Frida Levy, geb. Stern

  • Geburtsdatum: 18.12.1881
  • Geburtsort: Geseke
  • Wohnort:

    Teutonenstraße 3, Viktoriastraße 61

  • Todesdatum: unbekannt
  • Todesort: verm. Ghetto Riga

Frida Levy lebte nur zwei Jahre in Wuppertal, von 1936 bis 1938. Sie war mit ihrem an Parkinson erkrankten Mann, dem Rechtsanwalt Fritz Levy, aus Essen nach Elberfeld gekommen, nachdem dieser seine Rechtsanwaltskanzlei hatte aufgeben müssen. Zunächst wohnte das Ehepaar bei Fritz Levys jüngsten Bruder Heinz, der mit Grete Aronstein verheiratet war, im Haus Aronstein in der Teutonenstraße 3, später in der Viktoriastraße 64 im Briller Viertel.

Frida Levys Mann war der zweitälteste, in Elberfeld am 23. Mai 1874 geborene Sohn des Elberfelder Arztes Dr. Hermann Levy (1838-1881) und Emma, geb. Hirschland (1847-1891). Hermann Levy hatte als Stabsarzt am Krieg 1879/71 gegen Frankreich teilgenommen und war in Elberfeld ein angesehener Mediziner gewesen. Sein Grab befindet sich auf dem alten jüdischen Friedhof an der Weißenburgstraße in Elberfeld.

Nach dem Tod des Vaters 1881 zog Emma Levy mit ihren drei Söhnen Ernst (geboren 1872), Fritz und Heinz (geboren 1876) zu ihrer Schwester Jettchen und ihrem Mann Bernhard Lenzberg nach Lemgo.

Nach seinem Abitur in Lemgo studierte Fritz Levy Jura in München und Bonn und promovierte 1895 mit 21 Jahren an der juristischen Fakultät in Erlangen. Am 29. März 1901 heiratete er Frida Stern und eröffnete eine Kanzlei in Essen.

Frida Levy war am 18. Dezember 1881 in Geseke geboren worden. Ihr Vater Samson Stern, geboren 1842, war Kaufmann und mit der elf Jahre jüngeren Johanna Lezynsky verheiratet. Vor Frida Stern war ein Mädchen geboren worden, Laura, das aber schon nach vier Wochen am 10. Juni 1875 gestorben war. Am 3. Juni 1876 wurde ihr Bruder Karl geboren und am 1 Oktober 1878 Erich.

1882 – Frida Stern war gerade acht Monat alt – zog die Familie in die Heimatstadt der Mutter nach Hameln. 1883 wurde noch ein Bruder geboren: Ludwig.

1895 starb Frida Sterns Mutter im Alter von 44 Jahren, ihr Vater drei Jahre später mit 56 Jahren. Frida Stern hatte mit 16 Jahren beide Eltern verloren.

Mit der Eheschließung mit dem Rechtsanwalt Dr. Fritz Levy zog Frida Levy von Berlin – wo sie bei ihrem älteren Bruder Karl gelebt hatte – nach Essen. Die ersten Adressen dort warn die Friedenstraße 13, die Maxstraße 11 und schließlich die eigene, neu erbaute Villa an der Moltkestraße 28.

Vier Kinder wurden geboren: Berthold am 21. Mai 1905, drei Jahre später, am 17. März 1908, Robert. Wiederum drei Jahre später kam die Tochter Hanna zur Welt und schließlich, mit großem Abstand, Susanne am 30. März 1918.

Frida und Fritz Levy waren überzeugte Sozialdemokraten und Anhänger der Weimarer Republik. Aus der jüdischen Gemeinde traten sie zwar nicht aus, waren aber distanziert und führten auch keinen religiösen Haushalt. Sie befürworteten und förderten das Modell der „Freien Schule“ und schickten auch ihre Kinder dorthin. Ihre Tochter Hanna berichtete später: „Wir waren nicht antireligiös, sondern unreligiös. Ich kenne mich bis heute nicht richtig aus mit den Gebräuchen… Die Eltern waren in der jüdischen Gemeinde und haben ihren Beitrag bezahlt. Ich glaube nicht, dass sie zu den Feiertagen gegangen sind. Keine jüdischen Vereine. Ich habe auch nicht das Gefühl gehabt, dass mir etwas gefehlt hat.“ (Hülskemper-Niermann. S. 30)

Gleichwohl gehörten viele jüdische Persönlichkeiten zum Bekannten- und Freundeskreis der Levy, zum Beispiel die Familie des Essener Rabbiners Dr. Samuel, und die Tochter Hanna war schon als Jugendliche Mitglied im deutsch-jüdischen Wanderbund „Kameraden“.

