Paul Joseph Levy

  • Geburtsdatum: 17.11.1876
  • Geburtsort: Stettin
  • Beruf: Reichsbahndirektor
  • Wohnort:

    Viktoriastraße 85

  • Todesdatum: 27.02.1943
  • Todesort: Vernichtungslager Auschwitz

Paul Joseph Levy wurde am 17. November 1876 in Stettin geboren. Sein Vater war der Getreidehändler Julius Levy (1846-1920), die Mutter dessen Frau Therese, geb. Rieß (1850-1901). Paul Joseph Levys Großvater Ascher Levy stammte aus Bad Polzin und führte dort ein Sägewerk und eine Holzgroßhandlung. Der Schriftsteller Roman Frister hat die Lebensgeschichte dieses Mannes in seinem Roman „Ascher Levys Sehnsucht nach Deutschland“ 1999 zum Thema gemacht.

Paul Levy hatte einen ein Jahr älteren Bruder, Rudolf, der sich zum Kunstmaler ausbildete. Wenige Jahre nach Paul Levys Geburt zog die Familie nach Danzig, wo 1879 seine Schwester Käthe zur Welt kam. Die Eltern waren zwar bürgerlich akkulturiert, erzogen ihre Kinder aber bewusst im jüdischen Glauben.

Nach dem Abitur studierte Paul Levy Eisenbahn-Maschinenbau – vermutlich in Charlottenburg – und bestand seine Abschlussprüfung im Jahr 1899. Sein Referendariat machte er bei den Preußischen Staatseisenbahnen und schloss es 1903 mit der Baumeisterprüfung ab. 1905 trat er in den Dienst der „Hedschasbahnen“ in Syrien. Hier war er für Konstruktion, Beschaffung und Reparatur sowie für die Bahnbetriebswerke und Errichtung der Werkstätte in Damaskus zuständig. 1906 war Paul Levy in Darʿā stationiert.

Im selben Jahr heiratete er, und zwar seine Cousine Ida Levy. Das junge Paar lebte zunächst in Konstantinopel, dann in Damaskus und zuletzt in Beirut.

1909 gingen Paul und Ida Levy für ein Jahr nach „Deutsch-Ostafrika“ – in das heutige Tansania – wo er für die „Ostafrikanische Eisenbahngesellschaft“ tätig war.

1910 kehrte das Ehepaar nach Deutschland zurück und lebte zunächst in Saarbrücken, ab 1912 in Köln, wo Paul Levy das Ausbesserungswerk leitete.

Am 12. September 1912 kam Paul Levys Tochter Susanne zur Welt. Während des Ersten Weltkriegs blieb Paul Levy weiterhin in Köln stationiert, wurde aber immer wieder im Fronteisenbahndienst an der Ostfront eingesetzt. Von seiner Frau hatte er sich mittlerweile zunehmend entfremdet, so dass das Paar sich 1917 trennte. Seine Frau kehrte mit dem Kind zu ihrer Familie nach Bad Polzin zurück. Aber erst nach dem Tod der Eltern ließen sich Paul und Ida Levy im Jahr 1923 scheiden.

1920 wechselte Paul Levy in den Dienst der Deutschen Reichsbahn, zunächst im Rang eines Oberregierungs- und Baurats, nach der Gründung der „Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft“ als Reichsbahnoberrat. 1925 ging er als Dezernent nach Altona. Paul Levy heiratete jetzt ein zweites Mal, und zwar die Berlinerin Charlotte Lewy. Paul und Charlotte Levy waren Mitglieder der „Hochdeutschen Israelitengemeinde zu Altona“.

1929 zog das Paar nach Berlin, weil Paul Levy Abteilungsleiter für die Werkstättenleitung im Reichsbahn-Zentralamt geworden war. Am 1. Oktober 1930 beförderte ihn der Generaldirektor der Reichsbahn, Julius Dorpmüller, zum Direktor bei der Reichsbahn.

Auch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten konnte Paul Levy als Frontkämpfer zunächst seine Stellung als Beamter behalten. Er wurde aber im November 1933 zur Reichsbahndirektion Elberfeld versetzt und zum Dezernenten herabgestuft. In Elberfeld wohnte das Ehepaar Levy in der Viktoriastraße 85 im Briller Viertel.

Im Verzeichnis der oberen Reichsbahnbeamten von 1935 wurde sein Name auch noch aufgeführt. Aber mit dem Erlass der „Nürnberger Rassegesetze“ von September 1935 wurde er zum Jahresende entlassen. Nun zogen Paul und Charlotte Levy zurück nach Berlin, wo Verwandte des Paares lebten.

Nachdem in Bad Polzin im Zusammenhang mit den gewalttätigen Ausschreitungen gegen Juden im November 1938 Paul Levys Cousin Leo Levy erschossen worden war, bemühte sich das Ehepaar zunehmend verzweifelt um die Emigration aus Deutschland. Paul Levys Tochter Susanne, die einen nichtjüdischen Mann liebte, emigrierte 1939. Das Paar heiratete in London und wanderte danach nach Chile aus. Auch Paul und Charlotte Levy kämpften für eine Ausreise nach Südamerika, aber nach dem Ausreiseverbot im Oktober 1941 waren alle Bemühungen vergeblich.

1942 verlor das Ehepaar seine Wohnung in Berlin-Zehlendorf und musste in eine der Zwangsunterkünfte umziehen, zunächst nach Wilmersdorf, später in das Sammellager Große Hamburger Straße.

Am 26. Februar 1943 wurden beide vom Güterbahnhof Moabit mit einem Transportzug der Deutschen Reichsbahn in das Konzentrationslager Auschwitz verbracht. Noch am Tag der Ankunft wurden beide als nicht „arbeitsverwendungsfähig“ beurteilt und sofort ermordet.

Paul Levy war 67 Jahre alt.

Quellen


Yad Vashem: Gedenkblatt | Roman Frister: Ascher Levys Sehnsucht nach Deutschland | https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Levy_(Eisenbahningenieur) | https://www.stolpersteine-berlin.de/de/albertinenstrasse/31/paul-levy