Bernhard Michowski
Bernhard Michowski wurde am 12. April 1887 im polnischen Łódź geboren. Wer seine Eltern waren, ist nicht bekannt. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und kam 1918 nach Elberfeld. Hier lebte er mit seiner fünf Jahre jüngeren Frau Anna, geb. Weintraub, und den Kindern Max, Judith Lena und Josef in der Friedrichschulstraße 21. Das Adressbuch Elberfeld von 1925 verzeichnet ihn mit dieser Adresse als Rohproduktenhändler und im Besitz eines Telefons.
Sein Geschäft, in dem vier „Sortierer“ angestellt waren, war in der nahe gelegenen Hochstraße 82. Angenehm wird sicherlich auch gewesen sein, dass sich die orthodoxe Betstube im Haus Hochstraße 71b befand. So war alles bequem fußläufig zu erreichen.
Am 6. Mai 1928 starb Bernhard Michowskis Ehefrau Anna im Alter von nur 36 Jahren. Ihr Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg auf Feld H/II. Seine Kinder waren zu diesem Zeitpunkt zwölf, neun und acht Jahre alt.
Möglicherweise heiratete Bernhard Michowski bald wieder, um eine Mutter für seine kleinen Kinder zu haben. Ein Hinweis darauf gibt ein Kindergrab auf dem jüdischen Friedhof: Dort ist ein namenloses Kind „Michowski“ am 26. Januar 1930 bestattet worden, das nur einen Tag alt geworden ist.
1932 beendete Bernhard Michowskis ältester Sohn mit 16 Jahren die Schule und begann in Frankfurt am Main in der Metzgerei Salomon eine Ausbildung zum Metzger. Die konnte er erfolgreich abschließen und dann als Geselle in diesem Geschäft arbeiten.
Ende 1934 musste Bernhard Michowski sein Geschäft wegen einer schweren Erkrankung aufgeben. Zwei Jahre dauerte es, bis er wieder hergestellt war. Danach sah er keine Möglichkeit mehr, wieder geschäftlich Fuß zu fassen, zumal der Boykott jüdischer Unternehmer zunehmend verschärft worden war.
Am Freitag, den 28. Oktober 1938, betraf die ganze Familie ein großes Unglück: Wie rund 17.000 weiteren Juden und Jüdinnen polnischer Staatsangehörigkeit wurden auch sie verhaftet, um an die deutsch-polnische Grenze abgeschoben zu werden. Die polnische Regierung hatte der deutschen das Ultimatum gestellt, allen polnischen Juden die Staatsangehörigkeit zu entziehen, die seit mehr als fünf Jahren nicht mehr in Polen lebten. Um zu vermeiden, dass diese Personen staatenlos würden, verhaftete die Polizei alle Betreffenden und schob sie in großen Transporten nach Zbąszyń (Bentschen) ab.
Auch Bernhard Michowski und seine Kinder waren von dieser Aktion betroffen. Sein in Frankfurt lebender Sohn Max, sein Sohn Josef und seine Tochter Judith Lena wurden an die Grenze deportiert. Nur seinem jüngsten Sohn Joseph gelang irgendwie die Flucht aus Polen. Er entkam in die USA, wo er vermutlich im Januar 2017 gestorben ist.
Er selbst, sein Sohn Max und die Tochter Judith Lena kehrten nicht wieder zurück und haben den Holocaust nicht überlebt.
Bernhard Michowski war 51 Jahre alt, als man ihn aus Deutschland deportierte.
Quellen
Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 246486a, 76656 | Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge: Sammlung Föhse