Bruno Daniel

  • Geburtsdatum: 07.01.1871
  • Geburtsort: Elberfeld (heute Wuppertal)
  • Beruf: Kaufmann, Vertreter
  • Wohnort:

    Bergstraße 17, Neue Friedrichstraße 32, Wupperstraße 9, Markgrafenstraße 16, Bahnhofstraße 14

  • Todesdatum: 06.01.1943
  • Todesort: Ghetto Theresienstadt

Bruno Daniel wurden am 7. Januar 1871 in Elberfeld als mittleres von drei Kindern des Kaufmanns Julius Daniel und seiner Frau Florine, geb. Bermann, geboren. Er hatte noch zwei Schwestern: Alma, geboren 1869, und Hedwig, geboren 1873. Die Familie lebte in der Bergstraße 17 und zog dann in die Wupperstraße 9 um, wo der Vater im Erdgeschoss einen Großhandel für Kurzwaren betrieb.

Auch sein Onkel Max Daniel lebte mit seiner Familie, seiner Frau Jeanette und den drei Söhnen Albert, Otto und Berthold in Wuppertal. Die Brüder Max und Julius Daniel waren Anfang der 1880er Jahre als Kaufleute aus St. Wendel an die Wupper gekommen und hatten sich hier beide im Kurzwarenhandel etabliert.

Wie sein Vater erlernte Bruno Daniel den Beruf des Kaufmanns.

Das Elberfelder Adressbuch von 1934 nennt eine ganze Reihe von Kaufleuten aus der Familie Daniel: Neben Bruno, der sein Geschäft in der Markgrafenstraße 16 führte, sind hier noch sein Cousin, der Kaufmann Albert Daniel mit der Adresse Hofaue 50 genannt und, ebenfalls in der Hofaue 50, die Firma Max Daniel mit Modewaren und Kurzwaren, wo Brunos Tante, die Witwe Jeanette Daniel wohnte. Diese Firma, so sagt das Adressbuch, wurde 1890 gegründet und ist daher mit einem kleinen Lorbeerkranz versehen.

Der Firmengründer Max Daniel war 1923 gestorben und liegt auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg (E IV/33) begraben. Seine Frau Jeanette starb 1937 und wurde neben ihrem Mann bestattet.

Ein weiterer Cousin Brunos war der Gynäkologe Dr. Berthold Daniel, der eine Privatklinik in der Aue 104 unterhielt.

Bruno Daniel und seine Frau Franziska, geb. Kahn, hatten drei Töchter: Gertrud, geboren 1909, Ruth Anni, geboren 1911, und Elisabeth. Elisabeth, die jüngste, starb schon 1926 im Alter von 13 Jahren und liegt auf dem Kindergrabfeld des Jüdischen Friedhofs (B V/93) begraben.

Schon vor den antijüdischen Gewaltaktionen vom November 1938 verschärfte sich die Lage für die Juden im Deutschen Reich erheblich, beginnend mit dem so genannten „Anschluss“ Österreichs im März 1938, über die Maßnahme vom April, alles Vermögen über 5000 Reichsmark angeben zu müssen, bis zur Aktion „Arbeitsscheu Reich“ vom Juni 1938. Es scheint, dass auch Bruno Daniel dieser infamen Maßnahme zum Opfer gefallen ist, denn er wurde vom 21. Juni bis zum 11. September 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Was hatte es damit auf sich?

Der nationalsozialistischen Ideologie und Politik diente der Vorwurf der „Arbeitsscheu“ zur Charakterisierung der sogenannten Asozialen. Als „asozial“ galt, wer „durch gemeinschaftswidriges, wenn auch nicht verbrecherisches Verhalten zeigt, dass er sich nicht in die Gemeinschaft einfügen will“.

Unter diesem Vorwand verhaftete die Kriminalpolizei allein im Zeitraum 13. bis 18. Juni 1938 mehr als 10.000 Menschen. Allein ins KZ Sachsenhausen wurden rund 6.000 Verhaftete gebracht und mit einem braunen, später schwarzen Winkel als „Asoziale“ gekennzeichnet.

