Gertrud Wallach, geb. Heymann

  • Geburtsdatum: 09.04.1894
  • Geburtsort: Elberfeld (heute Wuppertal)
  • Wohnort:

    Wortmannstraße 40

  • Todesdatum: 05.03.1943
  • Todesort: Vernichtungslager Sobibór

Vor dem Haus Oderfelder Straße 15 in Hamburg-Eppendorf liegen im Bürgersteig zehn „Stolpersteine“ zur Erinnerung an die Familie Ahronheim (Adolf Max, Egla Emma, Karl Max und Max), an das Ehepaar Max und Betty Brandenstein und an die Familie Wallach: Hugo, Gertrud, Gert und Ernst.

Gertrud Wallach war in Elberfeld am 9. April 1894 geboren worden. Ihre Eltern waren der Kaufmann Philipp Heymann und seine Frau Betty, geb. Levy. Philipp Heymann, geboren am 2. Dezember 1854 in Selchow, hatte im Jahr 1885 eine auf die Herstellung und den Vertrieb von Wäsche im Werklohnverfahren spezialisierte Fabrik gegründet. Um 1906 ist erstmals im Adressbuch Elberfeld eine Firma „P. Heymann, Chemisetts und Unterröcke“ unter der Anschrift Vereinstraße 14 eingetragen. Um 1912 zog Philipp Heymann in das Geschäftshaus der Gebrüder Erbslöh in der Hofaue 47-49.

Philipp Heymann hatte Betty Levy, geboren am 5. April 1865, geheiratet und wohnte mit ihr und den beiden Töchtern Regina Elisabeth, geboren am 8. August 1888, und der sechs Jahre jüngeren Gertrud seit etwa 1912 in der Wortmannstraße 40. Gertrud Heymanns Schwester heiratete 1908 den Textilfabrikanten Max Meyer, der am 3. März 1874 in Neviges geboren worden war. Dieser trat als Teilhaber in die Firma des Schwiegervaters ein. Gertrud Heymanns Schwester wohnte mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern Hans Joachim (geboren 1910) und Käte (geboren 1911) in den 1920er Jahren im eigenen Haus Am Forsthof 3, bis die Meyers das Haus in der Briller Straße 44 erwarben und dorthin umzogen.

Philipp Heymann starb am 20. September 1934 im Alter von 79 Jahren. Zur Beerdigung auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg wird sicherlich auch die mittlerweile in Hamburg lebende Tochter Gertrud angereist sein. Sie war mit dem Kaufmann Hugo Wallach verheiratet und war Mutter zweier Söhne: Gert, geboren 1919, und Ernst, geboren 1925.

Ihre verwitwete Mutter Betty Heymann führte die Wäschefabrik in Elberfeld zusammen mit ihrem Schwager Max Meyer weiter. Die Firma “Phil. Heymann“ beschäftigte um 1936 noch etwa 38 Arbeitskräfte, bei allerdings wegen der Boykotte sinkenden Umsätzen. Nach den antijüdischen Ausschreitungen im November 1938 musste die Firma ihren Betrieb einstellen und wurde von der Firma „Th. Müller & Co.“ „arisiert.

Gertrud Wallachs Mutter Betty Heymann emigrierte 1939 in die Niederlande, wo sich ihre Spuren verlieren. Ihrer Schwester Regina, ihrem Schwager und ihrem Neffen Hans Joachim gelang im März 1939 die Emigration nach Südafrika. Ihre Nichte Käte konnte mit ihrem Mann im November 1939 nach Rhodesien emigrieren.

Gertrud, ihrem Mann und ihren Söhnen gelang die Ausreise nach Übersee nicht. Sie emigrierten zunächst in die Niederlande, wurden dort nach dem Einmarsch der deutschen Truppen und der Besetzung des Landes aber verhaftet und im Sammellager Westerbork festgesetzt. Von dort wurden sie am 2. März 1943 in das Vernichtungslager Sobibór deportiert und ermordet, Gertrud und Hugo am 5. März und die Söhne Ernst und Gert am 9. Juli 1943.

Gertrud Wallach war 49 Jahre alt.

Quellen


Hinrich Heyken: Die Hofaue, das Textil- und Großhandelszentrum in Elberfeld, Wuppertal 2012, S. 184f. | https://www.stolpersteine-hamburg.de/index.php?MAIN_ID=7&BIO_ID=6575