Bertha Sofie Liebenthal, geb. Rosenthal

  • Geburtsdatum: 24.02.1889
  • Geburtsort: Elberfeld (heute Wuppertal)
  • Wohnort:

    Neue Friedrichstraße 46

  • Todesdatum: 24.12.1943
  • Todesort: Ghetto Theresienstadt

Berta Sofie Rosenthal wurde am 24. Februar 1889 in Elberfeld geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Simon Rosenthal und seine Frau Sophie. Die Familie wohnte in der Neuen Friedrichstraße 46. Nach der Schule erlernte Berta Rosenthal den Beruf der Verkäuferin.

1913 zog sie nach Herford und heiratete dort am 23. Dezember 1913 Leopold Hecht, und schon am 10. April 1914 wurde die Tochter Gisela geboren.

Im Ersten Weltkrieg diente Berta Hechts Mann als Soldat, so dass die junge Frau 1915 zu ihrem verwitweten Vater Simon Rosenthal nach Marxloh zog (heute Stadtteil von Hamborn). Es muss ein großes Unglück für die junge Familie gewesen sein, als Berta Hechts Mann Leopold am 26. November 1917 in Couvron (Frankreich) schwer verwundet wurde und schon am folgenden Tag seinen Verletzungen erlag.

Berta Hechts Bruder Hermann Rosenthal lebte in Darmstadt und betrieb in der Ludwigsstraße 12 ein Geschäft für Glas-, Porzellan-, Kristall-, Schmuck- und Lederwaren, den „Darmstädter Bazar“. Bereits vor dem Tod ihres Mannes hatte Berta Hecht immer wieder längere Zeit in Darmstadt verbracht. 1919 entschloss sie sich, sich endgültig in Darmstadt niederzulassen. Dort wohnte sie in der Ernst-Ludwig-Straße 26 im Haus ihres Bruders.

Am 2. November 1920 heiratete Berta Hecht den Kaufmann Wilhelm Liebenthal in Darmstadt. Er hatte mit seinem Bruder einen Käsehandel betrieben, aber nach der Eheschließung stieg er aus dem Geschäft aus und zog zu seiner Frau nach Darmstadt. Berta Liebenthal, ihr Mann und ihre nun sechsjährige Tochter Gisela wohnten nach wie vor in der Ernst-Ludwig-Straße 26, nun allerdings in einer eigenen Wohnung.

Im selben Haus führte Wilhelm Liebenthal als Eigentümer das Ladengeschäft „Geiger & Günther Nachf., Weiß- und Wollwaren“. Berta Liebenthal war an diesem Geschäft wesentlich beteiligt, denn sie hatte das Herforder Geschäft ihres im Krieg gefallenen Mannes Leopold Hecht nach dessen Tod verkauft und den Erlös zum Kauf der Firma Geiger & Günther eingesetzt.

Dieses „Weiß- und Wollwarengeschäft“ wurde nun Schritt für Schritt in ein „Spezialhaus für Herrenmode“ umstrukturiert. Das Geschäft galt als eines der ersten in der Branche, besaß einen ausgezeichneten Namen und hatte eine gehobene Kundschaft. Elf Angestellte waren dort tätig.

Am 17. Oktober 1922 wurde Bertha Liebenthals Sohn Heinz Josef geboren.

Das Geschäft entwickelte sich so gut, dass Wilhelm Liebenthal ein weiteres Geschäft in der Ludwigsstraße 17 eröffnen konnte.

Am 4. September 1935 heiratete Bertha Liebenthals 21-jährige Tochter Gisela den Kaufmann Herbert Löwenstein aus Hohenlimburg/ Kreis Iserlohn. Der Schwiegersohn beteiligte sich als Mitinhaber an der elterlichen Firma.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gingen die Einnahmen zurück, so dass Bertha Liebenthal und ihr Mann versuchten, das Geschäft zu verkaufen. Das war aber schwierig. Doch 1938 wurde die Familie gezwungen, ihren Betrieb und das gesamte Warenlager zu einem Spottpreis an einen alten „Parteigenossen“ zu verkaufen.

Bertha Liebenthals Tochter und ihr Mann emigrierten im September 1938 in die USA. Ihr Sohn Heinz Josef folgte im Frühjahr 1939.

1940 wurden Berta und Wilhelm Liebenthal in die Georgenstraße 10, die heutige Gagernstraße, in eine „Zwangsunterkunft“ eingewiesen. Am 27. September 1942 wurden sie mit dem Transport Da 520 von Darmstadt in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort erhielt Berta die Haftnummer 1129, Wilhelm die 1128.

Wilhelm Liebenthal kam am 12. November 1943 im Ghetto um, seine Frau Bertha wenige Wochen später, am Heiligabend, 24. Dezember 1943. Sie war 54 Jahre alt.

Quellen


Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 11728 | https://stadtatlas.darmstadt.de/ST/Liebenthal_Berta_und_Wilhelm_Im_Geissensee_2.pdf