Leo Oestreich
Der Kaufmann Leo Oestreich war am 2. Juni 1883 in Langstadt im Kreis Dieburg geboren worden. Seine Eltern waren der Viehhändler Nathan Oestreich und seine Frau Gutha, geb. Steuermann. Nach der Schule erlernte Leo Oestreich einen kaufmännischen Beruf und arbeitete sich vom Handlungsgehilfen zum Handelsvertreter und Einkäufer hoch, bis er in Remscheid bei der Firma Tietz eine Stelle bekam. Hier wohnte er in der Scharffstraße 5. Verheiratet war Leo Oestreich mit der drei Jahre jüngeren evangelischen Remscheiderin Alvine Rosalie, geb. Hilbertz, mit der er am 7. August 1914 die Tochter Erika Johanna Liselotte bekam.
Ende März 1933 zog die Familie Oestreich nach Wuppertal um und wohnte in der von „Walter-Rathenau-Straße“ umbenannten Hermann-Göringstraße 29 (heute Neumarktstraße). Später wechselte die Familie nochmals den Wohnort und ging nach Düsseldorf, wo sie in der Teutonenstraße 9 und in der Karlstraße 95 wohnte.
Durch seine nichtjüdische Ehefrau war Leo Oestrich vor den Deportationen der Jahre 1941 und 1942 geschützt, aber im September 1944 sollten auch die „Mischehen“, also Juden und Jüdinnen, die mit „Ariern“ verheiratet waren, deportiert – und eigentlich sogar getötet werden. Dieser Befehl wurde aber geändert, so dass die Betroffenen „nur“ in Arbeitslager kamen oder, sofern sie nicht mehr arbeiten konnten, in das Jüdische Krankenhaus Iranische Straße nach Berlin. So auch Leo Oestrich, der am 30. September 1944 dorthin verschleppt wurde. Da sich Alvine Rosali Oestreich aber von ihrem Mann hatte scheiden lassen, war der Schutz durch die Ehe mit einer „Arierin“ weggefallen, und so galt Leo Oestrich als Todeskandidat. Am 13. Oktober 1944 wurde er mit dem 117. Theresienstadt-Transport aus Berlin in das Ghetto von Theresienstadt, schon drei Tage später in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort vermutlich sofort getötet.
Leo Oestreich war 61 Jahre alt.
Quellen
https://gedenkbuch-duesseldorf.de/memory-book/oestreich-leo/?_sfm_name=Oestreich | Bilstein, Jochen/ Backhaus, Frieder (Hg.): Geschichte der Remscheider Juden, Remscheid 1992, S. 220 | Yad VaShem: Gedenkblatt | Arolsen Archives: Theresienstadt-Kartei (DocID 5108256), AJDC Berlin Kartei (DocID 11250830)