Dr. Hans Albert Wollstein

  • Geburtsdatum: 07.03.1895
  • Geburtsort: Elberfeld (heute Wuppertal)
  • Beruf: Rechtsanwalt
  • Wohnort:

    Briller Straße 50

  • Todesdatum: nach 28.9.1944
  • Todesort: Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz

Hans Albert Wollstein wurde am 7. März 1895 als Sohn des Bankdirektors Adolf Wollstein und seiner Frau Paula, geb. Getzel, in Elberfeld geboren.

Gemeinsam mit seinen beiden älteren Schwestern Laura Sophie, geboren am 7. Februar 1892, und Elisabeth Sophie, geboren am 13. Juni 1893, wurde er am 14. Oktober 1897 in Ende in Haus Mallinckrodt, dem Anwesen eines befreundeten Bankdirektors, evangelisch getauft. Wann Hans Albert Wollsteins Bruder Max geboren wurde, ist nicht bekannt.

Sein Vater Adolf Wollstein und seine Mutter Paula waren beide Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde in Elberfeld. Aber, wie der Vater bekannte, „sowohl meine Frau als ich, obwohl nicht getauft, fühlen, handeln, denken als Christen.“ 1897 traten sie aus der jüdischen Gemeinde aus.

Hans Albert Wollstein besuchte zunächst ein Gymnasium in Elberfeld und wechselte dann auf eine Schule in der Nachbarstadt Langenberg.

1913 nahm er eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Krefeld auf. 1914 wurde er Soldat und kämpfte für Deutschland im Ersten Weltkrieg. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz Zweiter Klasse ausgezeichnet.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1903 hatte seine Mutter in Bonn ein Haus gekauft und lebte seit 1918 auch dort. So schrieb sich Hans Albert Wollstein nach der Rückkehr aus dem Krieg im Jahr 1919 an der Universität von Bonn für das Fach Jura ein. Später wechselte er zum Studium nach Göttingen.

Nach der Promotion und Lehrjahren in Celle und Hennef wurde er in Bonn Sozius einer Kanzlei in der Gluckstraße 12, die er später auch übernahm. Im Jahr 1932 hatte er 13 Angestellte.

Hans Albert Wollstein war Vorsitzender der Bonner Liedertafel und war sowohl in diesem Ehrenamt als auch als Anwalt der evangelischen Gemeinde hoch angesehen. Außerdem war er Mitglied im Verein Schlaraffia und begeisterter Theaterbesucher.

1927 heiratete er Marie Helene Lewin. Ob das Paar Kinder hatte, ist nicht bekannt.

1930 gewann Hans Albert Wollstein einen Prozess gegen den „Westdeutschen Beobachter“, der ihn seiner jüdischen Herkunft wegen attackiert hatte. Diese Niederlage wollte die Redaktion jedoch nicht hinnehmen und forderte im Jahr 1932, Rechtsanwalt Wollstein die Zulassung zu entziehen.

Im April 1933, vermutlich im Zusammenhang mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ am 7.4.1933, bescheinigte das evangelische Pfarramt in Bonn Hans Albert Wollstein: „Die staatsbürgerliche Gesinnung ist in jeder Beziehung einwandfrei, wie er auch in vaterländischen Angelegenheiten schon von seiner Familie her sich eifrig betätigt hat.“

Im selben Jahr trat Hans Albert Wollstein vom ehrenamtlichen Vorsitz der Liedertafel zurück, die sich in derselben Sitzung zu Hitler bekannt hatte.

Noch immer besuchte er fast jede Theater-Vorstellung, saß nun aber im Hintergrund. Ende November 1938 wurde ihm endgültig die Zulassung als Rechtsanwalt entzogen. Er lebte nun von Erspartem und dem Erlös von Verkäufen unter Wert. 1939 wurde sein Haus jüdische Sammelunterkunft. Eine Flucht zu niederländischen Jesuiten lehnte er ab. Bald kamen Nachrichten wie die vom Suizid des Freundes Felix Hausdorff.

Am 27. Juli 1942 wurde Hans Albert Wollstein über Köln mit dem 2. Osttransport aus Köln in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Von dort wurde er mit diesem Transport Ek am 28. September 1944 in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz verbracht und vermutlich sofort getötet.Er war 49 Jahre alt.

Seine unverheiratete Schwester Laura Sophie Wollstein war schon am 25. Juni von Düsseldorf aus nach Theresienstadt und am 20. März ebenfalls nach Auschwitz deportiert worden. Auch sie überlebte den Holocaust nicht.

Was mit seinem Bruder Max geschah, ist nicht bekannt.

Seine Schwester Elisabeth Sophie, verh. Stollberg, überlebte und starb 1977 in Köln.

Quellen


Michael Löffelsender: Kölner Rechtsanwälte im Nationalsozialismus (Beiträge zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts, Bd. 88), Tübingen 2015, S. 43 | https://www.instagram.com/p/DG556XusU15/ | Stadtarchiv Wuppertal: Geburtsurkunde Elberfeld 512/1892 | https://www.wp.de/staedte/herdecke-wetter/article11446383/anerkannter-buerger-endet-im-kz.html