Martha Vasen, geb. Strauss

  • Geburtsdatum: 02.10.1881
  • Geburtsort: Elberfeld (heute Wuppertal)
  • Wohnort:

    Friedrichstraße 50

  • Todesdatum: 00.09.1942
  • Todesort: Vernichtungsstätte Chełmno

Martha Strauss wurde am 2. Oktober 1881 als Tochter des Kaufmanns Alexander Strauss und seiner Frau Julie, geb. Mansbacher in Elberfeld geboren. Geschwister hatte sie offensichtlich nicht. Die Familie wohnte in der Elberfelder Friedrichstraße 50.

Verheiratet war Martha Strauss mit dem Viehhändler Benjamin Vasen aus Hülchrath. Sie zog nach der Eheschließung zu ihm nach Hülchrath und wohnte dort auch in der Nummer Nr. 30 (heute Herzogstraße 3). Auch ihre Eltern Alexander und Julie Strauss zogen später nach Hülchrath; ihr Vater starb dort 1922, ihre Mutter zwei Jahre später, und beide sind auch dort bestattet.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte Martha Vasens Mann Benjamin als Soldat, wurde verwundet und mit dem Eisernen Kreuz Zweiter Klasse und dem Verwundetenabzeichen ausgezeichnet.

Das Ehepaar Vasen nahm aktiv am Leben der jüdischen Gemeinde teil. Seit 1926 gehörte Benjamin Vasen zu den Repräsentanten des Synagogenbezirks Grevenbroich. Gleichzeitig leitete er als Vorsitzender die Rheinische Viehhandelsbank Köln.

Die Vasens gehörten bis in die 1930er Jahre zum gesellschaftlichen Leben in Hülchrath dazu. Benny Vasen besorgte den Grabstein für das Denkmal der Kriegsgefallenen 1914-1918, war mit dem Architekten Hermann-Joseph Stübben (1845 Hülchrath-8.12.1936 Frankfurt am Main) befreundet und setzte sich für die Anfertigung einer Stübben gewidmeten Büste in Hülchrath ein. Noch 1932 führte er erfolgreich die Bürgerliste Hülchrath bei den Kommunalwahlen an. In der jüdischen Gemeinde war er ein führender Kopf.

In der Zeit des Nationalsozialismus musste das Ehepaar Vasen das gesamte Eigentum in Hülchrath verkaufen, darunter auch das Synagogengebäude.

Am 10. Juni 1938 wurden sie gezwungen, von Hülchrath nach Neuss in die Further Straße 39 zur Familie Cohnen ziehen. Während der antijüdischen, gewaltsamen Ausschreitungen im November 1938 wurde Benjamin Vasen verhaftet und am 16. November 1938 in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Als ehemaliger Frontkämpfer wurde er Anfang Dezember 1938 aus der Haft entlassen.

In der von den Nationalsozialisten erzwungenen Vermögenserklärung gab er an, ein Konto bei der Deutschen Bank in Neuss im Wert von 533,51 Reichsmark zu besitzen.

Das Ehepaar Vasen wurde am 26. Oktober 1941 von Neuss nach Düsseldorf gebracht und am nächsten Tag in das Ghetto von Łódź deportiert. Im Ghetto mussten sie mit 60 weiteren Personen im Zimmer 5 der Kollektivunterkunft Fischstraße 21 leben. Über das „Düsseldorfer Kollektiv“ erhielt Benjamin Vasen eine Brotkarte mit der Nummer 1689931.

Am 18. November 1941 konnte das Ehepaar Vasen aus der Kollektivunterkunft in ein Zimmer der Wohnung 2 in der Holzstraße 63 ziehen. Benjamin Vasen konnte sich und seine Ehefrau vom II. „Aussiedlungstransport“ am 5. Mai 1942 zurückstellen lassen, weil er seine Auszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg vorlegen konnte. Im September 1942 wurde das Ehepaar Vasen aus dem Ghetto von Łódź in das Vernichtungslager Chełmno gebracht und ermordet.

Martha Vasen war 61 Jahre alt.

Erst am 14. Juni 1944 forderte die Kartenabteilung des Ghettos das Amt für Bevölkerungsbewegung im Ghetto auf, das Konto von Benjamin Vasen, Karten-Nummer 1689931, letzte Adresse Wohnung 2, Holzstraße 63, zu sperren.

Quellen


Stadtarchiv Wuppertal: Geburtsurkunde Elberfeld 2992/1881 | Arolsen Archives: Karteikarte (DocID 130654602) | Yad Vashem: Gedenkblatt |  https://stolpersteine-guide.de/map/biografie/1809/eheleute-benny-u-martha-vasen | https://www.schloss-stadt-huelchrath.de/jüdischesleben-in-hülchrath/hülchrather-stolpersteine.html | https://www.neuss.de/fileadmin/Redaktion/downloads/themen/erleben/geschichte/archaeologie/stadt-neuss_denkmaeler_mahnmal-neusser-juden.pdf | Jakobs, Hildegard: Im Ghetto Litzmannstadt (Lodz). 1.003 Biografien der am 27. Oktober 1941 aus Düsseldorf Deportierten, in Zusammenarbeit mit Angela Genger, Immo Schatzschneider und Markus Roos, hg. vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., Essen 2011, S. 731