Esther Miedzinski, geb. Weinberg
Esther Weinberg wurde 1896 im polnischen Łódź geboren. Über ihre Kindheit, Schulzeit und Jugend ist nichts bekannt. Vermutlich heiratete sie den zwei Jahre älteren Kaufmann David Miedzinski bereits vor ihrer Einwanderung ins Wuppertal. Auch dessen zwei Jahre jüngerer Bruder Moritz kam nach Elberfeld und gründete hier eine Familie.
Am 15. März 1923 kam Esther Miedzinskis Sohn Otto in Elberfeld zur Welt.
Als dieser zehn Jahre alt war, übernahmen die Nationalsozialisten die Regierung in Deutschland. Schon im Jahr 1933 wurden die Inhaber jüdischer Geschäfte und Unternehmen boykottiert und der normale Alltag zunehmend erschwert. 1935 erschien das antijüdische“ Boykottheft“, in dem auch die Namen von David und Moritz „Mietzinzki“ aufgeführt wurden – beide als Händler, David mit der Friedrichschulstraße 21, Moritz mit der Adresse Friedrichstraße 30a (S. 20).
Esther Miedzinskis Nichte Hannelore, die sehr gern Medizin studiert hätte, musste die Schule vor dem Abitur abbrechen. Es gelang ihren Eltern, sie mit einem Kindertransport nach Holland außer Landes bringen zu lassen. Hannelore Miedzinski gelangte auf diese Weise nach Palästina, heiratete dort und nannte sich in ihrem neuen Land Israel Hanna Lea Katabi.
Am Freitag, den 28. Oktober 1938, betraf die ganze Familie ein großes Unglück: Wie rund 17.000 weiteren Juden und Jüdinnen polnischer Staatsangehörigkeit wurden auch Esther Miedzinski, ihr Mann David und ihr Sohn Otto verhaftet, um an die deutsch-polnische Grenze abgeschoben zu werden. Die polnische Regierung hatte der deutschen das Ultimatum gestellt, allen polnischen Juden die Staatsangehörigkeit zu entziehen, die seit mehr als fünf Jahren nicht mehr in Polen lebten. Um zu vermeiden, dass diese Personen staatenlos würden, verhaftete die Polizei alle Betreffenden und schob sie in großen Transporten nach Zbąszyń (Bentschen) ab.
Mit dem Ehepaar Miedzinski waren auch der Schwager Moritz Miedzinski mit seiner Frau Minna von dieser Aktion betroffen. Nur Otto Miedzinski gelang irgendwie die Flucht aus Polen. Er überlebte den Holocaust.
Von den beiden Ehepaaren kehrte niemand wieder zurück.
Esther Miedzinski war 42 Jahre alt, als man sie aus Deutschland deportierte.
Quellen
Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 250286, 428972, 250075