Siegfried Leyser
Siegfried Leyser wurde am 19. Januar 1884 in Essen geboren. Seine Eltern waren Josef Leyser und seine Frau Johanna, geb. Hirsch.
Siegfried Leyser führte als Gesellschafter zusammen mit Meyer Hirsch und Ernst Paffrath die Textilfirma „P.& M. Hirsch“ in Wuppertal-Elberfeld in der Hofaue 25, einen Großhandel mit Futterstoffen für Herrenbekleidung. Die Firma hatte bis zu sechs fest angestellte Mitarbeitende. Unter anderem arbeitete dort auch seit Juli 1926 Martha Gockschau als Buchhalterin. Diese erinnerte sich nach Kriegsende an ein gut gehendes Geschäft. Siegfried Leyer heiratete 1929 die 13 Jahre jüngere Selma Lehmann. Die Ehe blieb kinderlos. Zusammen wohnte das Paar im Haus der Witwe Leonhard Leven, Wortmannstraße 38, wo auch der Gemeindevorsitzender Gustav Brück mit seiner Frau seine Wohnung hatte.
Selma Leyser arbeitete in der Firma ihres Mannes ganztägig mit – sie leitete die Firma während der regen Reisetätigkeit ihres Ehemanns. Am 3. Oktober 1932 übernahm Siegfried Leyser die Geschäftsanteile von seinen Partnern und führte die Firma als Alleininhaber fort. Bis 1936 soll die Firma nach Zeugenaussagen keine Umsatzeinbußen erlitten haben, aber unmittelbar nach den antijüdischen Ausschreitungen vom November 1938 musste Siegfried Leyser seine Firma unter dem Druck der Nationalsozialisten doch aufgeben. Die Reste des Lagers wurden von einem Kunden des Unternehmens übernommen. Nach der endgültigen Löschung der Firma aus dem Handelsregister am 19. Dezember 1938 wurde dem Ehepaar Leyser jede Möglichkeit genommen, weiter eine Erwerbstätigkeit auszuüben. Sie lebten nun von ihren Ersparnissen, die seit dem Pogrom von 1938 auf Sperrkonten lagen.
Am Sonntag, den 26. Oktober 1941, mussten Siegfried Leyser und seine Frau das Haus in der Wortmannstraße 38 verlassen und sich zum Bahnhof-Wuppertal Steinbeck begeben. Von dort wurden sie mit rund 200 anderen Jüdinnen aus Juden aus Wuppertal, Remscheid und Solingen nach Düsseldorf gebracht und am nächsten Tag in das Ghetto von Łódź. Im Ghetto mussten sie das Zimmer 6 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 beziehen. Siegfried Leyser erhielt eine Brotkarte mit der Nummer 168525 und fand eine Arbeitsstelle als „Demolierungsarbeiter“. Am 3. Mai 1942 wandte sich Siegfried Leyser mit einem Brief an das „Amt für Eingesiedelte“, um die für sich und seine Frau ausgestellte „Ausreiseaufforderung“ aufheben zu lassen. Sie wurden vom IV. Transport am 7. Mai 1942 mit dem Vermerk „Überkontingent“ befreit. In der Kollektivunterkunft wurden ihnen am 8. und 9. Mai 1942 keine Lebensmittelrationen ausgehändigt. Ihr Vermögen bei der Hauptkasse des Ghettos (117 Mark) war am 4. Mai 1942 vermerkt worden – ein die Opfer der „Aussiedlungen“ betreffender Verwaltungsakt.
Als nach dem Ende der Mai-Deportationen die Kollektivunterkünfte aufgelöst wurden, zog das Ehepaar Leyser am 19. Mai 1942 mit drei Personen innerhalb des Ghettos in ein Zimmer in der Wohnung 13 in die Sperlinggasse 12. Siegfried Leyser lebte bis 1944 zusammen mit seiner Frau im Ghetto von Łódź. Im August 1944 wurden beide von dort in das Vernichtungslager Auschwitz und später nach Stutthof gebracht, wo Selma Leyser, wie vermutlich auch Siegfried Leyser, umkam.
Siegfried Leyser war 60 Jahre alt.
Quellen
Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 626712 | Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal: Deportationsliste Łódź | Jakobs, Hildegard: Im Ghetto Litzmannstadt (Łódź). 1.003 Biografien der am 27. Oktober 1941 aus Düsseldorf Deportierten, in Zusammenarbeit mit Angela Genger, Immo Schatzschneider und Markus Roos, hg. vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., Essen 2011, S. 405f.