Doris Lipinsky
Doris Lipinsky wurde in Pabianice, nicht fern von der großen polnischen Stadt Łódź, geboren. Schon ihr Vater, der Schneider Moritz Mendel Lipinsky war 1884 dort geboren worden. Vermutlich wird Doris Lipinsky zwischen 1911 und 1921 geboren worden sein. Doris kam vermutlich 1926 oder 1927 mit ihren Eltern Frania und Moritz Lipinsky nach Elberfeld. Dort wohnte schon ein „Jakob Lipinsky“, geboren am 26. Februar 1897 ebenfalls in Pabianice, ebenfalls Schneider, mit seiner Frau Klara, geb. Gehlkopf, die in Elberfeld geboren worden war. Dieser Jakob Lipinsky, der in der Pfeilstraße lebte (heute Rolandstraße) kann ein Verwandter gewesen sein und der Grund dafür, dass Moritz Mendel und Frania Lipinksy dann auch nach Elberfeld kamen.
In der Albrechtstraße 27 betrieb Doris Lipinskys Vater eine Knopflochnäherei, später in einem Haus gegenüber, in der Albrechtstraße 32.
Wie für alle Juden und Jüdinnen wurde das Leben für die Familie zunehmend erschwert. Im Jahr 1935 wurde Doris Lipinskys Vater Moritz im nationalsozialistischen „Boykottheft“ mit seinem Beruf „Schneider“ und seiner Adresse Albrechtstraße 32 aufgeführt.
Am Freitag, den 28. Oktober 1938 betraf die Familie ein großes Unglück: Doris Lipinsky, ihre Mutter Frania und ihr Vater Moritz wurden verhaftet und mit rund 130 weiteren Wuppertaler Jüdinnen und Juden polnischer Staatsangehörigkeit an die deutsch-polnische Grenze nach Zbąszyń (Bentschen) verschleppt. Rund 17.000 Menschen wurden insgesamt Opfer dieser großen Abschiebeaktion, mit der die deutsche Regierung verhindern wollte, dass die Pässe der Juden polnischer Staatsangehörigkeit ihre Gültigkeit verlieren. Denn das hatte die polnische Regierung durch ein Ultimatum angedroht. Niemand wollte die Juden haben, weder die Deutschen, noch die Polen.
Keiner der drei Lipinskys kehrte wieder zurück. Doris Lipinsky war vermutlich keine 20 Jahre alt, als man sie aus Deutschland vertrieb.
Jakob Lipinsky war mit seiner Frau Klara zuvor in die Niederlande emigriert. Dort wurde Klara Lipinsky im Durchgangslager Westerbork inhaftiert und von dort in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo man sie ermordete.