Johanna Louise Plessner, geb. Schweitzer

  • Geburtsdatum: 26.03.1892
  • Geburtsort: Berlin
  • Wohnort:

    Schlieperstraße 19

  • Todesdatum: nach 03.03.1943
  • Todesort: Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz

Johanna-Louise Schweitzer wurde am 26. März 1892 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren Otto Schweitzer, geboren 1864, und seine Frau Wally Schweitzer, geb. Schweitzer, geboren 1862. Sie hatten am 18. Dezember 1889 geheiratet. Johanna-Louise Schweitzer wurde Hanni genannt. Sie hatte keine Geschwister.

1914 heiratete Johanna-Louise Schweitzer den Kaufmann Hans Plessner, der am 7. Dezember 1885 in Dessau geboren und in Berlin aufgewachsen war. Zu dieser Zeit wohnten ihre Eltern Otto und Wally Schweitzer in Elberfeld. Auch das junge Ehepaar zog nun nach Elberfeld und nahm in der Schlieperstraße 19 eine Wohnung in der dritten Etage. Johanna-Louise Plessners Vater war lange schwer krank. Er starb am 5. September 1914 in Elberfeld und wurde auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg auf Feld C/X bestattet.

Am 2. Januar 1918 brachte Johanna-Louise Plessner ihren Sohn Otto in Elberfeld zur Welt. Am 5. Februar 1922 starb nun auch ihre Mutter Wally, die neben ihrem Mann auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg bestattet wurde.

Kurz danach zogen die Plessners aus Elberfeld zurück nach Berlin. Am 12. Dezember 1922 starb dort Johanna-Louise Plessners Schwiegervater Oswald. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Ihre verwitwete Schwiegermutter blieb in der Wohnung am Südwestkorso 16 im zweiten Stock bis zu ihrem Tod am 22. August 1934 wohnen.

1937, die Familie Plessner wohnte damals in Berlin-Schöneberg, wanderte ihr Sohn Otto mit 19 Jahren nach Südafrika aus. Johanna-Louise Plessner und ihr Mann wollten 1938 ihrem Sohn nach Südafrika folgen und auswandern. Aber dazu kam es nicht.

Ab Mitte Juni 1938 musste Johanna Plessner für 18 RM die Woche Zwangsarbeit leisten. Ihr Mann Hans Plessner musste als Kassierer bei einem Hilfsverein für einen sehr geringen Lohn von 13,30 RM (Reichsmark) pro Woche arbeiten. Sie mussten ihren Hausstand auflösen und ihre Vermögensgegenstände sowie ihren Hausrat weit unter Wert verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Verkäufe sollten auch dazu dienen, ihrem Sohn Pakete nach Südafrika zu schicken. Am Ende mussten sie den Versand von Gebrauchsgütern aufgeben, weil sie die Frachtkosten nicht mehr aufbringen konnten. Zwei Kisten, die bei Braschen & Rothenstein in Berlin NW, Lüneburger Straße, eingelagert waren, blieben zurück und gingen verloren. In diesen Kisten befand sich eine große Menge an Hausrat: Geschirr, Töpfe, Lampen, Bettzeug, Besteck und Gläser.

Am 26. Juni 1938 schrieben Johanna-Louise und Hans Plessner an ihren Sohn:

