Max Wolkowicz

  • Geburtsdatum: 18.01.1916
  • Geburtsort: Elberfeld (heute Wuppertal)
  • Beruf: Schneider
  • Wohnort:

    Albrechtstraße 52

  • Todesdatum: nach 12.07.1944
  • Todesort: Vernichtungsstätte Chełmno

Aus der Familie Wolkowicz überlebten nur zwei Mitglieder: Die Tochter Selma und der Sohn Benno. Selma Nordmann, geb. Wolkowicz, erinnerte sich im Jahr 1982 an ihre Familie:

Meine Eltern sind 1912 von Polen nach Elberfeld ausgewandert. Wir waren sechs Kinder. Die ältesten sind in Polen geboren. Benno wurde 1908 geboren, Lene 1910 und mein Bruder Alex [Elia] Ende 1911. Ich selbst bin 1913 in Elberfeld geboren, 1916 mein Bruder Max und 1918 mein Bruder Isi. Die Schwester meiner Mutter, die mit einem Janowski verheiratet war, wohnte in Barmen.

Das war Anna Janowski, geb. Goldberg (1888-1929). Ihr Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Barmen.

Mein Vater war Schneider, doch hatte er bald ein En-gros-Geschäft in der Friedrichstraße 44 aufgemacht. Später eröffnete er ein Geschäft auf der Hofaue. Die Firma lief auf Namen meines Vaters und wurde zwangsgemäß 1939 von der Handelskammer aufgelöst.

Laut Adressbuch von 1925 befand sich die Herrenkleiderfabrik von Abraham Wolkowicz, geboren 1882, in der Friedrichstraße 43. Gewohnt hat die Familie zu diesem Zeitpunkt in der Albrechtstraße 52. Abraham Wolkowicz kam im Mai 1942 in das Ghetto Łódź und starb dort im April 1943.

Mein Vater hat die ostjüdische Gemeinde in Elberfeld gegründet.

Die ostjüdische Gemeinde benutzte seit 1929/30 einen Betsaal, den sie im früheren Hobelsaal im Erdgeschoss der Schreinerei Henke in der Luisenstraße 58 eingerichtet hatte. Auf dem Grundstück nebenan war schon seit der Jahrhundertwende der Betsaal der orthodoxen Gemeinde.

Mein Vater und ich wurden November 1938 nach Polen ausgewiesen.

Dieses Ereignis spielte sich vor dem Hintergrund der so genannten „Polenaktion“ ab. Am 28. Oktober 1938 schob die deutsche Regierung rund 17.000 polnische Juden an die polnische Grenze ab, um zu verhindern, dass diese ihre Staatsangehörigkeit verlieren und damit nicht mehr nach Polen einreisen könnten. Zu diesem Zeitpunkt verfolgte die NS-Führung noch die Absicht, alle im Deutschen Reich verbliebenen Juden durch unterschiedliche Repressionen zum Auswandern zu nötigen. Das aber konnte nur gelingen, wenn es Aufnahmeländer gab, u.a. eben Polen für die in Deutschland lebenden polnischen Juden. Polen aber wollte keine Juden aufnehmen und hatte daher im Sommer damit gedroht, allen Polen, die seit mehr als fünf Jahren im Ausland lebten, die Staatsangehörigkeit zu entziehen.

Ich konnte, wie viele andere Juden, für eine Zeit zurück, um unsere Verhältnisse zu regeln. Von Deutschland aus bin ich nach Frankreich geflüchtet. Meinen beiden jüngsten Brüdern, die noch in Deutschland verblieben sind, gelang leider die Flucht nicht. Sie wurden nach Polen ausgewiesen und kamen mit meinem Vater im Ghetto von Łódź um. Mein Bruder Alex wurde 1942 von Frankreich aus nach Polen deportiert. Meine Schwester Lene, die in der Zwischenzeit sich verheiratete, wurde mit ihrer kleinen Tochter nach Auschwitz deportiert und wurde gleich in die Gaskammer geschickt. Mein erster Mann wurde von der Gestapo in Frankreich erschossen.

Max und Isi (Isaak) Wolkowicz kamen im Mai 1942 in das Ghetto Łódź und von dort am 12. Juli 1944 in das Vernichtungslager Chełmno. Dort wurden sie vermutlich sofort ermordet. Alex Wolkowicz wurde im Juni 1943 von Drancy nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet. Lena Nordmann, geb. Wolkowicz, lebte mit ihrer Tochter, Harriet, geboren 1941, in Lyon. Beide wurden mit Convoi 74 im Mai 1944 nach Auschwitz deportiert. Selmas erster Mann namens Luft wurde am 27.6.1944 in Portes-Lès-Valence von der Gestapo erschossen.

Ich bin die einzige, die von der Deportation wiedergekommen ist. Dank dass mein Bruder Benno vorher nach Israel ausgewandert ist, ist er am Leben geblieben. Das ist die traurige Geschichte einer großen Familie.

Max Wolkowicz wurde in das Ghetto von Łódź deportiert und am 14. Juli 1944 im Vernichtungslager Vernichtungslager Chełmno getötet. Er war 28 Jahre alt.

Quellen


Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung: 250438 | Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal: Sammlung Föhse (Nordmann)