Flora Wagner, geb. Wertheimer

  • Geburtsdatum: 11.08.1900
  • Geburtsort: Straßburg
  • Wohnort:

    Gosenburg 64

  • Todesdatum: 00.09.1942
  • Todesort: Vernichtungsstätte Chełmno

Flora Wertheimer war die Tochter von Samuel und Johanne (Jeanne) Wertheimer, geb. Uffenheimer. Sie war das fünfte von sechs Kindern der Familie, die alle in Straßburg geboren wurden, wo die Familie lebte.

Seit 1922 war Flora Wertheimer mit dem Kaufmann Max Wagner verheiratet. Mit ihm lebte sie im Wuppertal in Quartier Heckinghausen in der Straße Gosenburg 64. Hier kam am 31. Mai 1925 ihr erster Sohn Arthur zur Welt.

Später zog die kleine Familie nach Düsseldorf und wohnte in der Wetekamstraße 40 (vor und nach der NS-Zeit ein Teil der Luisenstraße). Hier kam nun der zweite Sohn, Egon, am 12. Juli 1931 auf die Welt. Das Familienglück währte nicht lange, denn 1934 ließ sich Flora Wagners nichtjüdische Ehemann von ihr scheiden.

Danach versuchte sie, die Ausreise für sich und ihre Söhne zu organisieren. Dazu stellte sie Passanträge, zu denen von der Gestapo vermerkt wurde: „September 1937 Reisepass nach Frankreich (Weltausstellung)“ und „9. August 1939 zwecks Auswanderung“. Alle Bemühungen blieben vergeblich.

Vermutlich 1938 oder 1939 zog Flora Wagner mit den Kindern in eine Wohnung in der zweiten Etage des „Judenhauses“ Truchseßstraße 33. Unterhalt von ihrem Mann erhielt sie nicht, aber die jüdische Gemeinde unterstützte sie. Am 11. Juni 1938 feierte ihr Sohn Arthur in der kleinen Synagoge in Düsseldorf seine Bar Mizwa.

Im Jahr 1941 leitete die Gestapo Untersuchungen gegen Flora Wagner ein, die im März 1941 zu einer Hausdurchsuchung führten. Im Juni 1941 strengte Flora Wagners Ex-Ehemann ein Verfahren um die Vormundschaft der Kinder an, obwohl er nach der Scheidung zunächst auf das Sorgerecht verzichtet hatte.

Am 27. Oktober 1941 wurde Flora Wagner zusammen mit ihren beiden Söhnen von Düsseldorf in das Ghetto von Łódź deportiert. Dort mussten sie mit weiteren Deportierten in das Zimmer 4 der Kollektivunterkunft Fischstraße 21 einziehen. Später lebten sie im Zimmer 9 in der Fischstraße 15. Flora Wagner wurde vom „Düsseldorfer Kollektiv“ für eine Arbeit in der Gummimantel-Fabrikation vorgeschlagen.

Im November 1941 versuchte Max Wagner durch ein Schreiben an den NS-Innenminister Wilhelm Frick, seine Söhne aus dem Ghetto von Lodz zurückzuholen. Er legte darin eine eidesstattliche Erklärung ab, seine Kinder 1934 aus der Jüdischen Gemeinde abgemeldet zu haben. Die Gestapo lehnte sein Gesuch jedoch ab.

Flora Wagner erhielt im Dezember 1941/ Januar 1942 mehrere Zahlungen, von denen sie jeweils zwei Drittel an die Solidargemeinschaft des „Düsseldorfer Kollektivs“ abführte. Sie konnte sich und ihre Kinder mit dem Hinweis auf deren ungeklärten Status und auf die Arbeitsstelle ihres Sohnes Arthur in der Metallabteilung des Ghettos von der Deportation mit dem IV. Transport am 7. Mai 1942 zurückstellen lassen.

Ab dem 18. Mai 1942 lebte Flora Wagner in der Wohnung 5 in der Sperlinggasse 4. Im September 1942 wurde sie zusammen mit ihren beiden Söhnen aus dem Ghetto zur Vernichtungsstätte Chełmno gebracht und ermordet.

Sie war 42 Jahre alt.

Quellen


Jakobs, Hildegard: Im Ghetto Litzmannstadt (Lodz). 1.003 Biografien der am 27. Oktober 1941 aus Düsseldorf Deportierten, in Zusammenarbeit mit Angela Genger, Immo Schatzschneider und Markus Roos, hg. vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., Essen 2011, S. 737 | https://gedenkbuch-duesseldorf.de/memory-book/wagner-arthur/?_sfm_name=Wagner | https://gedenkbuch.saarbruecken.de/gedenkbuch/personen_detailseite/person-10939