Rachel Lea Borkowski, geb. Hecht

  • Geburtsdatum: 05.04.1884
  • Geburtsort: Stawropel/ Russland
  • Wohnort:

    Fischertaler Straße 12 (heute Fischertal), Brucher Schulstraße 5 (heute Wittensteinstraße), Kölner Straße 72

  • Todesdatum: unbekannt
  • Todesort: Ghetto Warschau oder Vernichtungslager Treblinka

Rachel Lea Hecht wurde am 5. April 1884 in Stawropol im russischen Nordkaukasus geboren. Ihre Mutter hieß Debora Hecht, weiter ist aber nichts über sie bekannt. Ebenso unbekannt ist, wer ihr Vater war, ob sie möglicherweise Geschwister hatte und welche Schul- und Berufsausbildung sie durchlaufen hat. Verheiratet war sie mit dem aus Zgiers (Woiwodschaft Łódź) stammenden Nathan Borkowski, der von Beruf Buchbinder bzw. „Konfektionär“ war. Am 20. Dezember 1903 wurde das erste Kind, Simon Samuel, geboren.

1904, er war 28 Jahre alt, ging Rachel Leas Borkowskis Mann erstmals nach Barmen, um sich ein wenig im Wuppertal umzuschauen. Er kehrte dann für eine kurze Zeit nach Russland zurück, um seine Familie nachzuholen. 1906 ließen er und seine Frau sich endgültig in Barmen nieder. Im selben Jahr wurde im Juni der zweite Sohn, Theo Tobias geboren.

Nathan Borkowski gründete nun in der damaligen Brucher Schulstraße 5 in Unterbarmen eine Firma: eine Werkstatt als Konfektionär. So ist Nathan Borkowski im Barmer Adressbuch von 1921 ausgewiesen, dazu mit der Adresse „Fischertaler Straße“ 12 – vermutlich die private Adresse der Familie. Heute heißt die Straße Fischertal.

Am 24. Dezember 1910 wurde ein Töchterchen geboren, das den Namen Fanny erhielt.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme gerieten auch die Familie Borkowski und ihr Geschäft unter Druck. Wurde Nathan „Borkowsky“ im antijüdischen „Boykottheft“ von 1935 als „Vertreter“ noch gelistet (S. 6), so musste er im Jahr 1936 aufgeben und liquidierte die Firma. Wovon die Familie in den nächsten Jahren lebte, ist nicht bekannt.

Eine Katastrophe muss für Rachel Lea Borkowski die Abschiebung ihres Mannes im Rahmen der so genannten „Polenaktion“ vom 28. Oktober 1938 gewesen sein, mit der aus dem gesamten Deutschen Reich rund 17.000 Juden und auch jüdische Frauen an die deutsch-polnische Grenze nach Zbąszyń verschleppt wurden. Im Sommer 1939 folgte sie ihrem Mann nach Polen, und beide zogen weiter in seine Heimatstadt Zgiers.

Nach der Besetzung Polens durch die Deutsche Wehrmacht im September 1939 hatten Juden und Jüdinnen praktisch keine Chance mehr, aus Europa und dem Machtbereich der Nationalsozialisten zu entkommen. Ein Jahr später, im September 1940, ging Lea Rachel Borkowski mit ihrem Mann nach Grodisk Mazowiecki. Von dort kamen beide am 8. Februar 1941 in das Ghetto von Łódź.

Über das Ende gibt es unterschiedliche Informationen: Lea Borkowskis Mann soll im Vernichtungslager Treblinka ermordet worden sein, sie selbst entweder auch dort oder im Ghetto von Warschau.

Als sie ins Ghetto eingewiesen wurde, war sie 57 Jahre alt.

Auch ihr Sohn Simon Samuel wurde mit seiner aus Brand bei Aachen stammenden Frau Hilda Heimann und der 1935 geborenen Tochter Ingeborg Lisette, ein Opfer des Holocaust.

Überlebt haben der Sohn Theo, der mit Johanna Keschner verheiratet war und im Januar 1965 starb, und die Tochter Fanny, die mit Bernard Zalc verheiratet war. Fanny Zalc starb am 20. Mai 2008 und hinterließ die Tochter Mariette und den Sohn Gilbert sowie fünf Enkelkinder: Jacques, Rachel Lea, Beckie, Natalie und Eli und neun Urenkel.

Quellen


Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 250486 | http://www.familienbuch-euregio.de/genius/?person=516913 | https://www.legacy.com/us/obituaries/readingeagle/name/fanny-zalc-obituary?id=15053611