Hans Herbert Tietz
Hans Herbert Tietz wurde am 18. September 1919 als zweiter Sohn von Michael Tietz, der nicht jüdisch war, und seiner Frau Lina, geb. Frankenberg in Barmen geboren. Am 26. August 1916 war sein älterer Bruder Max zur Welt gekommen.
Vermutlich sehr bald nach seiner Geburt ließ sich Hans Herbert Tietz` Mutter scheiden und heiratete erneut, ebenfalls einen nicht jüdischen Mann: Johannes Weber. Im Barmer Adressbuch von 1921 wird ein Rohproduktenhändler Johannes Weber mit der Adresse Hans-Hilbert-Straße 8a (heute Heidter Berg) verzeichnet. Dies könnte die Adresse der Familie gewesen sein. Als Hans knapp sechs Jahre alt war, wurde er vom Ehepaar Abraham und Jettchen Bornheim, geb. Strauß adoptiert und trug von da an ihren Nachnamen. 1936 wurde die Adoption aber wieder aufgehoben.
Am 16. September 1927 wurde ein dritter Junge geboren: Rolf.
Hans Herbert Bornheim begann nach der Schule eine Ausbildung zum Bäcker in der Bäckerei von Albert Walter in der Grünstraße 22. Der Schriftsteller Friedrich Walter (1902-1989) erinnert sich an seine Familie folgendermaßen:
Nicht nur mein Vater Albert Walter, sondern auch schon mein Großvater Samuel Walter hatte eine Bäckerei in Elberfeld. Er war am 10. Januar 1834 in Düsseldorf geboren und starb am 21. Juni 1903 in Elberfeld. Er liegt auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg begraben.
Meine Großmutter väterlicherseits stammte aus einer alten Kölner Bäckersfamilie. Mein Großvater ließ sich mit seiner Frau zunächst als Häusermakler in Düsseldorf nieder. Er prosperierte dort bis zu dem Krach der Gründerjahre, wobei er so verarmte, dass er vor seinen Gläubigern bei Nacht und Nebel fliehen und nach Elberfeld ziehen musste. Dort verhalfen ihm seine Kölner Schwiegereltern dazu, eine Bäckerei zu eröffnen, und zwar in der Südstadt, Johannisstraße 22, in der Nähe der Stadthalle. Mit meiner Mutter erwarb er im Jahr 1904 das Haus Grünstraße 22, in dem er dann seine Bäckerei betrieb und in dem ich aufwuchs.
Doch als das Geschäft nach Beginn der nationalsozialistischen Regierungsübernahme zunehmend boykottiert und, obwohl Albert Walter schon seit 1927 im Ruhestand war, auch im antijüdischen so genannten „Boykottheft“ gelistet wurde (S. 26), musste Hans Herbert Bornheim die Lehre abbrechen und emigrierte am 9. Oktober 1936 zu seinem Onkel Karl Frankenberg nach Brüssel. Er versuchte, in Belgien Fuß zu fassen, wurde aber mehrfach als unerwünschter Ausländer nach Deutschland abgeschoben. Im März 1938 saß er zwei Wochen im Gefängnis Vorst in Belgien in Haft und wurde wiederum nach Deutschland ausgewiesen. Hier verhaftete in die Gestapo am 23. April 1940 wegen eines angeblichen Einbruchs und verurteilte ihn zu acht Jahren Gefängnis „mit Ehrverlust“. 1942 wurde er in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz überstellt und vermutlich bald ermordet.
Bei seiner Einlieferung in Auschwitz war Hans Herbert Tietz 23 Jahre alt.
Sein Bruder Max Abraham Tietz war, weil er sich geweigert hatte, den „Judenstern“ zu tragen, verhaftet und zunächst in das Konzentrationslager Flossenbürg, später in das Lager Stutthof bei Danzig deportiert worden. Dort kam er am 24. August 1942 um.
Seine Mutter Lina Weber und sein Halbbruder Rolf wurden als so genannte „Mischehe“ am 17. September 1944 noch verhaftet und in das „Jüdische Krankenhaus Iranische Straße“ in Berlin deportiert. Sie überlebten den Holocaust und meldeten sich nach dem Kriegsende am 30. Januar 1946 wieder in der jüdischen Gemeinde an.
Lina Weber starb 1973 in Wuppertal.
Quellen
Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 246183, 246182