Johanna Falkenheim
Johanna Lore Falkenheim
Johanna Falkenheim kam am 17. April 1933 als zweite Tochter des Ehepaars Berthold und Luise Falkenheim, geborene Udewald, in Elberfeld zur Welt. Ihre Schwester Margot war damals schon fast acht Jahre alt. Die vierköpfige Familie wohnte in der Walther-Rathenau-Straße 8, im gleichen Haus wie die Großeltern Leopold und Selma Falkenheim.
Diese hatten schon vor langer Zeit ein Geschäft gegründet, das „Modehaus Selma Falkenheim“, das sich im Nachbarhaus, Walther-Rathenau-Straße 10, befand. Damals hatte die Straße noch Kaiserstraße geheißen, die Nationalsozialisten haben sie dann in „Hermann-Göring-Straße“ umbenannt, und heute heißt sie Neumarktstraße.
Johannas Mutter Luise arbeitete auch im Geschäft, denn sie war gelernte Putzmacherin und stellte in aufwändiger Handarbeit Damenhüte her.
Die Kinder, Johanna und Margot, hatten vermutlich eine Kinderfrau, die auf sie aufpasste, wenn die Eltern im Geschäft waren. Vielleicht kümmerte sich aber auch die Großmutter Selma um die Kinder, sofern diese nicht auch noch trotz ihres Alters dort arbeitete.
Der Großvater Leopold Falkenheim starb mit 80 Jahren im Jahr 1927, und so übernahm Johanna Falkenheims Vater Berthold die Leitung des Modegeschäfts. 1934 zog es aus der Nummer 10 ein paar Häuser weiter in die Nummer 29 der gleichen Straße. Nun war es auch auf den Namen von Johanna Falkenheims Mutter Luise eingetragen. Im Jahr darauf zog die ganze Familie – Eltern, Kinder und die Großmutter – um in die Elberfelder Löwenstraße 4 und hatte dort eine Wohnung im Erdgeschoss. Das Geschäft blieb weiterhin in der Walther-Rathenau-Straße 29, die 1933 in „Hermann-Göring“-Straße umbenannt wurde.
Johanna war fünf Jahre alt, als im November 1938 fanatische Nationalsozialisten in Elberfeld und Barmen die Synagogen in Brand steckten, die Schaufenster von Geschäften jüdischer Eigentümer einschlugen, in die Wohnungen jüdischer Familien einbrachen, Leute misshandelten, Mobiliar zerschlugen und Inventar raubten.
Den jüdischen Eltern war klar, dass sie wenigstens ihre Kinder unverzüglich aus Deutschland herausbringen müssten. So schnell es ging, meldeten sie sie für einen Transport nach England an, beschafften die Ausreisedokumente und ließen dazu Passfotos machen. Das Foto von Johanna Falkenheim ist ein solches Passfoto.
Über 30 Kinder und Jugendliche aus Wuppertal haben es auf diese Weise geschafft. Nicht aber Johanna. Niemand aus ihrer Familie hat den Holocaust überlebt: Vater, Mutter und die beiden Töchter mussten sich, wie auch weitere 260 Jüdinnen und Juden aus Wuppertal, am 10. November 1941 am Bahnhof Steinbeck einfinden und wurden nach Minsk deportiert, wo sie vermutlich gleich bei ihrer Ankunft ermordet wurden. Johanna war gerade acht, ihre Schwester Margot sechzehn Jahre alt.
Gemeinsam mit ihnen wurde die fünfköpfige Familie der Schwester ihrer Mutter, Frieda Heidelberg, deportiert.
Seit 2009 liegen in der Löwenstraße 4 vier Stolpersteine für Familie Falkenheim.
Bildnachweis
- Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal
Quellen
Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal: Adressbuch der Jüdischen Gemeinde Wuppertal nach 1945 | Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 250523