Elise Weyl, geb. Weyl

  • Geburtsdatum: 14.04.1874
  • Geburtsort: Elberfeld (heute Wuppertal)
  • Wohnort:

    Kipdorfstraße 23 (heute Kipdorf)

  • Todesdatum: 08.05.1942
  • Todesort: Vernichtungsstätte Chełmno

Elise Weyl wurde am 14. April 1874 als älteste von drei Töchtern von Simon und Helene Weyl, geb. Löwenstein, in Elberfeld geboren. Ihre Schwester Paula war nur ein Jahr jünger (geboren am 10. August 1875), während ihre Schwester Anne mit dem Abstand von 14 Jahren eine Nachzüglerin war. Elise Weyls Vater betrieb im Kipdorf 43 unter der Firma „Weyl & Sohn, S. A“: eine „Leinenhandlung en gros“, und ganz offensichtlich wohnte die Familie auch an dieser Adresse.

Elise Weyl heiratete später den 13 Jahre älteren Kaufmann Bernhard Weyl aus Recklinghausen – möglicherweise ein entfernter Verwandter – nicht unüblich in jüdischen Familien. Mit ihm zog sie nach Mönchengladbach, wo nun vier Kinder zur Welt kamen: Kurt am 15. Juni 1896, Erich am 10. September 1898, Paul Theodor am 9. Dezember 1903 und als letztes ein Mädchen: Gertrud am 10. Februar 1907.

Drei Jahre zuvor, am 28. August 1904, war Elise Weyls ältestes Kind Kurt im Alter von acht Jahren gestorben.

Die Familie wohnte in Mönchengladbach in der Viersener Straße 20b. Das Haus entsprach nach Zeugenaussagen einem „herrschaftlichen“ Status und war ausgesprochen gut eingerichtet. Zwischen 1928 und 1935 arbeiteten dort im Haushalt die drei Schwestern Mathilde Neef, Elfriede Rudoph und Elli Seemann, alle geborene Zöllner. Bernhard und Elise Weyl besaßen mehrere Grundstücke in Köln-Rondorf sowie Immobilien in Mönchengladbach.

Ende Oktober 1922 zog Elise Weyls Sohn Paul Theodor von zu Hause aus und nach München, später nach Köln. Er studierte und promovierte zum Doktor der Medizin. Er heiratete Margarete Bach. Gemeinsam mit ihr emigrierte er nach England und arbeitete dort als praktischer Arzt in Manchester.

Elise Weyls Sohn Erich studierte Wirtschaft und arbeitete zunächst als Angestellter für die Baumwollindustrie in Mönchengladbach. Nachdem er als Soldat im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte, heiratete er 1920 Else Fleischer. Er war für die Firma „Fleischer“ in Reichenbach als Prokurist tätig, bis er am 9. November 1938 aus dieser Firma ausscheiden musste. Im Zuge der antijüdischen Ausschreitungen wurde er verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt. Dort wurde er am 1. Dezember 1938 wieder entlassen. Anfang Februar 1939 emigrierte er nach England, erhielt dort aber keine Arbeitserlaubnis, so dass sein Bruder ihn dort finanziell unterstützte. Erst 1940 gelang es ihm in die USA auszuwandern, wo seine Frau Else als Putzhilfe für den Lebensunterhalt der Familie sorgte. Erich (Eric) Weyl starb im Februar 1968 in New York.

Am 28. Dezember 1940 starb Elise Weyls Ehemann Bernhard im Alter von 79 Jahren und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Mönchengladbach bestattet. Sie war nun allein auf sich gestellt. In ihr Haus nahm sie nun noch weitere jüdische Bürger und Bürgerinnen zur Untermiete auf.

Mit einigen von ihnen wurde Elise Weyl am 26. Oktober 1941 von Mönchengladbach aus nach Düsseldorf gebracht und von dort am nächsten Tag in das Ghetto von Łódź deportiert. Dort musste sie mit weiteren Deportierten im Zimmer 3 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 leben.

Vermutlich Ende November/ Anfang Dezember 1941 wurde Elise Weyl in ein Krankenhaus des Ghettos eingeliefert. In einem Dokument, einer Brotliste für die Kollektivunterkunft Fischstraße 15/3, ist hinter ihrem Namen in Klammern „Krankenhaus“ angegeben.

Elise Weyl wurde am 7. Mai 1942 mit dem IV. Transport aus dem Ghetto von Łódź in das Vernichtungslager Chełmno gebracht und am nächsten Tag getötet.

Sie war 68 Jahre alt.

Elise Weyls Tochter Gertrud war mit dem Arzt Dr. Paul Rosenbaum (geboren 6.4.1906) aus Gandersheim verheiratet. Noch am 18. Oktober 1944 wurde sie verhaftet und in das Ghetto Theresienstadt deportiert, aber im Mai 1945 von alliierten Truppen aus dem KZ Theresienstadt befreit.

Das Ehepaar wanderte nun nach Adelaide in Südaustralien aus und änderte seinen Namen in „Ross“.

Quellen


http://statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_411027.html, http://statistik-des-holocaust.de/OT411027-51.jpg | Yad Vashem: Gedenkblätter | Jakobs, Hildegard: Im Ghetto Litzmannstadt (Łódź). 1.003 Biografien der am 27. Oktober 1941 aus Düsseldorf Deportierten, in Zusammenarbeit mit Angela Genger, Immo Schatzschneider und Markus Roos, hg. vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., Essen 2011, S. 754|Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 600321