Judith Lena Michowski
Judith Lena Michowski wurde als jüngstes von drei Kindern des Kaufmanns Bernhard Michowski in Elberfeld geboren. Dieser war 1887 im polnischen Łódź geboren worden, hatte dort eine kaufmännische Ausbildung absolviert und kam 1918 nach Elberfeld. Judith Lena Michowskis älterer Bruder Max war 1916 noch in Polen geboren worden.
In Elberfeld lebte Judith Lena Michowski mit ihren Eltern Bernhard Michowski und Anna, geb. Weintraub und ihren Brüdern Max und Josef, der 1919 geboren worden war, in der Friedrichschulstraße 21. Das Adressbuch Elberfeld von 1925 verzeichnet ihren Vater als Rohproduktenhändler und im Besitz eines Telefons.
Sein Geschäft, in dem vier „Sortierer“ angestellt waren, war in der nahe gelegenen Hochstraße 82. Angenehm wird sicherlich auch gewesen sein, dass sich die orthodoxe Betstube im Haus Hochstraße 71b befand. So war alles bequem fußläufig zu erreichen.
Am 6. Mai 1928 starb Judith Lena Michowskis Mutter Anna im Alter von nur 36 Jahren. Ihr Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg auf Feld H/II. Sie war zu diesem Zeitpunkt erst acht Jahre alt, ihre Brüder neun und zwölf.
Möglicherweise heiratete ihr Vater bald wieder, um eine Mutter für seinen kleinen Kinder zu haben. Ein Hinweis darauf gibt ein Kindergrab auf dem jüdischen Friedhof: Dort ist ein namenloses Kind „Michowski“ am 26. Januar 1930 bestattet worden, das am Tag seiner Geburt gestorben ist.
Ende 1934 musste Judith Lena Michowskis Vater sein Geschäft wegen einer schweren Erkrankung aufgeben. Zwei Jahre dauerte es, bis er wieder hergestellt war. Danach sah er keine Möglichkeit mehr, wieder geschäftlich Fuß zu fassen, zumal der Boykott jüdischer Unternehmer zunehmend verschärft worden war.
Am Freitag, den 28. Oktober 1938, betraf die ganze Familie ein großes Unglück: Wie rund 17.000 weiteren Juden und Jüdinnen polnischer Staatsangehörigkeit wurden auch sie verhaftet, um an die deutsch-polnische Grenze abgeschoben zu werden. Die polnische Regierung hatte der deutschen das Ultimatum gestellt, allen polnischen Juden die Staatsangehörigkeit zu entziehen, die seit mehr als fünf Jahren nicht mehr in Polen lebten. Um zu vermeiden, dass diese Personen staatenlos würden, verhaftete die Polizei alle Betreffenden und schob sie in großen Transporten nach Zbąszyń (Bentschen) ab.
Auch Judith Lena Michowski, ihr in Frankfurt am Main lebender Bruder Max, ihr Bruder Josef und ihr Vater waren von dieser Aktion betroffen. Nur Josef gelang irgendwie die Flucht aus Polen. Er entkam in die USA, wo er vermutlich im Januar 2017 gestorben ist.
Judith Lena Michowski, ihr Vater und ihr Bruder Max kehrten nicht wieder zurück. Sie war 18 Jahre alt, als man sie aus Deutschland deportierte.
Quellen
Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 246486a, 76656 | Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge: Sammlung Föhse | Gedenkblatt Yad Vashem