Marta Meyer, geb. Flörsheim

  • Geburtsdatum: 08.12.1893
  • Geburtsort: Dortmund
  • Beruf: Vertreterin
  • Wohnort:

    Varresbecker Straße 96, Briller Straße 18, Briller Straße 106, Kaiser-Wilhelm-Allee 4, Stephanstraße 9 (zwangsweise)

  • Todesdatum: nach 12.10.1944
  • Todesort: Vernichtungslager Auschwitz

Marta Flörsheim wurde am 8. Dezember 1893 in Dortmund als Tochter des Kaufmanns Sally Flörsheim und seiner Frau Selma, geb. Auerbach geboren. Martha Flörsheims Vater Sally war ehrenamtlich sehr engagiert: Er war Stadtverordneter im Rat der Stadt Dortmund, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde und Mitglied im Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Außerdem baute er ein Kinderheim in Bad Sassendorf auf.

Marta Flörsheim heiratete den zwei Jahre jüngeren Kaufmann Ernst Meyer, der mit seinem Vater Emil Meyer Teilhaber der Firma N. Meyer jr. in der Hofaue 53a (später 51) war.

Am 7. März wurde der Sohn Hans Ernst geboren, fünf Jahre später, am 5. Januar 1927, der zweite Sohn Klaus Ulrich. Die Familie lebte zunächst in der Varresbecker Straße 96, später in der Briller Straße 106, dann in der Briller Straße 18.

Durch die wirtschaftlichen Krisen der 1920er Jahre ging es auch mit der Firma „N. Meyer“ bergab, so dass sie aufgegeben werden musste. Marta Meyers Sohn Ernst Myer erinnerte sich später:

Mein Vater war Kaufmann. Für Schneider hat er Stoffe gekauft und soviel ich weiß, an die Schneider weiterverkauft, obwohl – das war meines Großvaters Geschäft. Mein Vater war eigentlich ein sehr musikalischer Mensch, der auch sehr viel dirigierte, aber mein Großvater wollte nicht, dass er sein Leben so verbrachte und wollte, dass er ins Geschäft kam. Aber ich glaube nicht, dass er ein sehr guter Kaufmann war, und in den Inflationsjahren ist dann das Geschäft pleite gegangen, soviel ich weiß. […] Meine Mutter hat Zigarren und Schokolade verkauft, eingekauft und verkauft, und als Kinder haben wir die Pakete ausgetragen, und davon haben wir gelebt. Soviel ich weiß, haben einige Leute der Familie uns Geld gegeben, damit wir davon leben konnten. […] Das war kein Geschäft. Sie hat die Aufträge genommen und dann die Pakete zu Hause gepackt, und als Jungen haben wir die dann ausgetragen. […]

In 1933 bin ich schon weg, aber ich kann mich noch erinnern, Freunde, die wir hatten und christlich waren, die sind, wenn wir auf der Straße waren, die weggegangen sind. Die haben uns einfach nicht mehr gekannt auf einmal. […] Es waren nur noch sehr wenige, die die Courage hatten, uns noch zu erkennen. […] Und früher waren sie zu uns nach Hause gekommen zum Kaffeetrinken, Skatspielen usw.

Schon im Jahr 1933 gaben Marta Meyer und ihr Mann ihren älteren Sohn in ein Internat in Turin in Italien – der kleinere Sohn lebte, auch weil das Geld knapp war, bei den Großeltern. Ernst Myer: Ich glaube, die Gemeinde hat ein Angebot bekommen von der Turiner Gemeinde für zwölf Jungen, sie in das Turiner Waisenhaus aufzunehmen, die zwischen den Jahren elf und dreizehn waren. Und das hat dann die Gemeinde veröffentlicht. Und da haben sich dann verschiedene jüdische Familien dazu entschlossen. Und auch meine Eltern müssen sich dazu entschlossen haben, weil sie annahmen, dass es in diesen Jahren vielleicht noch schlimmer würde, dass ich dann nicht da sein würde. Die Idee war, dass ich nach zwei, drei Jahren wieder zurückkommen sollte. Sie selber wollten ja Deutschland nie verlassen und haben sie auch nicht getan. Ich war elf Jahre alt und ich weiß noch, wie meine Mutter mich gefragt hat, ob ich denn gern nach Italien möchte, und da habe ich „ja“ gesagt und weg war ich dann. Und ich bin dann nur noch in den Ferien wiedergekommen.

Im Zuge der antijüdischen Gewaltaktionen im November 1938 wurde auch Marta Meyers Mann verhaftet und bis zum 16. Dezember 1938 in Dachau inhaftiert. Als er am 17. Mai 1939 an einem Schlaganfall starb, bestattete ihn seine Witwe im Grab neben seinem Vater Emil und seinem im Krieg gefallenen Bruder Kurt auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg (Feld K/I).

1939 oder 1940 musste Marta Meyer noch einmal umziehen, und zwar in das Haus Stephanstraße 9, das der jüdischen Gemeinde gehörte und in dem eine jüdischen Schule untergebracht war.

Am Montag, den 20. Juli 1942 mussten die jüdischen Bewohner dieses Hauses sich mit ihrem genau vorgeschriebenen Gepäck zum Bahnhof Steinbeck begeben: Jeanette Apolant, Franziska und Klara Kahn, Grete Metzger und das Ehepaar Leopold und Meta Rosa Sternberg. Vom Steinbecker Bahnhof aus wurden sie nach Düsseldorf gefahren, wo sie auf dem Schlachthofgelände Derendorf übernachten mussten. Am nächsten Tag fuhr dann ein Transportzug mit 20 Personenwagen in das Ghetto Theresienstadt. Über zwei Jahre später, 12. Oktober 1944, wurde Marta Meyer in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich sofort ermordet wurde. Sie war 51 Jahre alt.

Ihre beiden Söhne Ernst und Klaus konnten sich nach England retten.

Quellen


Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 627312 | Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge: Deportationsliste Theresienstadt, Sammlung Föhse | https://www.geni.com/people/Martha-Meyer/6000000002802980606