Gert Auerbach
Gert Auerbach wurde am 21. Januar 1925 als erstes Kind des Abteilungsleiters Max Auerbach aus Telgte und seiner Frau Johanna, geb. Marx geboren. Erst kurz vor seiner Geburt waren seine Eltern nach Elberfeld gezogen und hatten eine Wohnung im Arrenberger Quartier in der Moritzstraße 2 bezogen. Gert Auerbach war schon elf Jahre alt, als 1936 seine kleine Schwester Margret zur Welt kam.
Am 17. November 1938, als er gerade 13 Jahre alt war, wurde sein Vater Max Auerbach im Zusammenhang mit den antijüdischen Gewaltaktionen verhaftet und nach Dachau deportiert, aber glücklicherweise am 1. Dezember wieder entlassen – vermutlich, weil seine Frau Johanna die nötigen Papiere für die Auswanderung besorgt hatte. Tatsächlich ging Max Auerbach noch im Dezember 1938 in die Niederlande. Sein Sohn Gert indes musste in banger Erwartung zu Hause ausharren, denn er durfte nicht mehr zur Schule gehen. Ein Runderlass des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 15. November 1938 verbot jüdischen Schülerinnen und Schülern den Besuch öffentlicher Schulen grundsätzlich. Für die jüdischen Familien bedeutete dies das Ende der Zukunft ihrer Kinder, so dass alle angestrengt nach Möglichkeiten zur Auswanderung suchten.
Am 22. März 1939 konnten Gert Auerbach mit seiner Mutter und der Schwester nach Holland nachkommen. Aber nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde es für die Familie gefährlich. Tatsächlich wurde der 15jährige zusammen mit seinem Vater Max am 1. Juli 1940 verhaftet und dreieinhalb Jahre, bis zum 18. Januar 1944, im Sammellager Westerbork gefangen gehalten und zur Zwangsarbeit verpflichtet.
Im Januar 1944 wurden Gert und Max Auerbach von Westerbork in das Ghetto Theresienstadt bei Prag verschleppt, wo sie am 20. Januar 1944 ankamen. Hier mussten Vater und Sohn acht Monate bleiben, bevor sie am 28. September 1944 in das Konzentrationslager Auschwitz überstellt wurden. Gerts Vater Max Auerbach kam sehr bald dort um.
Mit dem Heranrücken der Roten Armee und der Auflösung der Lager im Januar 1945 wurde Gert Auerbach nun zunächst in das Konzentrationslager Groß-Rosen verbracht in der Absicht, ihn von dort in das Konzentrationslager Buchenwald zu transportieren, möglicherweise in einem der berüchtigten „Todesmärsche“. Doch Buchenwald erreichte Gert Auerbach nicht mehr. Vermutlich kam er in der bitteren Kälte dieses Winters, durch die jahrelange Zwangsarbeit völlig geschwächt, unversorgt und halb verhungert, unterwegs um. Oder man hat ihn einfach erschlagen oder erschossen, weil er nicht mehr laufen konnte.
Als Todesdatum wurde später der 7. Februar 1945 festgesetzt. Er war 20 Jahre alt.
Gert Auerbachs Mutter Johanna und seine damals nicht einmal dreijährige Schwester Margret konnten Anfang 1939 aus Holland in die USA entkommen. Johanna Auerbach starb 1959 in Los Angeles, ihre Tochter, verheiratete Mittelmann, 2009, auch in Kalifornien.
Quellen
Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 250830 | Arolsen Archives: Theresienstadt-Kartei (DocID 4965279), Inhaftierungskarte Westerbork (DocID 130252904)