Eduard Bouscher

  • Geburtsdatum: 22.05.1899
  • Geburtsort: Solingen
  • Beruf: Fotograf
  • Wohnort:

    Kruppstraße 155, Bleichstraße 5 (heute Bundesallee), Bembergstraße 10, Löwenstraße 4

  • Todesdatum: 14.05.1942
  • Todesort: Vernichtungsstätte Chełmno

Eduard Bouscher wurde am 22. Mai 1899 in Solingen als Sohn von Simon Bouscher (*5. Dezember 1861 in Issum), und dessen Frau Betty, geb. Stiefel (* 6. April 1860 in Rauschenberg) geboren. Eduard Bouscher hatte drei ältere Brüder: Daniel, geboren 1890 in Dordrecht in den Niederlanden, Siegfried, geboren 1891 in Rheydt, wo sein Vater Simon Bouscher ein Delikatessengeschäft betrieb, und den zwei Jahre älteren Heinrich, der, wie er selbst, in Solingen geboren war.

In Solingen wohnte die Familie in der Gasstraße 60, in der Augustastraße 21, in der Oststraße 42 und zuletzt, vor dem Umzug nach Wuppertal, in der Grünewalder Straße 67.

Eduard Bouschers Bruder Daniel starb schon im Alter von 23 Jahren 1913 in Berlin. Sein Bruder Siegfried fiel am 25. September 1918 in Gefangenschaft als Unteroffizier 1596 des Reserve-Infanterieregiments 202. Sein Name ist im Gedenkbuch „Die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres, der deutschen Marine und der deutschen Schutztruppen 1914-1918“ von 1932 auf S. 337 genannt.

Nach der Schule erlernte Eduard Bouscher das Handwerk des Fotografen und zog nach Wuppertal, wo er zunächst in seiner Wohnung in der Kruppstraße 155 in Elberfeld ein Fotoatelier betrieb. Auch sein Bruder Heinrich wohnte hier. Mit dieser Adresse wurde sein Atelier auch in der Liste des nationalsozialistischen „Boykotthefts“ von 1935 aufgelistet (S. 6.)

Als Eduard Bouscher in die Bleichstraße 5 umzog (heute das Teilstück der Bundesallee zwischen Brausenwerth und Bembergstraße), nahm er seine gesamte Fotoausrüstung mit.

Im Zusammenhang mit den antijüdischen Gewaltaktionen im November 1938 wurden Eduard Bouscher und auch sein Bruder Heinrich am 12. November in „Schutzhaft“ genommen und am 17. November in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, wo er bis zum 15. Dezember festgehalten wurde.

Nach seiner Rückkehr nach Wuppertal musste er erfahren, dass ihm jede berufliche Tätigkeit verboten war. Deshalb zog er nun zu seinen Eltern in die Bembergstraße 10. Als diese im März 1939, vermutlich nicht freiwillig, in das jüdische Altersheim an der „Straße der SA“ umzogen (heute Friedrich-Ebert-Straße), wechselte Eduard erneut die Wohnung. Er lebte nun in der Löwenstraße 4 am Arrenberg. Zu dieser Zeit musste er in Rahmen des „Jüdischen Arbeitseinsatzes“ Zwangsarbeit leisten. Sein Arbeitsbuch trug die Nummer 198/175996.

Am 30. Juni 1940 nahm sich sein Vater Simon das Leben, seine Mutter schon Betty am Folgetag ebenfalls. Beide wurden auf dem jüdischen Friedhof bestattet (Feld K/XI).

Am Sonntag, den 26. Oktober 1941 musste sich Eduard Bouscher mit vorgeschriebenem Gepäck und Proviant zum Bahnhof Steinbeck begeben. Insgesamt 200 Personen waren dorthin befohlen worden. Der Personenzug brachte die Menschen zunächst nach Düsseldorf, wo sie auf dem Fußboden des von Vieh geräumten Schlachthofs in Derendorf übernachten mussten. Am nächsten Tag brachte dann ein großer Transportzug rund 1000 Personen aus dem gesamten Gestapo-Bezirk in das Ghetto von Łódź.

Dort musste Eduard Bouscher zusammen mit weiteren Deportierten das Zimmer 11 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 beziehen. Aus einer Aufzählung der von den „Altreichsjuden“ ins Ghetto mit gebrachten Dokumente sind für Eduard Bouscher folgende aufgeführt: Stammtafel der Familie Buscher u. Bouscher, Stammtafel der Familie Simon Bouscher, 6 Geburtsurkunden, 2 Sterbeurkunden, Rabbinatsbestätigung, 2 Städteleihamtsbestätigungen, Nachlassschreiben der Zentralstelle für Nachlasssachen, Erbschein, Vereinbarung, Bestätigung der Staatsanwaltschaft, Handwerkskammerbestätigung.

Aus einer Versorgungsliste des „Düsseldorfer Kollektivs“ für den7. bis 12. Mai 1942 geht hervor, dass Eduard Bouscher bis zum 12. Mai 1942 alle Rationen erhalten hatte. Einen Tag später – am 13. Mai 1942 – wurde Eduard Bouscher mit dem X. „Aussiedlungstransport“ aus dem Ghetto gebracht und am nächsten Tag im Vernichtungslager Chełmno ermordet.

Er war 43 Jahre alt.

In Wuppertal war im April 1942 sein Vermögen, das im Wesentlichen aus seinem Erbe – sein Bruder Heinrich Bouscher hatte bei der Auswanderung auf seinen Anteil verzichten müssen – aus IG-Farben-Aktien bestand, von den Behörden erfasst worden. Es wurde am 4. November 1942 endgültig wegen „Volks- und Staatsfeindlichkeit […] zugunsten des Reiches“ eingezogen.

Sein Bruder Heinrich, der nach Bolivien ausgewandert, dort geheiratet und vier Kinder bekommen hatte, kehrte 1965 mit seiner Familie wieder nach Wuppertal zurück, wo er am 31. August 1978 gestorben ist.

Quellen


Jakobs, Hildegard: Im Ghetto Litzmannstadt (Łódź). 1.003 Biografien der am 27. Oktober 1941 aus Düsseldorf Deportierten, in Zusammenarbeit mit Angela Genger, Immo Schatzschneider und Markus Roos, hg. vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., Essen 2011, S. 111f. | Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge: Anmeldebögen | Arolsen Archives: Karteikarte Dachau (DocID 10621139), Zugangsbuch Dachau (DocID 130429731)