricht von Dir! Alles gut? […] Von den Eltern noch keinen Bericht. Mit uns noch alles gut. Schreibe bald! Erich. Nach ihrer Heirat waren Erich Moser und Ruth nach Amsterdam gezogen. Hier lebten sie illegal in einer offiziell von der Polizei versiegelten Wohnung, deren Bewohner zuvor deportiert worden waren. Vermutlich erreichten Erich Moser und seinen Bruder Hans in den Niederlanden noch Nachrichten aus dem Ghetto Minsk. Hans Moser schrieb am 5. Dezember 1942 an seine Schwester Eva in England: „Die Eltern schreiben ganz gut.“
Am 26. Dezember 1942 wurde Erich Mosers Sohn Rudi Max geboren. Als Rudi (später Reuven) neun Monate alt war, gaben seine Eltern ihn mit falscher Identität an das Ehepaar Cornelis und Isabella Pouwer-Ganzevoort in Arnhem. Das Kind erhielt den Decknamen Freddy Pouwer. Dank ihnen überlebte es den Krieg. Das Ehepaar wurde 1975 von der Gedenkstätte Yad VaShem in Israel als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet.
Erich Moser wurde während einer Razzia in Amsterdam verhaftet und kam am 26. August 1943 in das Durchgangslager Westerbork. Als Untergetauchter wurde er in die Strafbaracke 67 eingewiesen. Auch sein Bruder Hans war bereits im Lager Westerbork. Er konnte am 28. August 1943 eine Nachricht an Eva schicken: Erich and I are well, from parents no news.
Am 31. August 1943 wurde Erich Moser in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Sein Bruder Hans durfte sich von ihm am Zug verabschieden. Er schrieb kurz nach seiner Befreiung an seine Schwester: I saw him at Westerbork, trying to get him free from trnsport, but it was impossible. After having stayed 5 days there he went away. I was allowed to accompany him to the train, it was a goodbye with a lot of tears which have not yet ceases to run til today, when I am thinking of him. We have not heard nothing of him!!!
Erich Moser überlebte nicht. Er wurde 24 Jahre alt.
Seine Frau Ruth bekam 1944 in ihrem Versteck in Velp den zweiten Sohn Kurt Eric junior. Sie und ihre beiden Söhne überlebten die Verfolgungszeit.
Sein Bruder Hans wurde aus dem Durchgangslager Westerbork am 1. Februar 1944 in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Er überlebte und ging wieder in die Niederlande.