Siegmund Löwenstein
Siegmund Löwenstein
Siegmund Löwenstein wurde am 18. Juli 1910 in Elberfeld geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann und Journalist Max Löwenstein und seine Frau Meta, geb. Klett, die nicht jüdisch war. Die jüdische Religion spielte in dieser Familie ohnehin keine Rolle, denn Max Löwenstein war ein Sozialdemokrat und politisch immer entschieden und vermutlich auch atheistisch eingestellt.
Siegmund Löwenstein besuchte eine höhere Schule in Wuppertal und machte anschließend eine Ausbildung zum Kaufmann. Später arbeitete er im Konfektions-, Textil- und Schuhwarengeschäft des Vaters am Kipdorf 88 mit, in dem auch in Raten bezahlt werden konnte.
Siegmund Löwenstein engagierte sich für die republikanische Bewegung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Er machte sogar falsche Angaben, um bereits mit 17 Jahren eintreten zu können und sich für die Weimarer Republik, durchaus auch mit Gewalt, einsetzen zu können.
Seine offene politische Aktivität und möglicherweise auch seine jüdische Herkunft machten ihn zu einem Ziel antisemitischer Gewalttäter. Bereits 1928 wurde er in den Barmer Anlagen bei einem Spaziergang mit einer Freundin von einer Gruppe Nationalsozialisten brutal zusammengeschlagen.
Innerhalb des Reichsbanners engagierte sich Siegmund Löwenstein vor allem im Jungbanner und ab 1928 im Vorstand der Barmer Abteilung. 1931 war er in eine Schlägerei in der Parlamentsstraße verwickelt. Es gab eine Verhandlung vor dem Landgericht, vor dem er gegen seine Gegner aussagte, und sofort nach dem Gerichtstermin schlugen ihn drei Nationalsozialisten erneut zusammen. 1932 wurde er einer der Gruppenführer der 1. „Schufo“, d.h. Schutzformation-Abteilung in Elberfeld-Mitte.
Daneben war Siegmund Löwenstein, wie auch sein Vater, schriftstellerisch tätig: Er verfasste drei politische Revuen und schrieb Artikel als freier Mitarbeiter der „Freien Presse“.
In der Nacht nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 wurde er erneut von Nationalsozialisten zusammengeschlagen. Er floh in der gleichen Nacht nach Gütersloh und wenige Wochen später nach Frankreich. Maßgeblicher Grund, Wuppertal zu verlassen, war der Mord an Oswald Laufer. In der Folge setzten die Wuppertaler Nationalsozialisten nun auch Siegmund Löwensteins evangelische Verlobte Hildegard Scholz unter Druck. Darum entschloss sie sich ebenfalls zur Emigration. Am 25. Februar 1935 heiratete das Paar in Frankreich. Zunächst lebten sie in Rouen in der Normandie, wo vermutlich auch die Tochter Sonia am 9. Juli 1935 zur Welt kam. 1935 erfuhr Siegmund Löwenstein, dass sein Vater unter mysteriösen Umständen im Gefängnis Bendahl ums Leben gekommen war.
In Rouen arbeitete Siegmund Löwenstein als Sprachlehrer und knüpfte nützliche Kontakte. Er nahm die französische Staatsbürgerschaft an und leistete 1938 seinen Wehrdienst beim 34. Artillerie-Regiment in Rouen als Hilfskanonier. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erhielt er die Erlaubnis, seinen Namen in „Edmond Durand“ zu ändern, und tarnte damit seine Herkunft. Auch seine Frau nahm einen neuen Namen an: „Helga Augustine Duval“.
Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Frankreich im Mai 1940 kämpfte Siegmund Löwenstein in der französischen Armee bis zur Niederlage. Danach setzte er sich mit seiner Familie in die unbesetzte Zone nach Toulouse ab und schloss sich der Résistance an. In der südfranzösischen Stadt arbeitete er als Buchhalter. Am 11. September 1943 wurde sein Sohn Michael geboren.
Am 18. Oktober 1943 wurde Siegmund Löwenstein von der Gestapo, vermutlich nach einer Denunziation, verhaftet. Zunächst brachte man ihn in das Gefängnis St. Michel, von wo er am 3. November einen letzten Brief an seine Familie senden konnte. Kurz darauf überführte man ihn nach Fresnes (Val-de-Marne) bei Paris. Kurze Zeit später, im Januar 1944, wurde er zusammen mit anderen Résistance-Kämpfern in das Gestapolager „Neue Bremm“ in Saarbrücken gebracht, und am 21. Februar 1944 dort ermordet.
Er war 34 Jahre alt.
Nach dem Krieg wurde sein Leichnam auf dem Saarbrücker Südfriedhof exhumiert und auf dem Soldatenfriedhof in Montauville nördlich von Nancy im Departement Meurthe-et-Moselle bestattet, wo im Mémorial de la captivité ein Ehrenfriedhof an französische Opfer der Kriegsgefangenschaft, Zwangsarbeit und der Konzentrationslager erinnert.
Seine Witwe Hildegard Löwenstein wohnte 1947 in Malaunay in der Normandie und seit März 1949 mit ihren Kindern Sonia und Michael in Frankfurt am Main. Am 25. März 1949 heiratete sie erneut, und zwar Rudolf Bunn.
Bildnachweis
- Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal
Quellen
Rhefus, Reiner: Spurensicherung 1920. Der Arbeiteraufstand gegen den Kapp-Putsch und die damalige Arbeiterkultur im Bergischen Land, Essen, 2000, S. 322-324 | Mintert, David: „Sturmtrupp der Deutschen Republik“. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Wuppertal 2002