Chaskel Wolf Adler, gen. Hermann

  • Geburtsdatum: 25.06.1892
  • Geburtsort: Łódź/ Polen
  • Beruf: Schneider
  • Wohnort:

    Marienstraße 58, Hombüchel 15a

  • Todesdatum: nach 03.07.1944
  • Todesort: Vernichtungsstätte Chełmno

Chaskel Wolf Adler, genannt Hermann oder Herschel, wurde am 25. Juni 1892 in Łódź in Polen als Sohn von Frieda und Bernhard Bero Adler geboren. Er hatte vier Geschwister: Chaja, Schmuel, Leo und Berta.

Vermutlich waren die Adlers während des Ersten Weltkriegs, wie viele polnische Jüdinnen und Juden, aus Polen in den Westen eingewandert.

Seit 1934 betrieb Hermann Adler eine Hosenschneiderei in einer Werkstatt im Hombüchel 15 in der Elberfelder Nordstadt.

Verheiratet war er mit der zwei Jahre älteren Netty Nacha Adler, einer Schwester des berühmten Malers Jankel Adler. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Edith Ida, geboren 1916 in Barmen, Felix, geboren 1919 in Elberfeld, und Rachel Helga, geboren 1922 in Barmen.

Seit 1933 hatte die Familie, wie alle Jüdinnen und Juden in Deutschland, unter dem zunehmenden Verfolgungsdruck der Nationalsozialisten zu leiden. Hermann Adler wird mit der Adresse Hombüchel 15a im nationalsozialistischen „Boykottheft“ von 1935 genannt (S. 4). Im Adressbuch von 1936 ist er allerdings mit der Adresse Marienstraße 58 verzeichnet – womöglich hatte er die Werkstatt verlegt.

Am Freitag, den 28. Oktober 1938, betraf die Familie ein großes Unglück: In der als „Polenaktion“ in die Geschichtsbücher eingegangenen großen Abschiebungsaktion wurden alle fünf Adlers verhaftet und an die deutsch-polnische Grenze nach Bentschen/ Zbąszyń abgeschoben.

Möglicherweise ist es Hermann Adler und seiner Frau gelungen, danach noch einmal nach Wuppertal zurückzukommen, um wenigstens den Haushalt und die Werkstatt aufzulösen – darüber gibt es unterschiedliche Aussagen.

Laut Adressbuch von 1940/41 wohnte zu dieser Zeit in der von den Adlers verlassenen Wohnung die jüdische Kommunistin Rita Gerszt, deren Mann Izchok Gerszt als Widerstandskämpfer bereits 1936 verhaftet worden war und seitdem im Gefängnis saß.

Weiter geht aus den Akten hervor: Im Jahre 1941 zog Frau Irene Otto in die ehemalige Wohnung Adlers ein. Frau Otto sagte, dass sie längere Zeit mit einer städtischen Dienststelle verhandelt habe, die Wohnräume verwaltet habe, in denen früher Juden wohnten. Als sie die Wohnung in Augenschein nahm, hätten dort einige wertlose Möbel und verpackte Kisten gestanden. Sonst seien die Räume leer gewesen.

Hermann Adlers Schwester Chaja Fajgenblatt, die den Holocaust überlebte, sagte nach dem Krieg aus, dass ihr Bruder „Herschel“ von Polen aus noch nach Paris entkommen sei. Aber nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen sei Hermann Adler dort verhaftet und deportiert worden, vermutlich in eins der Vernichtungslager in Polen.

Hermann Adler wurde höchstens 53 Jahre alt.

Das Haus Hombüchel 15a wurde im Krieg zerstört. Der Eigentümer Erich Berger meldete deshalb nach dem Krieg eine Entschädigung an. Der Stadtdirektor Schwebinghaus, der den Fall bearbeitete, verdächtigte Erich Berger, ebenfalls Schneider von Beruf, sich Hermann Adlers Nähmaschinen nach dessen Deportation angeeignet zu haben.

Um hier keine Entschädigung an Hermann Adlers Erben zahlen zu müssen, behauptete die Wiedergutmachungsbehörde zynischerweise, dass Hermann Adler 1939 von Polen hätte zurückkommen können, um sein Eigentum zu verkaufen oder mitzunehmen und seine Ausreise nach Polen ordnungsgemäß zu regeln. Zu Recht mussten die Erben diese Behauptung bestreiten.

Quellen


Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 250731, 250728