„Mein gel.[geliebter] Junge, Deine 1. Zeilen vom 13. und 15.6. haben uns sehr erfreut und schöpfen wir daraus wieder neuen Mut und Hoffnung. Nur dass Du in letzter Zeit wiederholt erkältet warst, hat uns sehr betrübt, hoffentlich bist Du nun ganz wieder hergestellt, was ich Dir von Herzen wünsche. Dass Du hoffst, uns höchst bald herauszubekommen, macht uns sehr glücklich, hoffentlich sind Deine Bemühungen diesmal von Erfolg. Es ist auch für mich jetzt höchste Zeit, dass unsere Auswanderung vonstatten geht, denn die Nerven sind eben in heutiger Zeit schneller verbraucht, und diese Trennung macht einen mürbe. Jetzt schreibst Du wieder wie früher, mein gel.[geliebter] Junge, und das macht uns glücklich. Nun zu den Aufstellungen. Du weißt doch, vielleicht kannst Du Dich darauf besinnen, dass wir Gustav Brietz verklagen wollten und da stellte sich heraus, dass die meisten Sachen nicht mehr da sind und angeblich gestohlen sein sollen. Nun sitzt Gustav im Irrenhaus und können wir im Moment nicht[s] weiter unternehmen. Es ist vielleicht möglich, dass wir noch etwas von den Sachen erhalten, wenn wir das Geld dazu haben, sie auszulösen. Seit einer Woche bin ich als Kassierer beim Hilfsverein eingestellt und habe die Woche 266,— Mk einkassiert und dann 5% Provision – 13.30 Mk. erhalten. Das ist ja nun gar nicht viel und quasi vorläufig nur ein Trinkgeld, aber ich habe eine Beschäftigung, die zwar sehr anstrengend ist, und Mutti hilft mir so fleißig mit, denn das Leben ist doch sehr schwer. Wenn ich ganz eingearbeitet bin, wird sich der Verdienst hoffentlich verdoppeln.….“

Es folgt eine Aufstellung aller Wert- und Haushaltsgegenstände, die sie im Central-Leihhaus Schöneberg (Innsbrucker Platz) und bei Gustav Brietz oder Briek (Westfälische Straße 50, Halensee) versetzen mussten. Für die wertvollen Gegenstände aus Gold und Silber, für Schmuck, Uhren, Besteck und Kleidung erhielten sie nur insgesamt 255 Reichsmark.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 wohnten Johanna-Louise und Hans Plessner in der Holsteinischen Straße 27.

Die letzte Nachricht, die der ausgewanderte Otto Plessner in Südafrika von seinen Eltern erhielt, war ein Brief über das Rote Kreuz vom 2. Februar 1943 mit Geburtstagswünschen.

Zu dieser Zeit waren sie in der Bamberger Straße 22 (Bezirk W30) im Parterre bei Löwenstein in einem möblierten Zimmer untergekommen. Dort zahlte das Ehepaar Plessner 50 RM pro Monat Miete. Johanna Plessner bekam damals nur 18 RM Wochenlohn. Hans Plessner musste beim Weser-Flugzeugbau in Tempelhof Zwangsarbeit leisten.

Am 27. Februar 1943 führte die Gestapo die sogenannte „Fabrikaktion“ beim Weser-Flugzeugbau durch, bei der auch Hans Plessner festgesetzt und in ein Sammellager transportiert wurde. Er wurde am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Bei seiner Deportation war er 57 Jahre alt.

Johanna-Louise Plessner wurde einen Tag nach ihrem Mann am 3. März 1943 mit dem 33. Osttransport zusammen mit 1731 Berliner jüdischen Menschen nach Auschwitz deportiert. Auf der Transportliste wurde sie als Nr. 868 aufgelistet. Sie war 51 Jahre alt, als sie deportiert wurde.

Ihr Sohn Otto Plessner erhielt die südafrikanische Staatsbürgerschaft. Nach dem Abitur, das er 1940 in Johannesburg absolviert hatte, arbeitete er bis 1955 als Angestellter. In erster Ehe war er in Johannesburg mit Eva Juliana Ingeborg Sandelowsky, geboren 1922 in Königsberg, verheiratet.

In zweiter Ehe war Otto Plessner mit Mildred Milly Meyerowitz verheiratet, die 1920 in Johannesburg geboren worden war. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Richard, Harold und Jonathan. Otto Plessner arbeitete als Verkäufer. 1955 wohnte er mit seiner Familie in Windhoek, Südwestafrika, bis sie 1963/1964 nach Houston, Texas, auswanderten. Dort erhielten sie 1968 die US-Staatsbürgerschaft. Ihre beiden älteren Söhne Richard, geboren am 16. April 1945, und Harold, geboren 1947, heirateten und gründeten Familien. Es gibt weitere Nachkommen in den USA.

Otto Plessner starb mit 85 Jahren am 31. August 2003 im Konsulat der USA in Johannesburg, Südafrika.