Max Löwenstein

  • Geburtsdatum: 24.10.1873
  • Geburtsort: Bonn
  • Beruf: Kaufmann, Journalist, Politiker
  • Wohnort:

    Sedanstraße 2, Kipdorf 88

  • Todesdatum: 29.11.1935
  • Todesort: Wuppertal

Max Löwenstein wurde am 24. Oktober 1873 in Bonn geboren.

In Barmen lebte Hermann Seligmann Gabriel Löwenstein, ein Kaufmann, der während der Sozialistengesetze in den 1880er Jahren eine illegale Ausgabestelle für die Zeitschrift „Der Sozialdemokrat“ in Barmen hatte und darum 1889 in dem bekannten „Geheimbundprozess“ gemeinsam mit 128 Sozialdemokraten angeklagt wurde. Ob er ein Verwandter, vielleicht sein Vater, war, ist nicht bekannt.

Vermutlich war Max Löwenstein schon als junger Mann Mitarbeiter der sozialdemokratischen „Freien Presse“. Als im August 1914 der Erste Weltkrieg begann, wurde auch Max Löwenstein eingezogen. Aber er war ein Gegner des Krieges. In der Nacht zum 22. Juli 1916 wurde er mit weiteren drei Aktivisten verhaftet, weil er Flugblätter verteilt hatte. Erst am Tag zuvor war er von der russischen Front für einen kurzen Heimaturlaub zu seiner Frau Meta und seinem 16-jährigen Sohn Siegmund zurückgekehrt. Im Februar 1917 wurden die Oppositionellen wegen Landesverrats angeklagt, zu mehreren Monaten Haft verurteilt und anschließend an die Front geschickt.

Bei seiner Rückkehr im November 1918 war Max Löwenstein bereits ein bekannter Politiker der Linken und wurde zum Vorsitzenden des Barmer „Arbeiter- und Soldatenrats“ gewählt und Mitglied im Volksbildungsausschuss. Max Löwenstein schloss sich der USPD an und arbeitete bei deren Zeitung „Volkstribüne“ als Redakteur und Schriftleiter. Er schrieb politische Gedichte, die in der „Volkstribüne“ auch publiziert wurden.

Am 13. Januar 1919 erschien in der „Volkstribüne“ unter dem Titel „Die Revolution, wie ich sie anfasse!“ folgendes Gedicht von Max Löwenstein:

 

Nur nicht mit wehendem Lockenhaar,

Nur nicht die Fahne blutig rot,

Nur nicht das blanke scharfe Schwert,

Die Fackel nicht, die glüht und loht!

 

Nicht schreite sie mit eh`rnem Schritt,

Der aus der Ruh den Bürger weckt,

Und auch die Lumpen lieb ich nicht,

Drin noch der Dunst vom Zuchthaus steckt.

 

Nicht frech und mit entblößter Brust

Geht sie am lichten Tag einher,

Das passt sich nicht, das schickt sich nicht,

Und das geniert mich gar zu sehr.

 

Nein, heimlich kommt sie in der Nacht

Mit ausgeschnittnem Seidenkleid,

Durchbrochnen Strümpfen, Stöckelschuhn,

Die Röckchen raffe sie recht weit.

 

Und wohl erzogen, wohl frisiert

Sei sie, dabei hübsch rot geschminkt,

Auch hab ich`s gerne, wenn das Parfüm

Nach Rosen und nach Veilchen stinkt.

 

Sie redet den und jenen an

Und gibt für Geld sich allen hin,

das Dirnchen; nun, wie nenn ich sie:

Revolution, nach meinem Sinn.

 

Im Dezember 1918 war Max Löwenstein einer der 17 Delegierten des Bezirks Niederrhein auf dem Reichskongress der „Arbeiter- und Soldatenräte“, auf dem eine republikanische Gesellschaftsordnung diskutiert wurde.

Zu dieser Zeit wohnte Max Löwenstein an der Sedanstraße 2 in Barmen, ganz in der Nähe des Gewerkschaftshauses. 1922 wurde er Mitglied der SPD und gehörte über viele Jahre der Stadtverordnetenversammlung an. Im Januar 1921 war er einer der Mitbegründer der „Freien Volksbühne für das Wuppertal“. Sein literarisch-kulturelles Engagement brachte er auch in die Volkshochschularbeit ein. Zum Beispiel hielt er ein Seminar ab mit dem Thema „Frauenprobleme im Spiegel Ibsenscher Dichtung“.

1931 spaltete sich auf dem Leipziger Parteitag die Linke von der SPD ab und gründete die „Sozialistische Arbeiterpartei“ SAP. In Wuppertal schlossen sich etwa 500 Sozialdemokraten der neuen Partei an, zu deren Vorsitzenden Max Löwenstein gewählt wurde.

Zur selben Zeit gründete Max Löwenstein ein Textilgeschäft im Elberfelder Kipdorf 88, das nach 1933 sofort unter verschärfter Beobachtung der Nationalsozialisten stand.

1935 wurde Max Löwenstein verhaftet und in das Gefängnis Bendahl verbracht. Unter nicht geklärten Umständen kam er dort um, 62 Jahre alt.

Sein Sohn Siegmund, Aktivist im Vorstand des Jungbanner Schwarz-Rot-Gold, wurde als politischer Aktivist verfolgt und nach vielen Jahren im Untergrund am 21. Februar 1944 in Gestapolager Neue Bremm bei Saarbrücken ermordet.

Quellen


Rhefus, Reiner: Spurensicherung 1920. Der Arbeiteraufstand gegen den Kapp-Putsch und die damalige Arbeiterkultur im Bergischen Land, Essen, 2000, S. 322-324 | Mintert, David: „Sturmtrupp der Deutschen Republik“. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Wuppertal 2002 | Stadtarchiv Wuppertal: Sterbeurkunde Elberfeld 1921/1935