Johanna Margareta Wagner, geb. Culp
Johanna Margarethe Culp wurde am 7. Mai 1893 als viertes Kind des Chemikers Dr. Sally Culp und seiner Frau Ida, geb. Meinzer, in Barmen geboren. Ihre Familie hatte vor ihrer Geburt gerade eine geschäftliche Katastrophe erlitten, so dass nicht sicher ist, ob ihre Ankunft wirklich auf große Freude gestoßen ist. Vor ihr waren 1887 der Sohn Karl Julius Alfred und drei Jahre später der Sohn Werner zu Welt gekommen. Später wurde auch ein Mädchen geboren, das aber schon als kleines Kind an Diphterie starb. Die Familie lebte am Heidter Berg in Barmen.
Im Erdgeschoss des Hauses Heidterstraße (heute Heidter Berg) war eine kleine Synagoge, eher ein Betsaal, der vom Vorbeter Lazarus Bodenheimer geführt wurde. Auch daran konnte sich Grete Culps Bruder Werner später erinnern. (Nachdem dieser seine Arztzulassung verloren hatte, begann er damit, seine Kindheitserinnerungen aufzuschreiben, aber durch seinen frühen Tod 1936 wurde dieses Projekt beendet.) Es muss auch eine Familie Bodenheimer dort gewohnt haben, denn meine Mutter pflegte in späteren Jahren, wenn wir unsere Nägel nicht in Ordnung hielten, zu sagen: „Ihr wollt solche Nägel haben wie die alte Frau Bodenheimer in der Heidtstraße!“
1893 brach die Firma „S. & R. Culp“ zusammen, an der Grete Culps Vater Sally Teilhaber war. Das ganze Vermögen, auch Idas Mitgift und das väterliche Erbe waren verloren, und von diesem Schlag haben sich Ida und Sally Culp nie wieder erholt. Werner Culp erinnerte sich: Wie der Zusammenbruch eigentlich zu Stande kam, was es für eine Fabrik war und sonstige Einzelheiten weiß ich nicht. Nur soweit wurde mir klar, dass mein Vater durch einen Betrüger um sein Geld gebracht wurde. […] Dass es für meine Mutter ein sehr harter Schlag war, habe ich stets empfunden, doch sie war es auch, die mit Energie an den Aufbau einer neuen Existenz ging.
Die große Wohnung wurde aufgegeben und eine kleinere in der Lichtenplatzer Straße 70 gemietet. Nun wurde das jüngste Kind, Johanna Margarethe, genannt Grete, geboren.
Grete Culps Bruder Werner studierte nach dem Abitur Medizin und meldete sich 1914 sofort nach Kriegsausbruch freiwillig. 1918 heiratete er, und schon im nächsten Jahr wurde Grete Culp Tante: Ingeborg wurde geboren. 1923 folgten Hans-Dieter und 1928 Waltraud. Aber die Freude an den Kindern währte nicht lange, denn im Dezember 1930 starb Grete Culps Vater Sally im Alter von 78 Jahren.
Auch Grete Culp war mittlerweile verheiratet, und zwar mit einem nichtjüdischen Mann, einem Herrn Wagner, mit dem sie in Wiesbaden lebte. Kinder sind aus dieser Ehe offensichtlich nicht entstanden. 1933 ließ sich der Ehemann scheiden, so dass Grete Wagner ihren Schutz vor den Nationalsozialisten mit einem Schlag verlor.
1936 starb ihr Bruder Werner an Angina Pectoris.
Irgendwann Ende der 1930er Jahre zog Grete Culps Mutter zu ihr nach Wiesbaden und wohnte dort in der Wiesbadener Straße 14, zuletzt in der Kapellenstraße 12. Von dort wurde sie über Frankfurt am 1. September 1942 mit dem Transport XII/2 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und kam dort am 20. November 1942 um, fast 80 Jahre alt.
Grete Wagner zog nach der Deportation ihrer Mutter noch nach Berlin, von wo sie zunächst am 17. März 1943 nach Theresienstadt deportiert wurde. Am 18. Mai 1944 verschleppte man sie nach Auschwitz, wo sie vermutlich sofort ermordet wurde.
Sie war 51 Jahre alt.
Quellen
Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal: Interviews Culp | Stadtarchiv Wuppertal: Geburtsurkunde Barmen 1604/1893