Karl Nathan
Karl (oder auch Carl) Nathan wurde am 31. Oktober 1894 in Remscheid in eine fromme jüdische Familie geboren. Wann seine Eltern, der Händler David Josef Nathan und Henriette, geb. Gottschalk, mit dem Jungen nach Barmen umzogen, ist nicht ganz sicher. Das Adressbuch Barmen aus dem Jahr 1901 führt David Nathan mit der Adresse Oberdörner Straße 9 (heute Oberdörnen) auf, und Karl Nathans Bruder Josef wurde am 20. April 1902 in Barmen geboren.
Weitere Barmer Adressen der Familie sind Wernerstraße 13, Am Unterbarmer Friedhof 46 und Unionstraße 8. Als Karl Nathans Vater von der jüdischen Gemeinde Barmen, die sich 1894 als Abspaltung von der Elberfelder jüdischen Gemeinde gegründet hatte, als Kastellan, also als Hausverwalter, für die Synagoge eingestellt wurde, wohnte er an der Adresse der Synagoge. Diese war im Januar 1897 an der Scheurenstraße 18 (heute Zur Scheuren) eingeweiht worden.
Karl Nathan besuchte nach der Volksschule das Städtische Realgymnasium der Stadt Barmen an der Sedanstraße und erlernte anschließend einen kaufmännischen Beruf. Verheiratet war er mit Maria, geschiedene Powiton, die nicht jüdisch war. Er arbeitete als Buchhalter und war Leiter der Krankenkasse beim Zentralverband der Angestellten. Außerdem war er Sozialdemokrat und aktiver Gewerkschafter, was ihn nach der nationalsozialistischen Regierungsübernahme sofort ins Fadenkreuz der neuen Machthaber rückte. Schon im Mai 1933 wurde er im Zusammenhang der Zerschlagung der Freien Gewerkschaften fristlos entlassen.
Er fand eine neue Arbeit bei der Firma „Rapp-Treu GmbH, Klöppeldecken und Tapisserie-Fabrik“ des jüdischen Unternehmers Ernst Rapp in der Grafenstraße 8 in Oberbarmen.
Dort erlebte er auch die antijüdischen gewalttätigen Ausschreitungen in der Nacht zum 10. November 1938 und den folgenden Tagen. Von betrunkenen SA-Männern wurde er schwer misshandelt, indem sie ihn eine Treppe hinunterstießen und dem am Boden Liegenden mit den Absätzen ihrer Stiefel in den Unterleib traten. Ohne dass er ärztliche Behandlung hätte in Anspruch nehmen können, wurde Karl Nathan am 10. November 1938 verhaftet und wenige Tage später, am 17. November, in das Konzentrationslager Dachau verbracht, wo er die Gefangenennummer 29669 erhielt. Neben seinem Bruder Josef waren noch weitere fast 90 Männer aus Wuppertal in diesem Transport. Erst am 1. Dezember ließ man ihn wieder frei.
Am 15. April 1940 wurde er zur Zwangsarbeit verpflichtet, die er bei den „RiRi-Werken, Patentverschlussfabrik“ in der Gennebrecker Straße 21 ableistete.
1938 oder 1939 mussten er und seine Frau die Wohnung am Unterbarmer Friedhof 46 räumen und in die Zwangsunterkunft Unionstraße 8 zeihen. Weil Maria Nathan nicht jüdisch war, stand ihr Mann nicht auf den Listen der Deportationen des Herbstes 1941 und Frühjahrs/ Sommers 1942. Bis Herbst 1942 arbeitete er zwangsweise bei den RiRi-Werken, aber dann holten ihn die Folgen der schweren Misshandlungen vom November 1938 ein.
Er kam in das Jüdische Krankenhaus nach Düsseldorf und starb dort am 18. November 1942.
Er war 48 Jahre alt.
Seinem Bruder Josef Nathan gelang die Emigration; er starb im Februar 1986 in den USA.
Das Grab seines Vaters David Nathan befindet sich auf dem jüdischen Friedhof an der Hugostraße. Ein Grab seiner Mutter Henriette, die 1942 starb, existiert nicht mehr.
Quellen
Arolsen Archives: Zugangsbuch Dachau (DocID 130429733) | Stadtarchiv Wuppertal: Akten für Wiedergutmachung 11862