Jenny Moser, geb. Heidt
Jenny Heidt wurde am 17. Juni 1892 in Warburg als ältestes von fünf Geschwistern geboren. Ihre Eltern waren Simon Heidt und seine Frau Eva, geb. Straus. Jenny Heidts Vater betrieb in Warburg am Markt 15 eine Metzgerei und Speisewirtschaft.
Jenny Heidts jüngere Geschwister waren Claire (*1893), Helene (*1894), Elfriede (*1898) und Ernst (*1901). Ihre Schwester Claire heiratete vor dem Ersten Weltkrieg Richard Bloch und zog mit ihm nach Krefeld. Ihre Schwester Helene heiratete 1920 in Warburg den Metzger Wilhelm Voos aus Frechen.
Sie selbst heiratete den Kaufmann und Polsterer Sally (Salomon) Moser, eigentlich „Moses“, der am 24. Mai 1884 in Kaldenkirchen zur Welt gekommen war. Am 10. Juni 1918 brachte Jenny Moser ihr erstes Kind, den Sohn Hans, in Paderborn zur Welt. Nach der Geburt zog die kleine Familie nach Elberfeld, wo Jenny Mosers Mann Sally als Handelsvertreter arbeitete. Am 3. Juni 1920 wurde der Sohn Kurt Erich geboren – er wurde stets nur „Erich“ gerufen. Als drittes und letztes Kind kam am 2. Juli 1923 die Tochter Eva zur Welt.
Die Familie zog in Elberfeld einige Male um: Sie wohnte am Rommelspütt 1a, in der Nützenberger Straße 73 und in der Bergstraße 48. Am 27. Dezember 1935 starb Jenny Mosers Mutter Eva Heidt in Elberfeld und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Warburg bestattet.
Am 18. März 1938 verließen sie Elberfeld und zogen nach Düsseldorf in die Zietenstraße 16. Die antijüdische Stimmung verschärfte sich in disem Jahr spürbar. Deshalb meldete sich Jenny Mosers Sohn Erich am 10. Oktober 1938 mit dem Ziel „Werkdorp Niewesluis“ von Düsseldorf ab. Er wollte, wie schon sein Bruder Hans, sich auf ein Leben in Palästina vorberieten und Landwirtschaft und ein Handwerk lernen.
Jenny Moser blieb mit ihrem Mann, ihrer Tochter Eva und ihrem Vater in Düsseldorf.
Dort erlebten sie auch die antijüdischen Ausschreitungen in den Novembernächten und -tagen 1938. Am 1. Dezember 1938 zog die Familie Moser in die Konkordiastraße 66. Es gelang den Eltern, ihre Tochter Eva mit einem „Kindertransport“ am 30. Juni 1939 nach London bringen zu lassen. Jenny Mosers Schwester Helene emigrierte noch im September 1939 mit ihrem Ehemann Willi Voos nach Amerika.
Am 13. Juni 1940 schreib Jenny Mosers Tochter Eva in England einen Rot-Kreuz-Brief: Geliebte Mutti. Allerherzlichste Wünsche zum Geburtstag und alles Gute wünsche ich von ganzem Herzen Dir Deine Eva. Kuß für alle. Jenny Moser antwortete am 25. August 1940: Geliebtes Kind! Dank für heutigen Glückwunsch. Erwidere denselben herzlichst. Jungens und uns geht’s gut. Alle gesund. Du auch? Antworte baldmöglichst. Innige Küsse Mutti, Vati Opa.
Am 13. April 1941 starb Jenny Mosers Vater Simon Heidt im Altenheim der jüdischen Gemeinde Düsseldorf im Haus Grafenberger Allee 78. Er wurde neben seiner Frau auf dem jüdischen Friedhof in Warburg bestattet.
Am 10. November 1941 wurde Jenny Moser zusammen mit ihrem Mann Sally vom Güterbahnhof Derendorf in das Ghetto von Minsk deportiert. Es gelang ihnen in der Folgezeit, mehrfach Nachrichten an ihre Söhne in den Niederlanden zu schicken. Ihr Sohn Hans schrieb am 5. Dezember 1942 an seine Schwester in England: […] Die Eltern schreiben ganz gut. Am 28. August 1943 schrieb er ihr: Erich and I are well, from parents no news. Das letzte Lebenszeichen von Jenny und Sally Moser war im September 1942 bei ihm angekommen.
Aber sie haben Minsk nicht überlebt. Auch ihr Sohn Erich wurde 1943 aus den Niederlanden deportiert und im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Ihr Sohn Hans Moser überlebte die Deportation.
Jenny Moser war 50 Jahre alt.