Ernestine Lippmann, geb. Preiss
Ernestine Preiss wurde am 18. Oktober 1893 in Elberfeld geboren. Ihr Vater war der Kaufmann Heinrich Preiss, die Mutter Ida Silberberg. Unbekannt ist, ob Ernestine Preiss Geschwister hatte. Die Familie wohnte in der Lagerstraße 25 im Quartier Arrenberg.
Nach ihrem Schulabschluss erlernte Ernestine Preiss den Beruf der Schneiderin. Am 12. Juni 1919 heiratete sie Max Becker – sie war 26 Jahre alt. Ihr Mann führte in Berlin ein Geschäft für Herrenartikel, das sich im Erdgeschoss des Hauses Turmstraße 36 in Moabit befand. Dort war auch die Wohnung des Ehepaars. Am 15. Juli 1920 wurde Heinz Lutz, das einzige Kind, geboren.
Möglicherweise zogen nun auch Ernestine Beckers Eltern Heinrich und Ida Preiss nach Berlin, denn im Adressbuch Elberfeld des Jahres 1925 taucht deren Name nicht mehr auf.
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 begannen die staatlichen Zwangsmaßnahmen auch Ernestine Becker und ihre Familie zunehmend einzuschränken. Ein Schlag muss für sie gewesen sein, als ihr Mann im Frühjahr 1933 starb und sie als junge Witwe von 40 Jahren zurückließ. Sieben Jahre blieb sie allein, bis sie am 25. Januar 1940 in zweiter Ehe den vier Jahre älteren Kaufmann Georg Lippmann heiratete.
Er brachte bereist eine traumatische Erfahrung mit in die Ehe, denn er war unmittelbar nach den Pogromen im November 1938 verhaftet und für einige Wochen im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert worden. Nach der Eheschließung im Januar 1940 zog er zu seiner Frau Ernestine in die Wohnung in der Turmstraße.
Ernestine Lippmanns Sohn Heinz Lutz war bereits Ende der 1930er Jahre nach England emigriert.
Mit dem Kriegsbeginn verschärften sich die Lebensbedingungen für die Juden und Jüdinnen – und auch für das Ehepaar Lippmann. Neben der im September 1941 eingeführten „Kennzeichnungspflicht“ mit dem „Judenstern“ kamen Zwangsarbeit und eingeschränkte Bewegungsfreiheit hinzu. Ernestine Lippmann und ihr Mann mussten Zwangsarbeit bei der als kriegswichtig eingestuften Firma Martin Michalski – Uniformbetrieb leisten, die ihren Hauptsitz in der Großen Frankfurter Straße 137 hatte und Militärkleidung herstellte.
Am 1. Oktober 1941 kündigte die Gestapo der jüdischen Gemeinde Berlin die „Umsiedlung“ der Berliner Juden an. Ernestine und Georg Lippmann waren von der so genannten „Fabrik-Aktion“ betroffen: Die letzten noch in der Hauptstadt verbliebenen Juden sollten deportiert werden. Ende Februar oder Anfang März 1943 wurden sie von der Gestapo verhaftet und in eines der Sammellager verschleppt. Von dort aus wurden sie gemeinsam am 12. März 1943 mit dem „36. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert.
Vermutlich wurde Ernestine Lippmann direkt nach der Ankunft des Transports in Auschwitz getötet, Georg Lippmann am 27. März 1943.
Ernestine Lippmann war 49 Jahre alt, als man sie deportierte. Ihr Sohn Heinz Lutz überlebte den Holocaust im Exil in England.
Quellen
https://www.stolpersteine-berlin.de/de/turmstr/36/ernestine-lippmann | Yad Vashem: Gedenkblatt | | Stadtarchiv Wuppertal: Geburtsurkunde Elberfeld 3710/1893