Erna Markiewicz, geb. Salomon

  • Geburtsdatum: 06.02.1902
  • Geburtsort: Elberfeld (heute Wuppertal)
  • Beruf: Verkäuferin
  • Wohnort:

    Wiesenstraße 84

  • Todesdatum: nach 13.12.1941
  • Todesort: Ghetto Riga

Erna Salomon wurde am 6. Februar 1902 in Elberfeld als zweites Kind des Kaufmanns Max Salomon und seiner Frau Ida, geb. Wolff, geboren. Ihr großer Bruder Alfred war fast sechs Jahre älter als sie. Als Erna selbst anderthalb Jahre alt war, bekam sie noch einen kleinen Bruder, Josef. Die Familie hatte vor ihrer Geburt in der Baustraße 46 (heute Else-Lasker-Schüler-Straße) gewohnt, war aber später in die Wiesenstraße 84 umgezogen.

Am 30. Juni 1930 heiratete Erna Salomon den staatenlosen Schneider Felix Markiewicz aus Grabow in Pommern und zog zu ihm nach Bielefeld.

Dort kam am 18. Oktober 1931 die Tochter Hannelore zur Welt. Erna Markiewicz gelang es, trotz des Kindes eine Arbeitsstelle anzunehmen und war bis 1936 bei der Firma Alsberg vermutlich als Verkäuferin tätig. Aber dieses Kaufhaus, das einer jüdischen Familie gehörte, geriet in den Fokus der Boykottmaßnahmen der Nationalsozialisten und wurde 1938 „arisiert“. Erna Markiewicz verlor ihre Arbeitsstelle.

Unter dem Eindruck der antijüdischen und gewalttätigen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung im November 1938 gerieten auch die Markiewicz in Panik, zumal Erna Markiewicz mit dem zweiten Kind schwanger war. Ihr Mann schrieb am 30. Dezember 1938 an den Bielefelder Oberbürgermeister:

Hiermit bitte ich mir gefl. die Genehmigung erteilen zu wollen, daß ich bis zum 31. März ds. Jahres, weiter wie bisher meinen Beruf als jüdischer Schneider ausüben darf. Ich besitze kein Vermögen und auch kein bar Geld als Ersparnis. […] Da ich am 1. April auswandere, so möchte ich den Herrn Oberbürgermeister nochmals höfl. bitten, mir doch mein Gewerbe als Schneider bis zu diesem Termin gewähren zu wollen. Hierzu möchte ich noch weiter bemerken, daß ich der einzigste jüdische Schneider in Bielefeld bin und nur für jüdische Familie[n] tätig zu sein […].

Die Er­laub­nis wur­de in Rück­spra­che mit der Hand­werks­kam­mer zu Bie­le­feld er­teilt, da „dem deut­schen Hand­wer­ker“ kein Scha­den ent­ste­he, „wenn die jü­di­schen Hand­wer­ker nur für Ju­den ar­bei­ten.“ Aber wegen Erna Markiewicz ` Schwan­ger­schaft verschob die Fa­mi­lie Mar­kie­wicz die Aus­wan­de­rung nun. Am 13. April 1939 schrieb Fe­lix Mar­kie­wicz darum er­neut an den Ober­bür­ger­meis­ter, um die Er­laub­nis zu ver­län­gern, als jüdischer Schneider in der Stadt zu arbeiten. Dieser Bit­te wur­de nicht ent­spro­chen, aber auswandern konnte die Fa­mi­lie jetzt auch nicht mehr. Wovon sie nun lebte, ist völlig unklar.

Das Kind, die Tochter Recha, wurde am 16. Mai 1939 geboren. Das Mädchen war gerade zweieinhalb Jahre alt, als die ganze Familie am 13. Dezember 1941 von Bielefeld aus in das Ghetto von Riga deportiert wurde. Ob sie dort umkamen oder in den Wäldern von Rumbula oder Bikerniki erschossen wurden, kann nicht mehr festgestellt werden.

Erna Markiewicz war 39 Jahre alt, als man sie deportierte.

Quellen


Stadtarchiv Wuppertal: Geburtsurkunde Elberfeld 628/1902, Geburtsurkunde Elberfeld 3436/1896 | https://spurensuche-bielefeld.de/spur/eine-familie-wird-ausgeloescht-felix-erna-und-die-toechter-hannelore-und-recha-rechel-markiewicz/