Antonie van Elst, geb. Elias, verw. Oestreich
Antonie Elias wurde am 4. September 1879 in Dortmund geboren. Möglicherweise war sie die Schwester des Juristen Dr. Otto Elias, geboren am 12. März 1876 in Dortmund. Dann wären ihre Eltern der Kaufmann Adolph Elias und seine Frau Julie geb. Schwarz.
Auch Antonie Elias` Ehemann war Jurist, nämlich der Amtsrichter und Justizrat Moritz Oestreich, von dem indes keine Lebensdaten bekannt sind. Mit ihm hatte Antonie Oestreich zwei Kinder: die am 4. Juli 1900 in Andernach geborene Rosemarie Ilse und den am 21. Oktober 1903 in Elberfeld geborenen Rudolf. Die Familie lebte zu diesem Zeitpunkt im Elberfelder Briller Viertel in der Bismarckstraße 53. Antonie Oestreich und ihr Mann ließen ihre Kinder evangelisch taufen.
Später zog die Familie Oestreich nach Düsseldorf um. Schon vor 1931 starb Antonie Oestreichs Mann Moritz, denn im Düsseldorfer Adressbuch von 1931 wird sie als „Witwe“ aufgeführt.
Ihr Sohn Rudolf studierte nach dem Abitur Jura in Bonn und Köln. Am 1. Oktober 1929 bestand er das 2. juristische Examen und wurde vom 13. Oktober 1930 beim Landgericht Düsseldorf als Anwalt zugelassen. Auch seine Dissertation hatte er abgeschlossen und durfte den Doktortitel führen.
Antonie Oestreich und ihr Sohn wohnten zusammen in der Düsseldorfer Sternstraße 14, wo sich auch die Kanzlei befand. Als ihr Sohn Anfang April 1933 mit dem Vertretungsverbot belegt wurde, setzte sich der Präsident des Landgerichts für seine Wiederzulassung ein, allerdings ohne Erfolg. Auch Antonie Oestreich schickte am 14. April 1933 ein Bittgesuch an den Präsidenten des Oberlandesgerichts in Düsseldorf, bekam aber die frustrierende Antwort: Den jüdischen Rechtsanwälten ist das Auftreten vor Gericht und Einreichen von Schriftsätzen untersagt worden. Zugelassen sind z.Zt nur sehr wenige jüdische Rechtsanwälte, unter denen sich Ihr Sohn nicht befindet.
Nachdem das Vertretungsverbot für Rudolf Oestreich am 8. Mai 1933 bestätigt worden war, nahm er sich am 15. Mai 1933 das Leben.
Die Situation wurde für Antonie Oestreich und ihre Tochter Rosemarie Ilse zunehmend bedrohlich. Am 13. Dezember 1939 heiratete sie den evangelischen Kaufmann Arnold Albert van Elst aus Holland, der zu ihr in die Sternstraße zog. Fünf Tage später konnte ihre Tochter Rosemarie Ilse nach London emigrieren. Antonie Oestreich ging im April 1941 mit ihrem Mann nach Holland.
Von dort muss sie irgendwann in die damalige Heil- und Pflegeanstalt in Bendorf-Sayn bei Koblenz gekommen sein, denn eine Karteikarte belegt ihren „Fortzug“ von dort am 28. Oktober 1942 nach Berlin, „Iranischestr. 2“, also in das Jüdische Krankenhaus. Dieses war mittlerweile zu einem Sammellager für Deportationen geworden. Vermutlich von dort kam sie in das Ghetto Theresienstadt, wo sie am 23. Februar 1944 ermordet wurde.
Sie wurde 65 Jahre alt.
Quellen
Mauss, Susanne: Nicht zugelassen. Die jüdischen Rechtsanwälte im Oberlandesgerichtsbezirk Düsseldorf 1933-1945, Essen 2013, S. 404f. | Arolsen Archives: Theresienstadtkartei (DocID 4974079), Karte Reichsvereinigung der Juden aus Bendorf-Sayn (DocID 12652494)