Clara Cahnfeld, geb. Levy
Clara Levy wurde am 12. Februar 1898 in Aachen geboren. Über ihre Familie ist nichts bekannt.
Sie heiratete zu Beginn der 1920er Jahre den vier Jahre älteren Dekorateur Friedrich Cahnfeld und wohnte mit ihm in der Bachstraße 81 (heute Gathe). Am 16. März 1922 kam ihre Tochter Lieselotte zur Welt. Später lebte die Familie in der Kirchstraße 1 in der Elberfelder Stadtmitte.
Schon sehr bald nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten entschieden sich Clara Cahnfeld und ihr Mann Friedrich, Deutschland zu verlassen und emigrierten mit ihrer nun elfjährigen Tochter nach Brüssel. Ihre Schwiegereltern musste Familie Cahnfeld zurücklassen; Betty Cahnfeld starb am 6. August 1934 im Alter von 70 Jahren, Leopold Cahnfeld, 65 Jahre alt, wurde im nationalsozialistischen „Boykottheft“ von 1935 noch mit seinem Maler- und Anstreichergeschäft verzeichnet (S. 7).
Clara und Friedrich Cahnfeld ließen sich in Brüssel nieder. Doch noch am Tag des Einmarschs der deutschen Truppen in das neutrale Belgien, am 10. Mai 1940, wurde ihr Mann auf offener Straße verhaftet. Als „feindlicher Ausländer“ wurde er an der belgisch-französischen Grenze den Behörden übergeben und nun in das südfranzösische Lager Saint-Cyprien deportiert, das Anfang 1939 für spanische Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Nichts heraus in der gleichnamigen Küstenstadt aufgebaut worden war. Das Mittelmeer bildete eine natürliche Grenze, und zu den anderen drei Seiten war das Gelände mit Stacheldraht abgetrennt. Das Lager bestand aus Holzverschlägen, die weder vor Kälte noch vor Wind schützten. Erst Mitte 1940 errichtete man Baracken. Dennoch blieb Saint-Cyprien bis zum Schluss ein Provisorium. Es herrschte Mangel an sauberem Trinkwasser, an Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Sanitäranlagen fehlten. Darum breiteten sich Ungeziefer und Krankheiten (Typhus, Malaria, Ruhr) aus, und es gab viele Sterbefälle.
Friedrich Cahnfeld überlebte diese Strapazen bis zum Sommer 1942. Aber am 10. August 1942 wurde er über das Sammellager Drancy bei Paris in das Konzentrationslager verbracht und dort vermutlich sofort ermordet.
Clara Cahnfeld war offensichtlich von Brüssel aus in das nahe gelegene Sammellager Mechelen (Malines) verbracht worden. Von dort wurde sie am 20. September 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und vermutlich bald ermordet. Sie war 45 Jahre alt.
Clara Cahnfelds Tochter Lieselotte, beim Einmarsch der Deutschen 18 Jahre alt, tauchte am 10. September 1942 unter und konnte bis zu ihrer Befreiung am 3. September 1944 so überleben.
Quellen
Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 614815