Frida Levy war eine sozial ungewöhnlich engagierte Frau. Sie arbeitete ehrenamtlich für die Arbeiterwohlfahrt und hielt Vorträge vor der sozialistischen Arbeiterjugend und Arbeiterabstinenzbewegung. Ihr ausgeprägtes Gefühl für internationale Solidarität führte sie in die Friedensbewegung und die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit. Frida Levy und ihr Mann waren künstlerisch und musisch sehr aufgeschlossen und neugierig und machte aus ihrer Wohnung bald ein „Haus der offenen Tür“: Regelmäßig trafen sich Künstler in der Moltkestraße, die von den Levys auch finanziell gefördert wurden.

Auch Frida Levy selbst besaß künstlerisches Talent. Sie besuchte die Folkwangschule und beschäftigte sich intensiv mit Portraitzeichnungen und Graphologie. Ihre Kinder erzog sie liberal. Sie sorgte für eine vielseitige Ausbildung und ließ sie ein Musikinstrument spielen lernen.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Frida Levys Mann Fritz, als bekannter „linker“ Rechtsanwalt sehr bald verhaftet, aber wegen seines schlechten Gesundheitszustands und unter der Bedingung, Essen sofort zu verlassen, wieder freigelassen. Nun zog das Ehepaar Levy nach Wuppertal und wohnte bei der Familie Aronstein in der Teutonenstraße 3. Hier pflegte Frida Levy ihren schwerkranken Mann, bis er am 7. Mai 1936 starb. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg auf Feld K/III.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 hatte die ganze Familie und ihre hoffnungsvollen Pläne zerstört. Auch die Kinder standen im Fokus der Verfolger. Der älteste Sohn Berthold wollte Lehrer werden, der Sohn Robert Jurist, aber beide Karrieren zerschlugen sich. Der 26jährige Studienreferendar Berthod Levy wurde am 12. März 1933 verhaftet und kam erst am 21. Mai 1933, an einem 27. Geburtstag, wieder frei. Er emigrierte, vermutlich im Jahr 1936, nach Schweden.

Sein Bruder Robert wurde am 27. April 1933 verhaftet und blieb bis Ende August in Haft. Mit seiner Frau emigrierte Robert Levy über Triest am 1. Dezember 1935 nach Palästina, und auch die jüngste Tochter Susanne wanderte am September dorthin aus.

Die Tochter Hanna heiratete 1935 den Jurastudenten Walter Herz in Berlin. Beide waren schon lange vor 1933 politisch in der linken deutsch-jüdischen Jugendgruppe „Schwarzer Haufen“ engagiert und standen so sofort im Fadenkreuz der Nazis. Im November 1936 verhaftete die Gestapo Frida Levys Tochter und ihren Schwiegersohn. Beide wurden in das Magdeburger Polizeigefängnis eingeliefert. Frida Levy, die inzwischen nach Berlin zu ihrer Tochter in die Eislebener Straße 7 gezogen war, bemühte sich nun unermüdlich um die Freilassung ihrer Kinder und sondierte die Auswanderungsmöglichkeiten für die Zeit danach. Auch aus diesem Grund besuchte sie von Februar bis April 1938 ihre Kinder Robert und Susanne in Palästina und ließ sich nicht überreden, im Land zu bleiben.

Ihre Tochter Suanne erinnerte sich später: „Meine Mutter war 1938 zu Besuch. Da hatte sie noch Geld in Deutschland. Meine Schwester hat 2 ½ Jahre als Kommunistin gesessen, obwohl sie schon längst keine Kommunistin mehr war. Sie wollte meine Schwester nicht allein im Zuchthaus lassen. Sie hat gesagt, sie wolle uns nicht zur Last fallen. Dann ist sie zurück nach Deutschland.“ (Hülskemper-Niermann, S. 42)

Im Mai 1939 wurde Hanna Levy aus der Haft entlassen und emigrierte kurz darauf nach Schweden. Nun kämpfte Frida Levy noch um die Freilassung ihres Schwiegersohns, aber alles war vergeblich. Walter Herz verbrachte mehrere Jahre im Zuchthaus Brandenburg und wurde in das Konzentrationslager Buchenwald verbracht. Am 7. Juli 1942 wurde er von dort in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Drei Monate später wurde er in dem zu einer Tötungsanstalt umfunktionierten „Schloss Hartheim“ ermordet.

Aber das erlebte Frida Levy nicht mehr. Sie war am Freitag, den 23. Januar 1942 aus ihrer Wohnung abgeholt worden, um mit vielen weiteren Berliner Jüdinnen und Juden in das Ghetto von Riga deportiert zu werden. Ob sie dort umkam oder im Wald von Rumbula oder im Vorort Bikerniki erschossen wurde, ist nicht klar. Sie wurde 61 Jahre alt.

Seit September 2011 gibt es eine Gesamtschule in Essen, die nach Frida Levy benannt ist.

Quellen


Frida-Levy-Gesamtschule Essen (Hg.): Frida Levy 18.12.1881 bis 1942, Essen 2001 | Ludger Hülskemper-Niemann: Für Frieden und Gerechtigkeit. Frida und Fritz Levy und ihre Kinder – zwei Essener Biografien (Alte Synagoge Essen: Donnerstagshefte, Heft 12), Essen 2018.