Asozial waren nach der Verordnung Personen, die „durch geringfügige, aber sich immer wiederholende Gesetzesübertretungen, sich der in einem nationalsozialistischen Staat selbstverständlichen Ordnung nicht fügen wollen“. Während der „Juni-Aktion“ kam es dabei auch zu gezielten Massenverhaftungen von Juden. Hier reichte schon z.B. das falsche Überqueren einer Straßenkreuzung. Als Initialzündung für die Aktion fungierte hierbei eine antisemitische Rede von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Auf einer Versammlung im Propagandaministerium heizte er am 10. Juni 1938 die Stimmung an. In seinem Tagebuch notierte Goebbels hierzu: „Vor 300 Polizeioffizieren in Berlin gesprochen. Ich putschte richtig auf. Gegen jede Sentimentalität. Nicht Gesetz ist die Parole, sondern Schikane. Die Juden müssen aus Berlin heraus. Die Polizei wird mir dabei helfen.“ Von den Aktionen der Polizei ermuntert, kam es in Berlin und anderen großen Städten des Deutschen Reiches zu pogromartigen antisemitischen Ausschreitungen. Geschäfte von Juden wurden beschmiert und jüdische Ladeninhaber gezwungen, ihre Geschäfte zu schließen; mehrere Synagogen wurden demoliert.

Bruno Daniels älteste Tochter Gertrud blieb unverheiratet. Ruth Anni hatte den aus Bayern stammenden Arthur Damith geheiratet. Weder die Töchter noch der Schwiegersohn haben den Holocaust überlebt. Sie wurden am Montag, den 10. November 1941 auf dem Bahnhof Wuppertal-Steinbeck von einem gänzlich mit Menschen gefüllten Zug aufgenommen, der sie nach Minsk deportierte. Dort wurden sie sehr wahrscheinlich wenig später erschossen. Das alles mussten die Eltern noch miterleben. Sie wohnten zu diesem Zeitpunkt sicherlich schon im Haus Bahnhofstraße 14.

Dieses Haus gehörte Siegfried Elsbach und seiner Schwester Paula Kauffmann. Seit der Aufhebung des Mieterschutzes für Juden im April 1939 hatten die Geschwister weitere Juden und Jüdinnen in ihr Haus aufnehmen müssen. Auch nach ihre Deportation nach Łódź im Oktober 1941 wurde das Haus nun fortwährend neu mit jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern belegt.

Am 20. Juli 1942 mussten Bruno Daniel und seine Frau Franziska das Haus in der Bahnhofstraße 14 verlassen, wie auch noch die Ehepaare Emmerich und Feidelberg, die Witwe Elise Caminer und die 90-jährige Natalie Stern. Diese acht letzten jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner mussten sich mit ihrem Gepäck zum Bahnhof Wuppertal-Steinbeck begeben. Dort wurden sie mit über 250 weiteren Wuppertaler Jüdinnen und Juden nach Düsseldorf gebracht, um am nächsten Tag mit einem Massentransport in das Ghetto Theresienstadt bei Prag deportiert zu werden. Am 6. Januar 1943 kam Bruno Daniel im Ghetto um, vor Hunger, Erschöpfung und fehlender Versorgung. Am nächsten Tag wäre er 72 Jahre alt geworden.

Seit 2022 liegen am letzten freiwilligen Wohnsitz der Familie Daniel, Markgrafenstraße 16, Stolpersteine für Bruno, Franziska und Gertrud Daniel.

Auch seine Schwestern Alma, verheiratete Marcus, und Hedwig, verheiratete Sonnenfeld, überlebten den Holocaust nicht.

Quellen


Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge: Deportationsliste Theresienstadt | Stadtarchiv Wuppertal: Geburtsurkunde Elberfeld 75/1871, Akten für Wiedergutmachung 618895 | Arolsen Archives: Theresienstadt-Kartei (DocID 4967782)