Hedwig Meyer, geb. Steinberg
Hedwig Steinberg wurde am 19. Januar 1883 in Elberfeld in eine fromme jüdische Familie geboren. Ihre Eltern waren Hermann und Bertha Steinberg, geb. Eichholz. Sie hatte noch zwei Geschwister: Henny und Albert.
Ihr Vater Hermann, geboren 1849 in Riesenbeck, heute ein Stadtteil von Hörstel, trug in der jüdischen Gemeinde Elberfelds als Vorsitzender der „Chewra Kaddischa“, der Beerdigungsbruderschaft, ein bedeutendes Amt. Samuel Steilberger (1814-1901), eins der Gemeindemitglieder, schrieb am 23. März 1897 an seine Kinder über ihn: Herr Steinberg ist ein liebenswürdiger Mann. Er interessiert sich für Arme. Neulich frug er mich: „Sagen Sie mal, wie alt ist Ihr Bruder?“ Da sagte ich: „Bald 84 Jahr.“ Da gab er zur Antwort: „Für so einen alleinstehenden Mann, da möchte besser gesorgt werden.“ Wo finden wir den Zweiten, der so edel denkt?
Auch der Rabbiner, Dr. Joseph Norden, erwähnte in seinem Beitrag zur Festschrift zur 300-Jahr-Feier der Stadt Elberfeld von 1910 Hermann Steinberg mit lobenden Worten.
Hermann Steinberg war Eigentümer einer Mode-, Band- und Weißwarenhandlung in der „Thurmhofstraße 11“ (heute Turmhof).
1915 starb Hedwig Steinbergs Mutter Bertha. Möglicherweise war die Familie zu diesem Zeitpunkt schon nach Düsseldorf umgezogen, denn Hedwig Steinbergs Vater starb dort im Jahr 1919.
Dort heiratete Hedwig Steinberg auch, und zwar am 14. Januar 1923 den Kaufmann Leopold Meyer. Er hatte als junger Textilkaufmann ein Verfahren zur Veredelung von Uniformstoffen entwickelt, das er patentieren ließ.
Hedwig und Leopold Meyer, die in der Dagobertstraße 36 in Düsseldorf eine Wohnung hatten, bekamen eine Tochter, Eva. Sie besuchte nach der Volksschule das private Lyzeum Müller in der Taubenstraße 10/12 (zuvor Ehrenstraße 6), das 1937 von der Stadt übernommen wurde. Die antijüdische Atmosphäre dort belastetet das Mädchen aber so stark, dass sie auf die jüdische Schule an der Kasernenstraße wechselte.
Am 8. November 1936 starb Hedwig Meyers Mann Leopold und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Düsseldorf beerdigt. Die 53-jährige Witwe und ihre Tochter blieben nun allein zurück und mussten die zunehmende Bedrängung und Verfolgung ohne die Unterstützung des Familienvaters erleiden und Lösungen für viele Probleme finden. Eine davon war, Hedwig Meyers Tochter Eva außer Landes und in Sicherheit zu bringen. Dies gelang im März 1940: Über Italien emigrierte Eva Meyer nach Palästina, wo sie den Vornamen „Chana“ annahm.
Hedwig Meyer blieb in Düsseldorf und wohnte hier an der Prinz-Georg-Straße 114. Von hier aus musste sie am 10. November 1941 zum Bahnhof Düsseldorf-Derendorf kommen, wo ein langer Transportzug rund 1000 Menschen aus dem gesamten Gestapobezirk Düsseldorf in das Ghetto von Minsk deportierte. Hedwig Meyer kehrte nicht wieder zurück.
Sie war 58 Jahre alt, als man sie deportierte.
Quellen
Joseph Norden: Die jüdische Gemeinde, in: Heinrich Born: Die Stadt Elberfeld. Festschrift zur Dreijahrhundert-Feier 1910, Elberfeld 1910, S. 331-334 | Ulrike Schrader (Hg.): „… der alte Gott lebt noch, wird auch uns nicht verlassen.“ Die jüdische Familie Steilberger, Wuppertal 2015, S. 48f.